Ernsthafte Musik mit heiterer Note

Prien - Über 250 Volksmusikfreunde kamen auf das Musikantenschiff MS "Edeltraud". Es war die 22. Volksmusikschifffahrt unter der Regie von Marlene Anner und Siegi Götze.

Sie hatten sechs Gruppen engagiert, die auf den beiden Unter- und dem Oberdeck musizierten.

Als die MS "Edeltraud" pünktlich um 18 Uhr am Hafen in Stock ablegte, schien nach hefigem Gewitterregen wieder die Sonne. "Die meisten der Passagiere haben wir trocken aufs Schiff bekommen", sagten zufrieden der Moderator der Veranstaltung, Siegi Götze, und Marlene Anner von der Priener Tourismusgesellschaft.

Die beiden hatten die Volksmusik-Fahrt perfekt organisiert: Die einzelnen Gruppen sangen und spielten jeweils eine Stunde auf den verschiedenen Decks. Auf diese Weise war es für die allesamt in Tracht gewandeten Gäste möglich, von ihren Tischen aus die Sänger und Musikanten zu genießen und gleichzeitig Speisen und Getränken einzunehmen. Und wer seinen Platz in der Nähe des "Musikanten-Tisches" hatte, der war in der glücklichen Lage, den Musikanten "auf die Finger zu schauen".

Auch für die Stammkunden der Volksmusikfahrt präsentierten sich durchwegs neue "musikalische Gesichter". Götze stellte sie den Gästen vor und wusste viel über ihr Leben außerhalb der musikalischen Tätigkeit zu berichten. So hat beispielsweise der Bassist der "Enreuther Ziachmusi" den eher selten gewordenen Beruf eines Holzknechts.

Die "Enreuther Ziachmusi" besteht neben Kontrabass und Ziach aus einer Gitarre und einer Posaune. Dazu hatte Hans Laschinger von den "Geschwistern Laschinger" einen passenden Witz parat. Er fragte das Publikum, in welcher Tonart die Posaunen von Jericho spielten. Da niemand die Antwort wusste, gab er sie selbst: "In d-moll, weil danach alles demoliert war".

Auch die Geschwister Laschinger - Brigitte, Hans und Renate (von links) - traten auf. Sie besangen ihre Heimat, die Holledau. Foto Berger

Das ist das Schöne an der Volksmusikfahrt, dass neben unverfälschter Volksmusik der Spass nicht zu kurz kommt. Auch Siegi Götze versteht es immer wieder, seine Gäste aufzuheitern. Ebenso sind die Texte der Sänger trotz der Ernsthaftigkeit der Musik lustig. So sangen die drei Geschwister Laschinger, von denen zwei blind sind, heitere Gstanzl oder einen Zwiefachen über ihre "Weltroas". Dabei stellten sie fest, dass es in ihrer Heimat, der Holletau, doch am schönsten ist. Wie Götze berichtete, hatte die Mutter der drei Geschwister bereits mit Wastl Fanderl musiziert.

Dass sie nicht nur gut singen können, sondern auch gut anzuschauen sind, bewiesen die drei blutjungen "Perlseer Sängerinnen". Eine von ihnen steht zwischen Abitur und Studium, eine studiert bereits Musik und die dritte ist Sparkassenangestellte. Die Geigerin, die Klarinettistin und die Harfenistin haben sich über ihre Begeisterung für Volksmusik gefunden. Sie sind Meisterinnen auf ihren Instrumenten und besingen mit glockenreinen Stimmen vor allem ihre "Buam".

Als die "Chiemgauer Gitarrenmusi" auftrat, schaltete der Kapitän der MS "Edeltraud" die Schiffsmotoren aus. Auf diese Weise kamen die Klänge der drei Gitarren und des Kontrabasses voll zur Geltung. Vom Hochberg bei Traunstein kam das Ehepaar Schroll. Karin spielte auf der Harfe, die ihr Mann Alois gebaut hat. Der Harfenbauer hat über 200 Stunden an dem Instrument gearbeitet, wie er selbst erzählte.

Er begleitete seine Frau auf der Ziach, doch Karin zeigte sich auf ihrer Harfe auch als virtuose Solistin. Zudem begleitete sie die "Jungen Ramsauer Sänger" auf der Harfe. Die vier schmucken Burschen sangen von Gamsen oder Dirndln im roten Mieder und jodelten dazu.

Die Volksmusik-Liebhaber auf der MS "Edeltraud" waren mehr als zufrieden. Auch nach mehr als drei Stunden applaudierten sie begeistert. Viele von ihnen blieben noch zwei Stunden lang an Bord, unterhalten von Sängern und Musikanten. Und die wenigen, die um 21 Uhr das Schiff verließen, störte es keineswegs, dass sie an Land stömender Regen erwartete.

Gertie Falk (Chiemgau-Zeitung)

Rubriklistenbild: © Berger

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