850 Einsätze für die Feuerwehren

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Eine Überraschung gab es für Grabenstätts Bürgermeister Georg Schützinger (li.) bei der Dienstversammlung der Feuerwehrkommandanten aus dem Inspektionsbereich Land 2. Kreisbrandrat Hans Gnadl (re.) überreichte ein Wappen des Landkreises Traunstein, nachträglich zur Einweihung und Inbetriebnahme des neuen Gerätehauses. Der Rathauschef gab es an 1. Kommandant Jürgen Richter weiter, der dem Geschenk einen Ehrenplatz im neuen Feuerwehr-Domizil geben wird.

Grabenstätt - Mehr als 850 Einsätze haben die 20 Feuerwehren im Inspektionsbereich Traunstein bis zum Jahresende bewältigt. Dafür gab es viel Lob und Ehrung.

Das entspreche fast einem Drittel aller Feuerwehreinsätze im Landkreis Traunstein und mache den Inspektionsbereich im südlichen Landkreis in Bezug auf die Zahl der Alarmierungen zum Einsatzschwerpunkt. Die voraussichtlichen Einsatzzahlen gab Kreisbrandinspektor (KBI) Georg König - zuständig für die Wehren im Achental und Trauntal - bei der Dienstversammlung der Kommandanten und Stellvertreter bekannt, die im Gerätehaus in Grabenstätt stattfand.

Die Palette der Einsatzarten reichte von vielen Unfällen mit Lastwagen, Verkehrsunfällen mit Schwerstverletzten und Toten über Bränden in Hotels und Gaststätten bis hin zu Suchaktionen nach Vermissten zu Land und auf dem Chiemsee und der Rettung von hilflosen Personen aus Wohnungen. Als besonders tragisch und für die eingesetzten Feuerwehrhelfer psychisch belastend bezeichnete König den Tod eines zweijährigen Kindes bei einem Verkehrsunfall nahe Siegsdorf und einen tödlichen Unfall bei Marquartstein, bei dem ein 50-jähriger Mann bei Holzarbeiten von einem umgestürzten Traktor getötet wurde. Bei beiden Einsätzen kam die schnelle Hilfe von Feuerwehr, Ärzten und Rettungsdienst zu spät. Glücklich verlief hingegen die Rettung eines 13-jährigen Buben, der in Übersee-Westerbuchberg 15 Meter tief in einen Schacht gestürzt war und beinahe unverletzt befreit werden konnte. König würdigte die professionelle Leistung der freiwilligen Dienstleistenden. Stets sei hervorragende Arbeit erbracht und hoch motiviert und engagiert Hilfe für Menschen in Not oder in Lebensgefahr erbracht worden. Für „sehr wichtig“ sieht es König an, Einsatznachbesprechungen durchzuführen, bei denen auch mögliche psychische Belastungen der Feuerwehrler angesprochen werden. Das Miterleben menschlichen Leides dürfe für die Feuerwehrler nicht zur Belastung werden. Der KBI empfahl den Kommandanten bei Bedarf auf das „Helfer-Interventions-Team“ des Kreisfeuerwehrverbandes zurückzugreifen, das den Kameraden Hilfestellung bei der Aufarbeitung seelischer Belastungen gebe.

Sorge bereitet dem Kreisbrandinspektor die Nachwuchsgewinnung. Deutlich weniger Buben und Mädchen als in den letzten Jahren engagieren sich bei den Jugendfeuerwehren. Nur 34 Anwärter legten die Jugendleistungsprüfung ab und damit nur noch halb so viele, wie noch vor sechs Jahren. Auch beim alljährlichen Wissenstest der Jugendfeuerwehren erreichte die Teilnehmerzahl mit 72 einen Tiefpunkt. „Wir müssen die Entwicklung analysieren, die richtigen Schlüsse ziehen und handeln“, forderte König die Kommandanten auf. Schon frühzeitig müsse man versuchen die Jugendlichen für den Feuerwehrdienst zu begeistern. „Mit 16 Jahren ist es zu spät, wir müssen um jeden Jugendlichen froh sein, der bei den Feuerwehren mitmacht.“ Andererseits müsse darauf geachtet werden, die jungen Feuerwehrler nicht zu überfordern, damit sie nicht vor Übertritt zur aktiven Mannschaft austreten und die Feuerwehr verlassen.

Nicht zufrieden äußerte sich König über die Zahl der abgelegten Leistungsprüfungen. Zwar unterzogen sich in diesem Jahr insgesamt 262 Feuerwehrler (vier mehr als im Vorjahr) einem Leistungstest. Bei fünf der insgesamt 20 Feuerwehren im Inspektionsbereich wurde jedoch keine einzige Prüfung durchgeführt. Dort wo dies zutrifft müsse sich die Feuerwehr die Frage gefallen lassen, ob Fahrzeug- und Geräteanschaffungen sowie Zuschüsse gerechtfertigt seien, wenn keinerlei Ausbildung stattfinde. Die Vorbereitung auf die Leistungsprüfungen und das standardisierte Ausbildungsverfahren habe sich bestens bewährt und schaffe Sicherheit und Routine, betonte König. Er lobte die Feuerwehren Erlstätt, Grabenstätt, Übersee, Inzell, Eisenärzt und Vogling, aus deren Reihen 161 Aktive eine Leistungsprüfung erfolgreich bestanden. Die Erlstätter Floriansjünger hoben sich mit 56 Absolventen vorbildlich hervor. Im gesamten Inspektionsbereich gab es 99 erfolgreiche Prüfungsteilnehmer beim Leitungstest „Gruppe im Löscheinsatz“ und 129 bei der „Technischen Hilfeleistung.“ Der Inspektionschef lobte das „sehr gute Ausbildungs- und Kursangebot“ des Kreisfeuerwehrverbandes. Er appellierte von den vielfältigen Schulungsmöglichkeiten Gebrauch zu machen. König hob das neue dezentrale Konzept der Truppmannausbildung hervor, das von Lehrgangsteilnehmer wie Ausbildern gelobt werde.
In diesem Jahr fanden im ganzen Landkreis sieben Lehrgänge mit 190 Teilnehmern statt. Im nächsten Jahr wird es eine Neuauflage der Übungstage mit mehreren Feuerwehren geben. Diese finden im April in Erlstätt und Grassau statt. Kreisbrandinspektor König erinnerte die Kommandanten an ihre Verantwortung rund um die Uhr für eine gut ausgebildete, einsatzbereite Mannschaft sorgen zu müssen. Mit der neuen Integrierten Leitstelle Traunstein ergeben sich Verbesserungen, an denen sich die Feuerwehren teilweise noch gewöhnen müssen. So werden die Wehren mit dem kürzesten Anfahrtsweg zum Einsatzort alarmiert, und nicht mehr bezogen auf das Gemeinde- oder Zuständigkeitsgebiet. Die zeitgleiche Alarmierung von Feuerwehren und Rettungsdienst führe auch häufig dazu, dass die Floriansjünger als Erste an den Einsatzorten sind. Dies erfordere Helfer mit guten Kenntnissen der Ersten Hilfe, um den Zeitraum bis zum Eintreffen von Notarzt und Rettungsdienst mit lebensrettenden Maßnahmen zu überbrücken.

Kreisbrandrat Hans Gnadl informierte über verschiedene aktuelle Themen, unter anderem über den Sachstand in Sachen Digitalfunk und die Gefahren durch Photovoltaikanlagen bei Gebäudebränden. Eindringlich warnte der Kreisfeuerwehrchef die Kommandanten und Einsatzleiter davor, Straßen, die wegen Verschmutzung durch Ölspuren von den Feuerwehren gereinigt wurden oder gesperrt waren, eigenverantwortlich wieder für den Verkehr frei zu geben. Dies müsse in der Verantwortung des Straßenbaulastträgers und der Straßenmeistereien bleiben und dürfe nicht den Feuerwehren aufgebürdet werden.

Fachkreisbrandmeister Christof Grundner berichtete über Neuerungen im Bereich Atemschutz, insbesondere über die im Frühsommer des nächsten Jahres in Betrieb gehende Rauchdurchzündungsanlage, die der Aus- und Fortbildung von Atemschutzträgern diene. Ingo Klepke informierte über die Aus- und Fortbildung auf Kreisebene und Thorsten Lohner, Fachberater EDV, stellte das neue System der Einsatzdokumentation vor. Bürgermeister Georg Schützinger zollte den Feuerwehren im Namen aller Rathauschefs des Inspektionsbereichs Respekt für ihre engagierte, ehrenamtliche Arbeit sowie ihren Einsatz zur Menschenrettung, Brandbekämpfung und Gefahrenabwehr.

Volk 

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