Eine zeitlose Tragödie

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Die beiden Schauspieler Johanna Bittenbinder und Heinz-Josef Braun ließen die Personen aus dem Buch zu Wort kommen.

Prien - 2006 machte ein Buch Furore: Der Krimi "Tannöd" heimste zahlreiche Preise ein. Ein Hörbuch erschien, auch ein Kinofilm. Jetzt stand das Werk an zwei Abenden in Prien im Mittelpunkt.

Autorin Andrea Maria Schenkel präsentierte im Foyer des kleinen Kursaals Passagen aus ihrem Bestseller. Anderntags lasen dann die Schauspieler Johanna Bittenbinder und Heinz-Josef Braun, untermalt mit viel Musik, aus "Tannöd" im kleinen Kursaal.

Exakt 26 Zuhörer kamen zur Lesung von Schenkel. Und Bärbel Kempf-Luley von der Buchhandlung am Rathausplatz verkaufte nur vier Exemplare von "Tannöd". Der Grund dafür: Offensichtlich kannten die 26 Zuhörer das Buch in- und auswendig. Und die wenigen, die es zu einem Sonderpreis von sieben Euro kauften, ließen es von Andrea Maria Schenkel für Freunde signieren.

Zunächst las die Autorin mit ruhiger Stimme vermeintlich harmlose Passagen, bevor sie allmählich Spannung aufbaute. Um am Höhepunkt dieser Spannung zu sagen: "Den Rest müssen Sie selbst lesen." Eine Aufforderung für diejenigen, die "Tannöd" schon vor Jahren gelesen hatten und es sich nun erneut zu Gemüte führten.

Marlene Anner, die bei der Priener Tourismus-Gesellschaft für Veranstaltungen zuständig ist, war ein wenig enttäuscht von dem spärlichen Besuch der Lesung. Aber auch darauf gibt es eine Antwort: Die meisten an "Tannöd" Interessierten hatten sich für den "urbayerischen Krimi-Abend mit vogelwilder Musik" entschieden.

Und so war der kleine Kursaal dann an diesem Abend nahezu voll besetzt. Schauspieler Johanna Bittenbinder und Heinz-Josef Braun, bekannt aus den Filmen von Marcus H. Rosenmüller und vielen Fernsehserien, ließen die Personen aus dem Buch zumeist in bairischer Sprache höchst effektvoll zu Wort kommen.

Im Gegensatz zur Lesung von Andrea Maria Schenkel half das "Art Ensemble of Passau", die Spannung Ton für Ton, urbayerisch bis jazzig und mit witzigen Percussion-Elementen auf die Spitze zu treiben. Und zwar bis zur völlig unerwarteten Auflösung.

Der Schluss war von der Autorin völlig frei erfunden. Denn was sollte auch ein Kriminalroman ohne Mörder? In Wahrheit aber war das Verbrechen, das sich im Jahre 1922 auf einem Einödhof bei Schrobenhausen ereignet hatte, niemals aufgeklärt worden. Andrea Maria Schenkel hatte in einer Zeitung etwas gelesen und aus dem Ereignis mit sechs Mordopfern einen spannenden Krimi gemacht.

"Wir hatten nie gedacht, dass wir dieses blutrünstige Stück seit nunmehr drei Jahren spielen würden", sagte Leo Gmelch, der Tuba und Posaune spielt und vor vielen Jahren das "Art Ensemble of Passau" gegründet hatte. Aber auch dafür gibt es eine ganz plausible Erklärung: Die Mordgeschichte von "Tannöd" ist zeitlos. Solche Tragödien samt Inzest und Kindesmissbrauch werden heutzutage von den Medien immer wieder aufgegriffen.

Gertie Falk (Chiemgau-Zeitung)

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