Entscheidende Weichenstellungen

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Ferdinand Reb (links) geht, Bertram Vogel (Mitte) kommt: Bei der Weihnachtsfeier der Marktgemeinde wünscht der scheidende PTG-Chef im Beisein von Bürgermeister Jürgen Seifert seinem Nachfolger alles Gute.

Prien - In den letzten Wochen des alten Jahres wurden entscheidende Weichen gestellt: für mehr Betreuungsplätze für Kleinkinder, für eine alternative Energieversorgung und für die Umgestaltung des Bahnhofsareals.

November

Krippenplätze fehlen noch: Der Marktgemeinderat korrigiert die Zahl benötigter Krippenplätze von 14 auf 36 kräftig nach oben. Diese so genannte Bedarfsfeststellung ist Grundlage für Zuschüsse zu künftigen Investitionen und Betriebskosten. Mit dem Beschluss legt das Gremium eine wichtige formelle Grundlage für den geplanten Neubau des Haus für Kinder/Marquette im Jahr 2012, in dem drei Krippengruppen entstehen sollen. Wenige Wochen später wird die Regierung von Oberbayern 1,17 Millionen Euro Zuschüsse für das Zwei-Millionen-Projekt in Aussicht stellen.

Bertram Vogel wird neuer PTG-Chef: Der Geschäftsführer des Regensburger Stadtmarketings macht das Rennen um die Nachfolge von Ferdinand Reb als Geschäftsführer der Priener Tourismus GmbH (PTG). Unter 85 Interessenten entscheiden sich Bürgermeister und Marktgemeinderat für den 42-Jährigen als "mit Abstand besten Bewerber". Der studierte Wirtschaftsgeograf stammt aus dem Landkreis Hof.

Reb hatte aus privaten Gründen seinen Rückzug zum Jahresende eingereicht. Wann Vogel sein Amt antritt, steht wegen seiner Vertragsauflösung in Regensburg noch nicht endgültig fest (eigener Bericht folgt).

Netzwerk nimmt Gestalt an: PTG, Verband Priener Unternehmer (VPU), Kur- und Tourismusverein (KTV), Wirte-Elf und Bürgerrunde wollen gemeinsame Sache machen, um das Ortsmarketing zu verbessern. Unter dem Dach der "PrienPartner" soll ein Netzwerk entstehen, in dem Kräfte gebündelt werden. Die Macher favorisieren eine Halbtagsstelle, die mit einem Profi besetzt und bei der PTG angesiedelt wird. Ob die "PrienPartner" als eigener Verein gegründet werden oder in einer anderen Struktur, bleibt noch offen.

Rätselhafte Rasenmäher-Regelung: Der Marktgemeinderat verabschiedet eine neue Verordnung, ohne manche Details wirklich zu verstehen. Sie regelt ruhestörende Haus- und Gartenarbeiten wie Rasenmähen. Das Regelwerk verwirrt durch bürokratisch aufgestülpte Formulierungen. Im Nachfolgewerk einer 20 Jahre alten Verordnung, die ausgelaufen war, wird auch festgelegt, dass große Hunde künftig im gesamten "Innenbereich" der Gemeinde an der Leine geführt werden müssen.

"Wie Phönix aus der Asche": Knapp eineinhalb Jahre lang haben in der Spitze bis zu 100 Handwerker ein neues Heizsystem installiert, über 400 Fensterscheiben ausgetauscht, in mehr als 60 Räumen Böden und Decken erneuert, alle Sanitäranlagen ausgetauscht, über 3000 Quadratmeter Fassaden gedämmt und verkleidet, eine Glaskuppel in die Decke der Aula und einen Fahrstuhl eingebaut, eine Küche und zusätzliche Fachräume geschaffen und vieles mehr.

9,5 Millionen Euro hat die Runderneuerung der Franziska-Hager-Schulen bei laufendem Betrieb gekostet. Knapp die Hälfte schießen Bund und Land zu, rund fünf Millionen muss der Schulverband aus acht Gemeinden selbst stemmen. Bei der feierlichen Einweihungsfeier herrscht auch deswegen eitel Sonnenschein bei allen Beteiligten, weil alles termingerecht und trotz kurzfristiger Zusatzarbeiten im Kostenrahmen gelungen ist.

Dezember

Christkindlmarkt so groß und schön wie nie zuvor: Bestnoten von Besuchern und Kommunalpolitikern heimst die Priener Tourismus GmbH (PTG) nach der Eröffnung für den Christkindlmarkt ein. Im zweiten Jahr unter ihrer Regie wurde er nochmal verschönert und vergrößert. Zum ersten Mal formieren sich gut 40 Buden zu einem Rundgang um die Pfarrkirche und das Areal erstrahlt dank zusätzlicher Beleuchtungen, auch von Privatleuten, noch heller als je zuvor.

Regenwetter "verhagelt" Bilanz: Für das Wetter kann die PTG nichts. Nasse und kühle Ferienzeiten im Frühjahr und Sommer trüben im Nachhinein auch die touristische Bilanz. Bis Ende Oktober verzeichnete die PTG 317000 Übernachtungen, 22000 weniger als im gleichenZeitraum des Vorjahres.

Die Franziska-Hager-Schulen erstrahlen nach einer aufwändigen, fast eineinhalbjährigen Generalsanierung in neuem Glanz.

2011 keine neuen Schulden: Einstimmig verabschiedet der Marktgemeinderat einen Sparhaushalt, den zweierlei kennzeichnet. Zum einen will die Kommune 2011 keine neuen Schulden machen, zum anderen beschränkt sie sich mit Investitionen von 2,25 Millionen Euro auf das Notwendigste. Teuerste Vorhaben im neuen Jahr sind die Erneuerung des Prienvera-Dachs ab Ende Februar für voraussichtlich 1,8 Millionen Euro und der Bau einer Bootshalle mit Hafenmeisterbüro und Vereinsräumen des Segelclubs Prien Chiemsee (SCPC) in der Stippelwerft für gut 900 000 Euro.

Anton Schlosser folgt Walter Poppe: Rechtsanwalt Walter Poppe legt sein Mandat im Marktgemeinderat nach 20 Jahren aus gesundheitlichen Gründen nieder. Poppe war lange Jahre Fraktionssprecher der CSU und Bäderreferent. Seinen Platz nimmt der 63-jährige Anton Schlosser aus Stetten ein. Er war, bevor er im Frühjahr 2010 in Ruhestand ging, zuletzt 20 Jahre Prokurist bei einem Pharma-Konzern in München.

Nahwärmenetz für 3000 Haushalte: Es soll inklusive Leitungen 13,5 Millionen Euro kosten, mit 11 000 Tonnen Hackschnitzeln jährlich rechnerisch Nahwärme für 3000 und Strom für umgerechnet 2100 Haushalte produzieren. Letzterer muss allerdings per Gesetz ins öffentliche Netz eingespeist werden - gegen eine festgelegte Vergütung. Bürgermeister und planende Ingenieure stellen das geplante Biomasseheizkraftwerk (BHKW) an der Straße nach Hoherting erstmals der Öffentlichkeit vor. Jetzt geht es für sie darum, möglichst viele Kunden zu gewinnen. Vorgespräche mit potenziellen Großabnehmern und Waldbesitzervereinigungen als Rohstofflieferanten seien positiv verlaufen, berichten die Initiatoren.

Bahnhofsvorplatz als "Geschenk": Pünktlich zu Weihnachten kommen führende Bahnvertreter mit einem wertvollen Packerl ins Rathaus. Die Bahn will der Marktgemeinde den Vorplatz des Bahnhofs 25 Jahre vertraglich zum Nulltarif überlassen. Die Marktgemeinde bekommt so Planungssicherheit. Sie kann nun daran gehen, einen Entwurf zur Neugestaltung des Areals zwischen Seestraße und Sparkasse in Auftrag zu geben.

Zugleich kündigen die Bahnsprecher an, dass die beiden Aufzüge an den Bahnsteigen nach einigen Verzögerungen nun endgültig im März in Betrieb gehen und 2011 die Bahnsteige für eine Million Euro modernisiert werden sollen - und sie zeigen sich kooperativ, den historischen König-Ludwig-Pavillon mittelfristig der Öffentlichkeit zugänglich zu machen (wir berichten darüber noch gesondert).

Dirk Breitfuß/Chiemgau-Zeitung

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