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Auf einem anderen Weg

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In ein besonderes Jahr ist die Waldorfschule in Prien gestartet. Heuer feiert sie ihr 30-jähriges Bestehen. Viele leuchtende Luftballons haben die Schüler in den Himmel steigen lassen.

Prien - Die Kunst und die Musik haben in der Freien Waldorfschule Chiemgau einen ganz besonders hohen Stellenwert. Im Unterricht an der Privatschule in Prien schenken ihnen die Lehrer große Aufmerksamkeit.

In den staatlichen Schulen hingegen, so sagen sie, werde die künstlerische und musische Erziehung zurückgefahren. "Wir gehen einen anderen Weg", so Dr. Albert Pröbstl, der Geschäftsführer der Einrichtung.

Einen runden Geburtstag feiert die Schule: Vor 30 Jahren hat sie ihren Betrieb aufgenommen. Ihre Anfänge lagen einst in Erlstätt (Gemeinde Grabenstätt), 1984 zog sie dann nach Prien. Viele Jahre gingen ins Land, Schüler über Schüler lernten Goethe und Schiller kennen. 1979/1980 saßen 110 Mädchen und Buben in vier Klassen im Unterricht, 2009/2010 drücken 557 Kinder und Jugendliche die Schulbank. Früher war die Waldorf- nur eine Grundschule, jetzt führt sie hin bis zum - staatlichen - Abitur. Doch das Selbstverständnis der Schulfamilie hat sich nicht geändert. Früher wie heute bringen sich vor allem auch die Eltern mit ein.

Schon 1979 hatten sie die alte landwirtschaftsliche Berufsschule in Erlstätt mit der eigenen Hände Kraft auf Vordermann gebracht, ehe dort dann der Unterricht begann. Und 1984 renovierten sie das alte Krankenhaus in Prien vor dem Einzug.

Auch heute noch ist der Einsatz der Eltern nach wie vor hoch. Ein Beispiel: Wenn etwa der Frühjahrs- oder der Herbstputz im Schulgebäude ansteht, dann ist viel Arbeit angesagt. In der Regel melden sich immer deutlich mehr Freiwillige, als Schulleiterin Andrea Wiericks Aufgaben zu verteilen hat.

Doch nicht nur arbeiten, auch mitbestimmen müssen und dürfen die Eltern. So etwa sitzen vier Vertreter der Elternschaft im Vorstand des Schulvereins und treffen dort dann zusammen mit drei Lehrern wichtige Entscheidungen etwa über die Anstellung eines Lehrers oder die Höhe des Schulgeldes. Und auch mit dem Unterricht sind die Eltern auf Tuchfühlung: Pro Klasse und Jahr tauschen sie sich an sechs Abenden mit den Lehrern aus. "Die Eltern arbeiten gemeinsam mit den Lehrern", berichtet Bärbel Lüling aus dem Kollegium. "Wir pflegen einen engeren Kontakt, als es an anderen Schulen möglich ist."

Eltern und Lehrer ziehen auch an einem Strang, wenn"s darum geht, den Betrieb zu finanzieren. 60 Prozent der Kosten übernimmt der Staat, 40 Prozent sind von der Schulfamilie aufzubringen. Im Schnitt müssen die Eltern laut Dr. Pröbstl 152 Euro im Monat bezahlen. Und auch die Lehrer leisten, wie sie sagen, einen Beitrag in barer Münze: Sie bekommen an der privaten Schule weniger Gehalt, als sie an einer staatlichen erhalten würden.

Noch nicht allzu lange zurück liegt der letzte große finanzielle Kraftakt: Eine Turnhalle hat die Waldorfschule gebaut. Eltern wie auch Lehrer haben nach Angaben von Dr. Pröbstl tief in die Tasche gegriffen. Die Schulfamilie habe ein Grundstück gekauft und den Bau errichtet. Der Staat habe seine finanzielle Unterstützung zugesagt, doch das Geld sei immer noch nicht in Prien eingetroffen. Der Zuschuss habe vorfinanziert werden müssen.

Die Schule ist, so ihr eigenes Bekenntnis, anders als die anderen. Die Waldorfpädagogik hat ihren eigenen Ansatz: Im Mittelpunkt der Lehrpläne für die einzelnen Klassen steht weniger die Hinführung zum Abitur als vielmehr, wie Lehrerin Lüling, die schon seit Anfang an an der Waldorfschule unterricht, sagt, die "Entwicklung des Menschen". Und Kollege Bernhard Schwazfischer, ebenfalls ein Lehrer der ersten Stunde, erläutert den Anspruch, der dahintersteckt: den Schülern nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern sie auch künstlerisch und musisch zu bilden.

Wie viele andere Waldorfschulen sieht sich auch Prien nach wie vor Vorurteilen ausgesetzt. Wer an anderen Schulen nicht zurechtkomme, der gehe eben auf die Waldorfschule, wer sich dort unterrichten lasse, der erhalte eine weltfremde Erziehung - So und anders lassen sich immer wieder Stimmen von Leuten vernehmen, die die Waldorfschule nicht wirklich kennen.

Und was sagt nun die Schulleiterin? Wenn sie sich zum 30. Geburtstag etwas wünschen darf, so Andrea Wiericks, dann eins: "dass unsere Pädagogik und die Früchte, die sie zeigt, gesehen, wahrgenommen und wertgeschätzt werden." Sie hoffe, dass die Waldorfschule als eine "Alternative zur staatlichen Ausbildung" anerkannt werde - und dass in dieser Form durchaus am Ende der Schullaufbahn auch herausragende Leistungen erzielt werden können. Im vergangen Schuljahr zum Beispiel haben laut Wiericks 22 Waldorfschüler das Abitur abgelegt - und zwar rund ein halbes Dutzend von ihnen im Notendurchschnitt mit einem Einser vor dem Komma.

re/Chiemgau-Zeitung

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