Therme steht das Wasser bis zum Hals

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Blick auf ein Idyll: der Strömungskanal in den Chiemgau Thermen. Sie sind das Sorgenkind im Konzern.

Bad Endorf - Die Situation, in der sich die Gesundheitswelt Chiemgau (GWC) AG befindet, ist erkennbar ernst. Dieser Abwärtsstrudel könnte auch schnell die Marktgemeinde erfassen!

Schnell könnte dieser Abwärtsstrudel auf Grund der Verflechtungen auch die Marktgemeinde Bad Endorf erfassen. Nun muss gehandelt werden. Das sehen auch die Gemeinderäte so. Doch über das "Wie" gehen die Ansichten weit auseinander.

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Andreas Krug (ÜWG) bedauert, dass es "keinen wirklichen Plan" gibt, wie dieser Krise zu begegnen sei und meint: "Wir brauchen Beratung in der Gemeinde." Denn diese gegenseitigen Abhängigkeiten und Verflechtungen seien auch für ihn, der als Banker eine Portion Sachverstand mitbringe, "immer wieder schwer zu durchschauen". Und deshalb sei auch eine Lösung nicht so einfach aus dem Ärmel zu schütteln, wenngleich er sagt: "Ich bin zuversichtlich, dass es eine gute Lösung gibt." Wichtig sei ihm, dass die Marktgemeinde zumindest mit einem "blauen Auge" herauskommt. Er hofft auf einen Investor, der die zwar sehr attraktive, aber eben auch Miese-machende Therme kauft, plus einem "Paket", in dem sicher auch die Option auf ein Hotel enthalten sein muss. "So wollen wir die Chiemgau Thermen erhalten. Nur so bleiben wir touristisch dabei", glaubt Krug, der auch im Aufsichtsrat der AG sitzt. Der Haken an der Geschichte ist aber, dass im Jahr 2002, dem Beginn der Sanierung, Millionenzuschüsse vom Staat gezahlt wurden. Die wären beim Verkauf an einen privaten Interessenten zur Rückzahlung fällig. Welcher Investor lässt sich darauf ein?

Für "geradezu tödlich" hält Krug den Vorschlag, das gemeindliche Aktienpaket als ganzes zu verkaufen: "Dafür ist auf dem Markt nichts mehr zu erzielen."

Einen ganz anderen Weg will Norbert Eckstein (CSU) gehen. "Die einfachste Lösung wäre es, den Pachtvertrag zu ändern", sagt der gelernte Finanzwirt. Wenn die Laufzeit verkürzt würde, sei auch die Drohverlustrückstellung reduziert. Denn in der Rückstellung muss die abgezinste Pacht bis 2032 als Summe eingestellt werden. Er plädiert deshalb für eine Laufzeitverkürzung, etwa bis 2017. Der CSU-Chef will so den "worst case", die Zerschlagung des Konzerns, verhindern. Deshalb dürfe die finanzielle Situation der Chiemgau Thermen nicht kippen. Auch beim Thema Brandschutz und Bohrung II will er intensiv mit dem zuständigen Bergamt (Bohrung) und der Staatsregierung verhandeln. "Diese Dinge müssen doch nicht alle auf einmal und auch noch sofort bewerkstelligt werden." Die Chiemgau Thermen zu verkaufen, um den Konzern zu retten, sei "keine schlechte Idee", doch auch er sieht die hohen Hürden.

Er fordert ein "viel deutlicheres Bekenntnis der Gemeinde" zum Titel Bad, zum europaweit einzigartigen Solewasser und zum Tourismus. Eckstein: "Wenn wir den Tourismus endlich ernst nehmen, dürfen wir solche Blechbüchsen wie den neuen Einkaufsmarkt nicht dulden. In Österreich wird es uns doch vorgemacht, wie es geht."

Aufsichtsratsvorsitzender und dritter Bürgermeister Hieronymus Stockinger (SPD) sieht nur eine Chance: Er will den Gordischen Knoten mit einem wuchtigen Hieb zerschlagen. "Wenn wir uns an alle Gesetze halten, wird eine Aufdröselung der Verflechtung unmöglich. Das geht nicht." Sein Vorschlag: Die Aktienmehrheit für einen symbolischen Preis beispielsweise an eine Stiftung zu veräußern. So könnten Gemeinde und AG elegant getrennt werden. Wichtig sei, dass die AG handlungsfähig und nicht durch kommunales Recht ständig ausgebremst werde. Zudem sollte - da stimmt er seinem Kollegen von der CSU zu - der Pachtvertrag neu verhandelt werden. Den Ratschlag, bei der Bohrung II nach dem Motto "Deckel drauf und fertig" zu verfahren, hält er für unausgegoren: "Nur das Verschließen der Bohrstelle kostet rund fünf Millionen Euro. Da kann ich gleich sanieren."

Und auch an den Investor glaubt er nicht so recht. "Wer die Thermen kauft, will weitere Zugeständnisse, etwa einen Betriebskostenzuschuss und den Ausbau der Infrastruktur." An den rund acht Millionen Euro Schulden für das Darlehen (Sanierung) und an den rund vier Millionen Euro Zuschuss, der zur Rückzahlung fällig wäre, würde sich wohl kein Investor beteiligen. Sein Fazit: "Wir müssen schnellstens handeln. Uns steht das Wasser bis zum Hals."

Bürgermeisterin Gudrun Unverdorben war für eine Stellungnahme gestern nicht zu erreichen.

Sigrid Knothe (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

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