GWC: Die Lage bleibt kritisch

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Bad Endorf - Der Gesundheitswelt Chiemgau AG droht nach wie vor das finanzielle Ende. Das wurde auf der Jahreshauptversammlung ersichtlich.

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Mit einem Stolperer begann gestern die Hauptversammlung der Gesundheitswelt Chiemgau (GWC) AG: Wegen eines Formfehlers in der Einladung konnten die Aktionäre weder den Vorstand noch den Aufsichtsrat entlasten und auch nicht den Abschlussprüfer für das Geschäftsjahr 2012 wählen. Das soll nun in einer weiteren Versammlung im Oktober nachgeholt werden. Den Jahresabschluss und den Ausblick gaben für den Konzern Finanzvorstand Roland Zeh und Vorstand Dietolf Hämel. Ihr Fazit: "Operativ war es dank der guten Ergebnisse der beiden Kliniken ein sehr gutes Jahr."

Der Umsatz betrug für das Geschäftsjahr 2011 insgesamt rund 41 Millionen Euro, das operative Ergebnis betrug knapp zwei Millionen Euro und der sogenannte Cashflow 345.000 Euro. "Insgesamt sehr ordentlich und fast in allen Bereichen besser als im Vorjahr", so Dietolf Hämel.

Doch die dunklen Wolken am Horizont haben sich nicht verzogen und entsprechend ernst waren die Mienen des Vorstandes. 13,3 Millionen Euro müssen aus aktienrechtlichen Gründen als Drohverlustrückstellung in die Bilanz eingestellt werden. Bis spätestens Ende 2013, möglichst aber schon früher, müssen diese Millionen aufgetrieben werden, sonst droht das finanzielle Ende. Auslöser für diese Schieflage des Konzerns sind im Wesentlichen die Kosten für die aktuelle Bohrung nach Thermalwasser (7,4 Millionen Euro) und für die notwendige Erneuerung des Brandschutzes (3,2 Millionen Euro) sowie Zinsbelastungen (876.000 Euro). Damit bleibt die Chiemgau Therme nach wie vor das "Sorgenkind".

Ein in Fachkreisen renommierter Bäderberater habe klar gemacht: Bäder sind und bleiben Verlustgeschäfte. Dreh- und Angelpunkt sei die Größe der Wasserfläche und damit die Energiekosten. Außerdem sei entscheidend, wie stark die Konkurrenz in der Umgebung auftrete, machte Hämel deutlich. Pluspunkte könnten, so das Beraterteam, durch eine ansprechende und gut frequentierte Sauna gesammelt werden.

Hinzu kommt eine weitere Problematik: Die Pachtverträge mit der Marktgemeinde Bad Endorf, die bis ins Jahr 2032 laufen. Trotz eingehender Prüfung durch Spezialisten sei klar: Es gibt keine Sonderkündigungsrechte. Das bedeutet, dass trotz Schließung der Therme die Pachtzahlungen bis 2032 weiterlaufen. "Das ist eine bittere Pille, zumal Investitionen in die Instandhaltung und die Sanierung - auch Schäden aus der Vergangenheit - voll vom Konzern zu tragen sind", bedauert Finanzvorstand Roland Zeh.

Hinter den Kulissen, so scheint es, wird fieberhaft an vielen möglichen Szenarien zur Rettung des Konzerns gearbeitet. Hämel: "Es geht um die Zukunftsfähigkeit der Unternehmensgruppe und um die Zukunft von fast 1000 Mitarbeitern." Intensive Gespräche führe der Vorstand mit der Regierung von Oberbayern und dem bayerischen Finanzminister. Ebenso arbeiten eine Arbeitsgruppe und die Marktgemeinde an möglichen Lösungen. Allerdings machte Bürgermeisterin Gudrun Unverdorben auf der Hauptversammlung deutlich, dass sie finanzielle Hilfe an den Konzern ablehne. Die Marktgemeinde habe ihre Aufgaben für den Bürger zu erfüllen, ein Unternehmen müsse seine Aufgaben erledigen. Einem Verkauf des Mehrheitsaktienpakets der Gemeinde von rund 76 Prozent, den Aufsichtsratsvorsitzender und dritter Bürgermeister Hieronymus Stockinger ins Spiel brachte, stimmte sie nicht zu.

Intensiv wird offenbar sowohl vom Konzern als auch von der Gemeinde ein Investor gesucht, der die Chiemgau Therme übernehmen könnte. Bereits im Vorfeld war deutlich geworden, dass die Marktgemeinde dem Wunsch eines möglichen Investors nach einem Hotel großzügig entgegenkomme. Doch noch sei nichts spruchreif, wurde in der Versammlung betont.

Ein weiterer Hemmschuh für die Entwicklung des Konzerns ist die enge Verzahnung mit der Gemeinde: "Wir wollen uns im Marktsegment Medizin weiter stärker engagieren, hier liegen unsere Schwerpunkte", so Hämel. Doch wegen der engen Verflechtung könne man keine weiteren Unternehmen hinzuerwerben, wenn diese nicht auf Bad Endorfer Gemeindegebiet liegen. "Das müssen wir ändern", fordert auch Finanzvorstand Zeh.

Denn "im Bereich Medizin haben wir ein Klassejahr hingelegt", sagen beide Vorstände. Glänzende Zahlen und überdurchschnittliche Belegung machten die Klinik St. Irmingard in Prien und die Simssee Klinik Bad Endorf zu "Leuchttürmen" in der Bilanz. Allerdings forderte Hämel die Politik auf, für mehr Planungssicherheit zu sorgen.

Für Applaus sorgte zum Schluss die rhetorische Frage eines Aktionärs: "Wann hat es den letzten Brand in einem Bad gegeben? Schlagen wir uns nicht mit einem Luxusproblem herum, das uns direkt in das Aus führt?"

re/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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