Elfjähriger Orgel-Spieler begeistert

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Aaron Voderholzner spielte zum ersten Mal bei einem Gottesdienst die Orgel in der Christuskirche.

Prien - Erwartungsvoll drehten die Gottesdienstbesucher ihre Köpfe in Richtung Orgel. Als er dann erschien, strahlen die Gäste: Orgel-Spieler Aaron Voderholzner ist gerade mal elf Jahre jung.

Was für ihn eine Premiere war, sorgte schon mal 1955 für Schlagzeilen. Damals hieß der junge Organist an gleicher Stelle Volker Banfield und war sogar noch ein Jahr jünger. Neben der Begeisterung für die "Königin der Instrumente" eint die beiden ihr Talent.

Pfarrer Karl-Friedrich Wackerbarth der evangelischen Christuskirche hatte den Besuchern nichts über die erste musikalische Begleitung des Gottesdienstes durch den Elfjährigen erzählt. "Ich habe nichts sagen dürfen", verriet der Pfarrer, denn die Aufregung des jungen Organisten war natürlich riesig.

Neben dem Applaus bekam Aaron eine Orgelpfeife aus der evangelischen Kirche in Breitbrunn als Geschenk mit nach Hause.

Es sei immer sein sehnlichster Wunsch gewesen, Orgel zu spielen, erzählte seine Mutter Regina im Anschluss an den Gottesdienst, bei dem Aaron viele Hände schütteln musste. Denn die Besucher waren begeistert von seinem Spiel.

Vor knapp einem Jahr ist die Familie von Freiburg nach Prien gezogen. Im Breisgau spielte Aaron schon Klavier. Nachdem er nicht locker ließ, fragte seine Mutter bei dem Leiter der Kirchenmusik in Freiberg, Professor Carsten Klompp, nach. Dieser willigte nach einem kurzen Vorspielen ein, knüpfte aber Bedingungen daran: Mindestens 1,40 Meter groß habe Aaron zu sein, auch das Klavierspielen dürfe er nicht aufgeben und jeden Tag müsse er 20 Minuten üben. Bis auf die Größe war das für Aaron kein Problem.

Die anfangs fehlenden zwei Zentimeter machte er aber mit Eifer wett. Nach dem Umzug nach Prien wandte sich seine Mutter dann an den Dekanatskantor Andreas Hellfritsch aus Bad Aibling. Dieser kommt nun einmal in der Woche nach Prien, um Aaron zu unterrichten. Aber der Bub nimmt auch Unterricht an der Priener Musikschule, an der ihn Tanja Ghiradini unterweist.

Musik liegt der ganzen Familie im Blut, und so klatschten nicht nur Mama und Papa nach dem Konzert, sondern auch sein jüngerer Bruder und seine Schwester. Während der jüngere die ungewöhnliche Kombination aus Geige und Trompete lernt, singt seine Schwester Sopran und spielt Altflöte.

Seine Eltern sind überzeugt, dass Musik einfach ein "toller Ausgleich" ist. "Wenn Aaron nach dem Orgelspielen nach Hause kommt, dann ist er ein ganz anderer", beschreibt es seine Mutter.

Wie man sich das vorstellen kann, schilderte dann unter dem Gelächter seiner Geschwister Wackerbarth. "Er hat das Lied "Ihr Kinderlein kommet" runtergerockt", zitierte der Pfarrer den Kommentar des jüngeren Bruders nach einer Übung.

Warum er sich ausgerechnet dem Orgelspiel verschrieben hat, dafür lieferte Aaron im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung eine einfache Erklärung: "Wegen der Füße." Denn der Elfjährige übt nicht nur jeden Tag eine halbe Stunde an der Orgel - er darf nach der Schule in die Kirche -, sondern ist in seiner Freizeit auch begeisterter Fußballer.

Nur, dass es keine Orgelschuhe in seiner Größe gibt, stört Aaron ein wenig. Die "Tanzschuhe", die er stattdessen noch tragen muss, seien "ein bisschen peinlich". Aber: Oben in seinem Reich der Tasten, Orgelpfeifen, Noten, Register und, ganz wichtig, der Pedale sieht ihm ja keiner auf die Füße.

Alexandra Dachs (Chiemgau-Zeitung)

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