"Die Laster räumen mir die Birnen ab"

Bad Endorf - Erdgasbohrungen am Langbürgner See, ein Asylbewerberheim in Umratshausen - bei der Aufzeichnung der BR-Sendung "Jetzt red i" machten die Bürger ihrem Ärger Luft. **Jetzt mit Bildern**

Ohne großen Vorspann begann am Dienstagabend im Kultursaal am Park in Bad Endorf die Fragerunde zur Aufzeichnung der BR-Sendung "Jetzt red i". Rund 150 Gäste waren dabei, als zahlreiche Endorfer über zwei Stunden lang ihren drängenden Bitten Luft machen konnten. Dabei reichten die Themen von Chiemgau Thermen über die geplante Erdgasbohrung am Langbürgner See bis zur Partnerschaft mit Volovec.

"Jetzt red i" in Bad Endorf

Den Anfang machte mutig gleich Markus Heiß, stellvertretender Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Partnerschaft mit Volovec/Ukraine. Er bedauerte, dass Fördergelder zum kulturellen Austausch gestrichen wurden und schilderte die schwierigen Umstände, wie Ukrainer an ein Visum für einen Besuch in Bad Endorf kommen. "Sie müssen rund 800 Kilometer weit nach Kiew fahren. Sollten sie nicht rechtzeitig vor Ort sein, ist die Chance vorbei und der "Marathon" muss von vorne beginnen."

Josef Stein schilderte, warum ein Asylantenheim nicht nach Umratshausen gehört.

Der Vorstandsvorsitzende der GWC AG Dietolf Hämel schilderte zusammen mit dem Abteilungsleiter des Thermenbereichs, Wolfgang Rolla, die schwierige Situation der Chiemgau Thermen. Besonders das Ungleichgewicht in puncto Förderung von privaten Bädern - sie bekommen keine staatlichen Zuschüsse - und Staatsbädern mit Förderung wolle man in Bad Endorf nicht länger hinnehmen. "Wir haben eine hohe Konkurrenzdichte in der Region. Gleichzeitig müssen wir die hohe Investitionen alleine stemmen. Da reichen auch die rund 300.000 Thermenbesucher im Jahr nicht", so Hämel. Die Krux dabei sei, dass Thermenanlagen bei Banken generell nicht kreditfähig seien. "Insgesamt stehen Staatsbäder ganz anders da", so auch Rolla. Er betonte vor laufenden Fernsehkameras geschickt die wohltuende Wirkung des Soleheilwassers, worauf Hämel meinte: "Ich glaube, wir setzen sie künftig besser in der Marketingabteilung ein."

Ebenso locker und unaufgeregt brachten auch viele andere Redner ihr Anliegen vor: Die geplante Erdgasbohrung in Breitbrunn, die vorbildhafte Bulldogrestaurierung mit Demenzkranken im Katharinenheim, der unnötige Flächenverbrauch, die umstrittene Umgehungsstraße Bad Endorf, die unzeitgemäße Bahnunterführung, die unsinnige Güllesperrfrist, die knappe Fahrplangestaltung des öffentlichen Personennahverkehrs, Windkraft in der Höslwang, die schwierige Situation von Musiklehrern mit ihrer "Online-Schule" oder das umstrittene Asylantenheim in Umratshausen.

Markus Heiß sprach über die Partnerschaft mit Volovec/Ukraine.

Plastisch schilderten auch einige Bürger die Situation im Endorfer Ortsteil Mauerkirchen. Auf einigen hundert Meter Länge fehle plötzlich der Radl- und Fußweg und auch der Straßenzustand sei "unter aller Kanone". In der Vergangenheit sei zur Sanierung immer nur "draufgeteert worden, jetzt ist sie innerorts so hoch wie mein Fenstersims", so ein Anlieger. Und er ergänzte: "Außerdem räumen mir die Laster bei der Schrägläge in der Kurve immer die Birnen ab!" Nun sei es Zeit, dass die bayerische Staatsregierung endlich Gelder zur Sanierung locker mache. Ausgestrahlt wird die Sendung "Jetzt red i" am 11. Juli ab 20.15 Uhr.

Sigrid Knothe (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

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