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Entsorgte Schadstoffe

Schadstoffleitung in Natzing: Heftige Kritik an der Informationspolitik der Gemeinde Eggstätt

Rohre (Symbolbild).
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Rohre (Symbolbild).

Der Eggstätter Bürgermeister hat die Gemeinderäte in der Gemeinderatssitzung über den Vorfall informiert. Kritik über das Vorgehen der Gemeinde gab es dann in den Sozialen Medien. Die große Frage lautet: Wer wusste was zuerst?

Eggstätt – Hat die Gemeinde Eggstätt seine Bürger und Gemeinderäte zu spät oder unzureichend über eine Verunreinigung in einem Gully in Natzing informiert? Dieser Kritik stellten sich der erste und zweite Bürgermeister in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Ein Auslöser dafür war unter anderem ein OVB-Artikel über die Vorkommnisse in Natzing vom 8. Mai.

Glas rechtfertigt sich im Gemeinderat

In der vergangenen Gemeinderatssitzung informierte der Bürgermeister das Gremium über den Tatbestand. „Wir tragen Verantwortung“, betonte der Rathauschef. Tatsache sei, dass Giftstoffe (Perfluorierte Tenside) in einen Gully eingeleitet worden waren und dass der Schadensverursacher erwischt wurde (wir berichteten).

Gefahr für Bevölkerung bestand nicht

Für die Bevölkerung bestand keine unmittelbare Gefahr. Dies habe das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim bestätigt. Durch eine Fachfirma sei das Kanalsystem durchgespült worden und 500 Kubikmeter verunreinigtes Erdreich seien abgetragen worden, die „derzeit noch besonders gelagert“ werden, so Bürgermeister Christian Glas. Weitere Boden- und Wasserproben werden, so der Bürgermeister weiter, „laufend in sehr engen Abständen“ durch die Fachfirma durchgeführt, um eventuell weitere Maßnahmen zu ergreifen.

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Dies alles sei in enger Zusammenarbeit und Abstimmung mit dem Wasserwirtschaftsamt, dem Landratsamt Rosenheim und den weiteren zuständigen Behörden erfolgt. Die Trinkwasserversorger der Nachbargemeinden Bad Endorf und Breitbrunn sowie Eggstätt seien informiert worden. Der Bericht über die Verunreinigung sei von der Gemeinde in direkter Absprache und Durchsicht mit den Fachbehörden und Staatsanwaltschaft verfasst und vom Landratsamt an die Medien verteilt worden, erläutert Glas sein Vorgehen.

Zu spät informiert?

Der Zweite Bürgermeister Hans Plank (CSU) informierte daraufhin das Gremium über die Gerüchte, die im Ort kursierten. Demnach habe die Gemeinde zu spät gehandelt und die Presse sei zu spät informiert worden. Dies seien „haltlose Anschuldigungen“, betonte Plank, die auch „nicht zielführend“ seien. Helmut Hundhammer (CSU) verurteilte das Einleiten der Schadstoffe als „ein hoch kriminelles Vergehen.“

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Er dankte der Verwaltung für das sofortige Handeln. Auch von der Fraktion der Grünen und der ÜWG wurde das umsichtige und schnelle Handeln der Gemeinde gelobt. Kritik äußerten die Fraktionen nicht. Markus Löw (FB) erkundigte sich nach den entstandenen Kosten. Beim Verursacher „scheine wohl nichts zu holen sein“, sagte Glas, aber er wolle das Gremium bezüglich Haushaltsplanung vorwarnen, dass bei den Sanierungskosten „noch viel Luft nach oben“ sei. In der Gemeinderatssitzung war damit dieses Thema beendet.

Diskussion geht in Facebook weiter

In den sozialen Medien hingegen ging die Diskussion über die Öffentlichkeitsarbeit der Gemeinde weiter. So verlinkte Plank auf seiner Facebook-Seite einen entsprechenden Artikel über die Verschmutzung. Manfred Fischer von den Grünen kritisierte unter dem Post, dass die Bevölkerung über die Presse und nicht über die Gemeinde informiert wurde. Die Bevölkerung müsse sich anscheinend, selbst informieren.

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Punkte, die Zweiter Bürgermeister Plank in seinen Kommentaren nicht so stehen ließ: Wem die Gemeindepolitik wichtig sei, der solle den öffentlichen Gemeinderatssitzungen beiwohnen, um sich umfassend und aus erster Hand zu informieren. Und: „Die Gemeinde ist hier die Geschädigte, nicht der Verursacher“, so Plank. Man darf gespannt sein, wie der Streit weitergeht.

Für den Rathauschef Glas hingegen stehen die Sicherheit der Bevölkerung und die Fortsetzung der Reinigungsmaßnahmen im Vordergrund. So habe man sich beispielsweise in den vergangenen Wochen erneut mit allen Beteiligten getroffen, um die weiteren Maßnahmen einvernehmlich abzusprechen: „Bedacht sowie in enger Abstimmung und Zusammenarbeit mit den Behörden und Fachfirmen.“

Was war in Natzing passiert?

Ein ortsfremder Unternehmer hatte illegal eine Flüssigkeit in einen Gully im Gewerbegebiet Natzing abgelassen. Über das geschlossene Regenwasserkanalsystem gelangten so Schadstoffe des Typs PFT, perfluorierte Tenside, in das Rückstau- und Filterbecken des Gewerbegebiets.

Der Verursacher wurde von Beamten der Polizeiinspektion Prien auf frischer Tat ertappt. Die zuständige Staatsanwaltschaft Traunstein hat ein Ermittlungsverfahren, unter anderem wegen des Verdachts der Gewässerverunreinigung, eingeleitet. Die gesamten Sanierungsarbeiten haben die Gemeinde bisher laut Bürgermeister Christian Glas rund 100.000 Euro gekostet – „und nach oben ist noch sehr viel Luft“.

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