Eine Häuserzeile als Lärmschutz

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Das geplante Baugebiet wird östlich (rechts) von der Bahnlinie Rosenheim-Salzburg, westlich (links) von der Prien und nördlich von einer Retentionsfläche für Hochwasser begrenzt.

Prien - Baugrund ist knapp in Prien, viele freie Flächen stehen unter Landschaftsschutz. Eines der größten Neubaugebiete der letzten Jahre soll am Eisvogelweg entstehen - unter einer Bedingung:

Die Bedingung: Zuerst sollen die Häuser unmittelbar an der Bahnlinie gebaut werden, um die Gebäude westlich dahinter vor Bahnlärm zu schützen.

Die Bahngleise liegen etwa eineinhalb Meter höher als das Niveau des geplanten Neubaugebiets.

27 Wohneinheiten in Einfamilien- und Doppelhäusern sieht der Entwurf des Bebauungsplans vor. Eingeleitet hat der Bauausschuss das Verfahren bereits im April 2010 auf der Grundlage einer Anfrage der Grundeigentümer, die auch die Kosten tragen. Sie müssen auch die Erschließung des Baugebiets finanzieren und sich verpflichten, öffentliche Flächen, also vor allem die Straße, dann ins Eigentum der Gemeinde zu übertragen. Das wird in einem Kosten- und Erschließungsvertrag geregelt, der derzeit entsteht.

In seiner jüngsten Sitzung musste sich der Bauausschuss mit den Bedenken und Anregungen von Ämtern und Behörden sowie von Nachbarn aus der bereits zweiten Auslegung des Entwurfs auseinandersetzen. Wesentlicher neuer Aspekt und Auslöser einer Diskussion war eine Bedingung, die das Landratsamt Rosenheim schriftlich festgehalten haben will. Erst wenn die Häuserzeile an der Ostgrenze des Gebiets gebaut ist, dürfen die anderen Häuser entstehen.

Denn die vorgesehenen, jeweils zweistöckigen drei Doppelhäuser und ein Einzelhaus sollen mit zweigeschossigen Garagenbauten dazwischen eine durchgehende Front bilden und so quasi eine Lärmschutzwand für die weiteren, westlichen Gebäude als Abschirmung zur Bahnlinie bilden.

Die Grundstücke dieser östlichen Zeile beginnen am Rand des vorhandenen Kieswegs, der der Bahn gehört und bestehen bleibt, also nur wenige Meter vom Bahndamm entfernt. Dass diese Häuser mit Lärmschutzfenstern und Lärm absorbierenden Isolierungen ausgestattet werden müssen, setzt der Ausschuss voraus. Ihre abschirmende Wirkung soll ermöglichen, dass die westlichen Häuser auf konventionelle Art, also ohne teure Lärmschutzvorrichtungen gebaut werden können.

Eine kurzzeitige Ratlosigkeit löste die Frage aus, wie sich die Bewohner der östlichen Häuser vor dem Lärm vorbeirasender Züge auf der viel befahrenen Strecke Rosenheim-Salzburg schützen können, wenn sie sich im Garten aufhalten. Weil die Gleise auf dem Damm gut eineinhalb Meter höher liegen als das Grundstücksniveau und damit fast auf gleicher Höhe wie die Obergeschosse, müssten wirksame Lärmschutzwände wohl über sieben Meter hoch sein.

Deren Genehmigung, sollten sie einmal beantragt werden, stellte das Gremium in Aussicht. Genehmigungsfrei sind Lärmschutzwände bis zu zwei Metern Höhe - allerdings vom Grundstücksnieveau gemessen.

Auf der anderen, westlichen Seite des Baugebiets fließt die Prien entlang. Hochwassergefahr schloss das Gremium per einstimmigem Beschluss aus, in dem es unter anderem heißt: "Aufgrund der getätigten Hochwasserfreilegung durch das Wasserwirtschaftsamt (WWA) Rosenheim soll zukünftig keine Überflutung der Wohngebiete möglich sein. Alle Durchlässe sind den Anforderungen entsprechend dimensioniert. Ein Grundwasseranstieg durch die zusätzliche Bebauung kann ausgeschlossen werden."

Das WWA hatte vor etwa zwei Jahren auch überschüssiges Aushubmaterial von einer anderen Baustelle dazu verwendet, an der nördlichen Grenze des Bebauungsplangebiets einen etwa einen Meter hohen Wall von der Prien bis zum Bahndamm aufzuschütten. Er grenzt das Neubaugebiet von einer nördlich gelegenen Retentionsfläche ab.

In den Entwurf des Bebauungsplans wird noch ein Vorschlag eines Anliegers eingearbeitet. Während die Erschließungsstraße in einem Rechteck um die Grundstücke verläuft, soll zwischen den Parzellen ein abkürzender, in Nord-Süd-Richtung verlaufender Gehweg entstehen. Das kommt dem Markt Prien insofern entgegen, als genau darunter ein Kanal verläuft, der andernfalls hätte verlegt werden müssen.

Nach einer verkürzten, dritten Auslegung des Entwurfs, an der aber nur noch die so genannten Träger öffentlicher Belange beteiligt werden, die von jetzigen Änderungen betroffen sind, soll der Bebauungsplan dann als Satzung beschlossen und damit gültig werden.

db/Chiemgau-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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