Dritter Bürgermeister tritt auch als GWC-Aufsichtsratsvorsitzender zurück

Stockinger legt alle Ämter nieder

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Die kalte Dusche kommt bei den Chiemgau-Thermen oft mit der Jahresbilanz. Das Sorgenkind der Marktgemeinde Bad Endorf steckt tief in den roten Zahlen.

Bad Endorf - Die Chiemgau-Thermen kommen nicht aus den roten Zahlen - und die Marktgemeinde Bad Endorf kommt deshalb nicht zur Ruhe.

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Am Dienstag hat es im nichtöffentlichen Teil der Gemeinderatssitzung wieder einmal gekracht. Die Folge: Hieronymus Stockinger (SPD) warf die Brocken hin. Noch im Saal erklärte Bad Endorfs Dritter Bürgermeister seinen Rücktritt. Den Posten als Aufsichtsratsvorsitzender der Gesundheitswelt Chiemgau (GWC) AG, der Mutter der Chiemgau-Thermen, werde er ebenfalls zur Verfügung stellen, kündigte Stockinger an.

Trat zurück: Hieronymus Stockinger (SPD)

Diesen Beschluss hat der erfahrene Kommunalpolitiker - Stockinger sitzt seit 1992 im Gemeinderat, seit 2002 im Kreistag und ist seit 1996 SPD-Ortsvorsitzender in Bad Endorf - der Gemeinde inzwischen auch schriftlich mitgeteilt. "Ich kann bestätigen, dass Herr Stockinger am Mittwoch gegenüber dem Rathaus den Rücktritt erklärt hat und bedauere diese Entscheidung sehr", erklärte Bürgermeisterin Gudrun Unverdorben (ÜWG) gestern auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen.

Unverdorben hofft nun auf einen Rücktritt vom Rücktritt: "In einem persönlichen Gespräch habe ich Herrn Stockinger gebeten, diese Entscheidung nochmal zu überdenken, zumal ich sein Engagement und seine Arbeit für die Gemeinde sehr schätze." Sie würde sich sehr freuen, Stockinger weiterhin an Bord zu haben, so Unverdorben weiter.

Um die Zukunft der tief in den roten Zahlen steckenden Chiemgau-Thermen wird in Bad Endorf seit Jahren kontrovers gerungen. Dabei gehen die Meinungen auseinander. "Wir sollten nach vorne schauen und uns nicht von der Vergangenheit aufarbeiten lassen", hatte der GWC-Aufsichtsratschef noch im Sommer 2011 an Aktionäre und alle politischen Lager appelliert, als das Sorgenkind Chiemgau-Thermen wieder einmal ein Jahres-Minus von rund 700.000 Euro eingefahren hatte.

Im Gespräch mit unserer Zeitung begründete Stockinger (56) den doppelten Rückzug mit "immer lauter werdende Stimmen im Umfeld des Zweiten Bürgermeisters Martin Lauber (EFL), die einen personellen Neuanfang in der GWC fordern". Auch seine Arbeit als Aufsichtsratsvorsitzender werde hinter vorgehaltener Hand immer wieder in Frage gestellt. Für eine erfolgreiche Arbeit benötige er jedoch den Rückhalt einer breiten Basis in der Gemeinde.

Zwischen Stockinger und Lauber war es im Gemeinderat gerade beim Thema GWC häufig zu Kontroversen gekommen. Derzeit spielt die GWC mit dem Gedanken, die Kündbarkeit der fix vereinbarten Pachtzahlungen seitens der Chiemgau-Thermen an die Gemeinde (780.000 Euro im Jahr) prüfen zu lassen (wir berichteten). Zu diesem Vorstoß nahmen EFL-Gemeinderäte in einem Video-Interview Stellung, das auf Youtube zu sehen ist und bis gestern Abend 800 Zugriffe hatte.

Dieses Video war es wohl, das für Stockinger das Fass zum Überlaufen brachte. 2010 hatte er den undankbaren Posten als Vorsitzender des Aufsichtsrates übernommen. "Und ich wäre es gern noch länger geblieben, aber wenn man aus einer bestimmten Ecke ständig angeschossen und als Idiot hingestellt wird, muss man die Konsequenzen ziehen", so der Gymnasiallehrer und Betreiber eines Computer- und Kommunikationsgeschäftes. "Damit ist der Kapitän von Bord", sieht ein Parteikollege in Stockingers Rückzug einen herben Rückschlag beim Versuch, doch noch eine Lösung für das Thermen-Dilemma zu finden. Das Bürgermeisteramt kann Stockinger sofort niederlegen, beim Posten als Aufsichtsratschef gilt eine Frist von drei Monaten.

Ludwig Simeth (OVB-Heimatzeitungen)

Quelle: rosenheim24.de

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