Ein Biomasse Heizwerk für Bad Endorf?

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Als möglicher Standort für ein Biomasse Heizwerk der BEBE würde ein Grundstück im Handwerkerpark in Frage kommen, auf dem zur Zeit ein Zirkus seine Zelte aufgeschlagen hat.

Bad Endorf - Die Energieversorgung soll in Zukunft so weit wie möglich CO2-neutral erfolgen. Dafür wird nun an einem Nahwärmenetz mit einem Biomasse Heizwerk im Handwerkerpark geplant.

In der Juli-Sitzung des Bad Endorfer Gemeinderates war ein beherrschendes Thema der Sachstandsbericht der Bürger Energie Bad Endorf (BEBE) GmbH zum Energiekonzept Bad Endorf, an dessen Ende es zu zwei Mehrheitsbeschlüssen kam, von denen einer auf der GWC-Hauptversammlung im August diesen Jahres auch artikuliert werden soll.

Ulrich Rosinger, Geschäftsführer von BEBE, informierte das Plenum über den aktuellen Sachstand. Als Eckpunkte sind von der BEBE definiert: Die Energieversorgung von Bad Endorf soll in Zukunft so weit wie möglich CO2-neutral erfolgen, langfristig sicher und wirtschaftlich attraktiv sein. Dafür ist ein Nahwärmenetz mit einem Biomasse Heizwerk im Handwerkerpark geplant, von dem aus der Ortskern und angrenzende Bereiche mit Nahwärme versorgt werden könnten. Bei der Realisation sind zwei Zeiträume von 2012/13 bis 2021 und ab 2021 fokussiert. Bis 2021 soll ein Nahwärmenetz und ein Heizwerk errichtet und betrieben werden. Die MVV wird als Großkunde in das Netzt integriert. In 2021 fällt das heutige MVV-Netz an die Gemeinde, woraus sich neue Optionen für die Nahwärmeversorgung ergeben. Die beiden Netzte könnten zu einem zusammengeschlossen werden (Stilllegung Heizwerk MVV und Ausbau BEBE-Heizwerk mit zweitem Biomassekessel). Aufgrund der Aufdimensionierung könnte dann auch Öko-Strom für Bad Endorf produziert werden: "In der Summe bedeutet dies, dass große Teile des Wärme- und Strombedarfs von Bad Endorf auf Basis nachwachsender Rohstoffe CO2-neutral produziert werden können", so Rosinger.

Zum Eigenkapital führte er aus, dass nach Abstimmung mit den Banken ein Volumen von 1,6 Millionen Euro von Nöten sei. Die Finanzplanungen sehen dabei folgende Aufteilung vor: 25 Prozent je Gemeinde und des langjährigen Partners Aqotec (Spezialist für regenerative Energien), dazu 25 Prozent plus X von Finanzinvestoren aus dem Bereich Erneuerbare Energien sowie zehn Prozent von Kommanditisten (Einlagen unter anderem von Privatpersonen). Ein bankenbelastbarer Businessplan sei in der Erstellungsphase, die Trassenplanung in der Erstellung und erforderliche Genehmigungsverfahren in der Bearbeitung. Eine Wirtschaftlichkeitsberechnung ergab seinen Ausführungen nach eine Rendite von 6,96 Prozent und bewertet das Projekt als "wirtschaftlich realisierbar".

Energie-Konzept nur mit Großkunden realisierbar

Nach Darstellung von Rosinger sei das Energie-Konzept aber ohne gesicherten Wärmeabsatz (Integration von Großkunden) nicht möglich. Enttäuscht zeigte er sich, dass die GWC beschlossen hat, ihre Wärmeversorgung auf Gas umzustellen, obwohl eine Ausbau der Nahwärmeversorgung ohne Investitionen für die GWC möglich sei und jährlichen Kosteneinsparungen von 105000 Euro mit sich bringen würde: "Mit dieser Entscheidung ist das Energiekonzept für unseren Ort auf regenerativer Basis tot, Endorf manövriert sich in eine Abhängigkeit fremder mit unkalkulierbarem Kostenrisiko."

Außerdem scvhlug Rosinger vor, dass die Gemeinde in Verhandlungen mit der MVV eintreten sollte, um den Restwert des MVV-Netzes dynamisch dem Ausbau für den Zeitraum 2012 bis 2021 anpassen zu können. Als "strategisch wichtig" wertete Rosinger auch eine Beteiligung der Gemeinde an der BEBE, wodurch ihr ein Mitspracherecht bei der zukünftigen energetischen Ausrichtung ermöglicht werde. Durch eine Zurverfügungstellung eines Grundstückes im Handwerkerpark würde die Marktgemeinde nicht nur Kommanditist, sondern auch noch an künftigen Erträgen beteiligt. Weiter schlug er eine Übernahme des MVV-Netzes in 2021 durch die Gemeinde vor, welches wiederum als Beteiligung in die BEBE eingebracht werden könnte. Sein Fazit: "Ziel der gemeindlichen Beteiligung ist eine Zusammenführung der Nahwärmeversorgung mit anhängender Stromproduktion für Bad Endorf, bei der die Interessen der Gemeinde und der Endorfer Bürger gewahrt werden". Damit verband er noch eine abschließende Bitte: Die Marktgemeinde sollte auf der GWC-Hauptversammlung im August folgendes beantragen: Die Energieversorgung der GWC wird nicht auf Gas umgestellt, die GWC baut die Energieversorgung auf Basis von Nahwärme aus und erweitert den Nahwärmevertrag mit der MVV.

Dritter Bürgermeister und GWC-Aufsichtsratsvorsitzender Hieronimus Stockinger rechtfertigte die Entscheidung des Aufsichtsrates, die auf Grundlage vorliegender Informationen getroffen wurde. Zweiter Bürgermeister Martin Lauber votierte dafür, die Entscheidung über regenerative Energie jetzt zu tätigen und nicht auf die lange Bank zu schieben. Fraktionskollege Josef Meder ergänzte: "Wenn wir jetzt nicht handeln, ist es vielleicht zu spät". GWC-Vorstandvorsitzender Dietolf Hämel meldete sich als Zuhörer zu Wort und bot an, in drei Jahren eine neue Wirtschaftlichkeitsberechnung anzustellen, um dann gegebenenfalls eine neue Entscheidung zu treffen

Zum Schluss wurde dem Gremium der Vorschlag unterbreitet, an die GWC AG die Empfehlung auszusprechen, die Detailinformationen und Berechnungen, die der Gas-Entscheidung der GWC AG zugrunde lagen, vorzulegen. Seitens des Vorstandes der GWC AG sei die hierfür erforderliche Zusammenarbeit auch bereits zugesagt worden. Das Gremium folgte, lediglich gegen die Stimme der CSU-Rätin Bettina Scharold, dem Vorschlag. Ebenso wurde mehrheitlich der Beschluss gefasst, dass der Markt Bad Endorf in der nächsten Hauptversammlung den Grundsatz-Antrag zur Abstimmung vorschlagen wird, dass die GWC AG ein nachhaltiges zukunftsorientiertes Energiekonzept auf regenerativer Basis unter Berücksichtigung örtlicher beziehungsweise regionaler Anbieter entwickelt. Gegner dieses Beschlusses störten sich an der Tatsache, dass dieser Beschluss über die Gemeinde in die Aktiengesellschaft getragen werde.

tn/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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