Eklat im Gemeinderat

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Übersee - Nachdem Bürgermeister Marc Nitschke in der Sitzung des Gemeinderats einen Antrag des Überseer Trachtenvorstands, dem Drittem Bürgermeister Alois Huber, auf Kostenübernahme für das Maibaumaufstellen verlesen hatte, herrschte zunächst eine wohlwollende Atmosphäre. Doch dann kam es zum Eklat.

Als sich nämlich eine endlose Debatte über einen Gleichstellungsversuch mit den Feldwieser Trachtlern entwickelte, die 2009 ebenfalls Gemeindemittel für ihren Maibaum erhalten hatten, war es Huber zuviel: Mit einem lauten Türknallen verließ er wütend die Sitzung.

"Wegen ein paar 100 Euro hin oder her", habe er sich "verarscht" gefühlt, sagte Huber später.

Die Fakten: Zu entscheiden war über einen Betrag von 2800 Euro, der sich aus den voraussichtlichen Kosten für Verbrauchsmaterial, Kran, Pferdegespann, Rahmenprogramm und Versorgung der Maibaumdiebe zusammensetzt. Der Baum selber werde laut Huber gespendet, Maibaumfiguren seien vorhanden und alle anfallenden Arbeiten würden vom Verein erledigt.

Der letztjährige Antrag des Trachtenvereins Chiemgau-Feldwies, des zweiten örtlichen Brauchtumvereins, belief sich auf Gesamtkosten von 7000 Euro. Davon bewilligte die Gemeinde 40 Prozent, also 2800 Euro. Zur Auszahlung kamen dann aber lediglich 1649 Euro, weil einige Rechnungen niedriger als veranschlagt ausgefallen waren. Erschwerend für einen gerechten Vergleich beider Anträge war zudem die Tatsache, dass die Feldwieser komplett neue Maibaumfiguren anschaffen mussten.

Während Bürgermeister Nitschke einräumte, dass eine Gleichbehandlung beider Vereine wegen unterschiedlicher Anträge und Ausgangslagen schwierig sei, bemühten sich die Räte um eine saubere Lösung.

So plädierte Franz Gnadl (SPD) "aus Gleichbehandlungsgründen" dafür, auch nur 40 Prozent der beantragten Kosten zu bewilligen. Paul Reichl (CSU) stellte fest, dass die Kosten viel zu niedrig angesetzt und die Anträge "total verschieden" seien. Wolfgang Schustek (Freie Bürgerliste) erinnerte an die bereits vorhandenen Maibaumfiguren, und Leo Segin (CSU) wollte die volle beantragte Summe bewilligen.

Nachdem Huber wütend den Saal verlassen hatte, resümmierte Dieter Schöneburg (SPD): "In all den Jahren haben wir es einfach nicht geschafft, alle Vereine gleich zu behandeln."

Schließlich stimmte die Mehrheit des Gremiums für die beantragte Kostenüber-nahme von maximal 2800 Euro. Lediglich Gnadl und Wolfgang Hofmann (Bayern-partei) stimmten dagegen. Über die tatsächlichen Kosten sollen die Rechnungen vorgelegt werden.

Huber begründete seinen Ärger später mit der geringen Wertschätzung von einigen Gemeinderäten für das große ehrenamtliche Engagement seiner Trachtler - nicht nur für die Trachtensache, sondern vor allem für die Dorfgemeinschaft.

vd/Chiemgau-Zeitung

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