Obama war der Favorit im Chiemgau

Prien - Im Chiemgau schienen die Vorlieben bei der US-Präsidentschaftswahl klar verteilt zu sein. Auch hier war Barack Obama der Mann der Stunde.

Barack Obama hat das Rennen gemacht - und nicht Mitt Romney. In der Welt ist die Erleichterung groß, dass der Demokrat die US-Präsidentschaftswahl gewonnen hat und noch einmal vier Jahre an der Spitze steht. Und auch in Prien macht sich - zumindest überwiegend - Freude breit. Eine Umfrage der Chiemgau-Zeitung ergab, dass die Vorsitzenden der politischen Parteien und Gruppierungen, die im Marktgemeinderat vertreten sind, mehrheitlich begrüßen, dass Obama eine zweite Chance bekommt.

Andreas Becker, der Vorsitzende des CSU-Ortsverbandes Prien, teilt die Freude allerdings nicht. Er macht kein Hehl daraus, dass ihn das Wahlergebnis "enttäuscht" habe. Becker über den alten und neuen US-Präsidenten: "Seinen unter dem Motto 'Yes we can' angekündigten Politikwechsel vor vier Jahren konnte Barack Obama nicht in vorzeigbare Erfolge umsetzen." Weder gebe es eine "tragfähige Sozial- und Krankenversicherung für alle", noch habe er die Budgetprobleme und die "riesigen Infrastrukturprobleme" der USA in den Griff bekommen. Das amerikanische Bildungssystem erzeuge im Welt-Maßstab "weit unterdurchschnittlich geschulte Arbeitskräfte". Und parallel dazu befinde sich die Industrie technologisch - mit Ausnahme der Computerbranche - "auf einem steil abwärts führenden Weg". Becker: "Mitt Romney war für mich der bessere Kandidat."

Die Wahl und das Wahlergebnis hat Becker, wie er weiter berichtet, im Internet verfolgt. Kritisch äußert er sich im Blick zurück auf den Wahlkampf: "Ich glaube nicht, dass es gelingt, mit Hunderttausenden von Werbespots und Millionenbudgets Menschen für sich zu gewinnen. Das gelingt durch überzeugende und wahrhaftige Konzepte."

"Sehr glücklich" über den Wahlausgang ist hingegen Alfred Schelhas, der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Prien. Vier Jahre seien eine "relativ kurze Zeit", um Veränderungen in der Gesellschaft herbeizuführen - gut, dass Obama nun noch einmal so lange die Chance erhalten, insbesondere das Sozialwesen zu reformieren. Was Obama in seiner ersten Amtszeit geleistet habe, sei "schon sehr beachtenswert" gewesen. Er sei ein "Sympathieträger der amerikanischen Gesellschaft nach außen".

Obama sei nie in ein "Fettnäppchen getreten" - im Unterschied zu seinem Herausforderer Romney. Der alte und neue Präsident habe einen "sympathischen Wahlkampf" geführt. Romney habe ihm, Schelhas, am besten gefallen, als er nach der Entscheidung seine Niederlage eingestanden habe. In diesem Moment habe er dann auch einmal "sympathisch" gewirkt.

Der Wahlkampf in den USA hat nach Ansicht des SPD-Vorsitzenden in Prien "in den deutschen Medien zu viel Aufmerksamkeit gefunden". Jede Nuance sei "belichtet" worden - was des Guten zuviel gewesen sei. Die Wahlentscheidung ließ sich Schelhas nicht entgehen. In einem Hotelzimmer habe er in der Wahlnacht den Fernseher eingeschaltet - und dann vieles, aber nicht alles mitbekommen.

"Sehr positiv" sieht Irmgard Beckelmann, die Vorsitzende der Bürger für Prien, die Wiederwahl von Barack Obama. Gleich in der Früh um 8 Uhr hatte sie den Fernseher eingeschaltet, um das Ergebnis zu erfahren. Sie hatte gehofft, dass sich der Demokrat durchsetzt. Denn sie schätzt ganz besonders die Gesundheitsreform von Obama. Beckelmann hat, wie sie erzählt, selbst einmal in den USA gelebt - und seitdem weiß sie, wie schnell man dort verarmen kann und dann keine gesundheitliche Versorgung mehr bekommt.

Der Demokrat Obama sei in den zurückliegenden vier Jahren, so Beckelmann weiter, mit seiner Politik, seinen "Wünschen", von den Republikanern oft "ausgebremst" worden. Aus diesem Grunde sei es "schade", dass Obama jetzt keine Mehrheit auch im Repräsentantenhaus bekommen habe. Wieder drohe eine Blockade durch die Opposition im Lande.

Mit Romney hat sie nichts anfangen können. Er sei ihr "zwielichtig" vorgekommen - so, als ob es ihm allein um die Macht gehe und damit nicht um Inhalte.

Der Wahlausgang sei "sehr positiv", meint Michael Liedl, der Zweite Vorsitzende der Freien Wähler Prien. Obama sei ein "ehrlicher Typ, der sich nicht in den Vordergrund stellt", Romney hingegen ein "Selbstdarsteller". Obama behaupte immer wieder, dass er sich für die Bürger einsetze - was "ich ihm auch abnehme", so Liedl.

Wie viele andere hat auch der Zweite Vorsitzende der Freien Wähler am Mitwochmorgen den Fernseher angeschaltet und sich dann im Laufe des Tages weiter über die US-Wahl informiert. Und so machte er sich dann auch noch einmal seine Gedanken über den zurückliegenden Wahlkampf. Völlig unverständlich sei, dass so viel Geld ausgegeben worden sei - während "in New York die armen Leute auf die Straße gehen und kein Geld mehr haben, sich etwas zu essen zu kaufen".

Peter Fischer, der Vorsitzende der Überparteilichen Wählergemeinschaft, wünscht dem alten und neuen Präsidenten "alles Gute" und beim Regieren "eine glückliche Hand". Obama habe es in seiner ersten Amtszeit "ganz gut gemacht" - was auch für die zweite hoffen lasse, dass es so weitergeht.

"Ich bin erleichtert", sagte Günter Stampfl, der Vorsitzende von Miteinander für Prien, der gleich in der Früh den Radio eingeschaltet hatte, um zu erfahren, wer denn gewonnen hat. Obama sei der "eindeutig bessere Mann". Er habe ein "schweres Erbe angetreten", das Georg W. Bush hinterlassen habe. "Beeindruckend" sei, was Obama dann in seiner ersten Amtszeit für die "Weltnation getan hat". Romney sei ein Kandidat der Großindustrie gewesen - und er habe im Übrigen auch kein Hehl daraus gemacht. Wenn er die Wahl gewonnen hätte, dann hätte er bestimmt die Sozialleistungen heruntergefahren. Sicherlich müsse die Wirtschaft angekurbelt werden. "Doch das geht auch anders", kritisierte Stampfl die Ausrichtung des Kandidaten der Republikaner auf eine Förderung der Großindustrie.

Der Wahlkampf in den USA gefiel Stampfl "gar nicht". Sogar am Wahltag sei noch Werbung gemacht worden. Die Bürger sollten "nicht so unter Druck gesetzt" werden. Der Wahlkampf in den Staaten sei sicherlich "kein Vorbild für Deutschland".

Gernot Pültz (Chiemgau-Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

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