Rathaus: Erste Entwürfe liegen vor

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Der Gemeinderat hat - mehrheitlich - seine Planung für ein neues Rathaus an der Chiemseestraße vorangetrieben. An einem von ihm ausgelobten "Realisierungswettbewerb" haben sich sechs Architekturbüros beteiligt. Das Gremium hat am Donnerstag die beiden seiner Ansicht nach besten Vorschläge ausgewählt: "Erster Sieger" ist der "Entwurf 1001" (links), "zweiter Sieger" der "Entwurf 1003". Eine Planung auf dieser Grundlage stellt der Gemeinderat dem Bürger am 18. Dezember genauso zur Abstimmung wie die Bürgerinitiative "Neues Rathaus zum halben Preis" ihren Vorschlag für ein neues Rathaus an der Aschauer Straße.

Bernau - Die Planung der Mehrheit im Gemeinderat für ein neues Rathaus an der Chiemseestraße nimmt konkrete Gestalt an.

Als Standort hat sie das "Schuhmanngrundstück" an der Einmündung der Widholzerstraße im Blick. Im Rahmen eines "Realisierungswettbewerbes" für das Rathaus und dessen Umgriff hat der Gemeinderat am Donnerstagabend -mehrheitlich - einen ersten und zweiten Sieger gekürt. Diese beiden Entwürfe bilden nun die Grundlage für das weitere Vorgehen.

Sechs Architekten aus den Landkreisen Traunstein und Rosenheim sowie darüber hinaus hatten in den vergangenen Wochen Pläne gezeichnet. Der Gemeinderat hatte ihnen in einem "Pflichtenheft" eine Reihe von Vorgaben erteilt. Arbeitsgrundlage für die Architekten war unter anderem ein Raumprogramm. So hatten sie einen Flächenbedarf für alle Büros, den Sitzungssaal, für das Foyer und Nebenräume von insgesamt rund 1000 Quadratmetern zu berücksichtigen. Nicht miteinzuplanen im Neubau des Rathauses war die Kurverwaltung. Anhand dieser Vorgaben erstellten dann die Architekten ihre Pläne.

Nach ihrem Eingang im Rathaus hat die Planungsgruppe "Straßer + Partner" in Traunstein alle sechs Entwürfe im Auftrag des Gemeinderats beurteilt. Sie erstellte ein "Plangutachten". Das Ergebnis: Bewertet nach den Kriterien "Städtebau, Gebäude, Freiflächen", "Erschließung und Verkehr" und "funktionale Organisation" vergab die Planungsgruppe 444 von 490 Punkten - und damit die meisten - an den "Entwurf 1003".

Zweimal befasste sich der Gemeinderat mit den Vorschlägen der Architekten und deren Bewertung durch die Planungsgruppe Straßer: zunächst am Freitag vergangener Woche in nichtöffentlicher Sitzung, in einer Klausur, und dann am Donnerstag dieser Woche in öffentlicher Sitzung. Nachdem Martin Straßer die Ergebnisse des "Plangutachtens" vorgestellt hatte, beschloss der Gemeinderat zunächst, nicht nur einen, sondern zwei Sieger zu küren. Und schließlich nahm er dann die Bewertung vor: Zum ersten Sieger bestimmte er den "Entwurf 1001", zum zweiten Sieger den "Entwurf 1003", den die Planungsgruppe Straßer favorisiert hatte.

Als die Gemeinderäte an eine Beurteilung gingen, war ihnen nicht bekannt, welcher Architekt welchen Vorschlag eingereicht hatte. Die Pläne waren von Anfang an anonymisiert worden. Auch nach der Abstimmung am Donnertag blieb offen, von wem die Siegerentwürfe stammen. Gestern erfuhren die Räte dann, wie aus dem Rathaus verlautete, wie die beiden Architekten heißen. Die Öffentlichkeit informieren will die Verwaltung erst am Freitag, 4. November, um 10.30 Uhr im Haus des Gastes.

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Der vom Gemeinderat gekürte "erste Sieger" des Wettbewerbs schlägt vor, das Rathaus parallel zur Widholzstraße anzulegen. Er legte nahe, einen dreigeschossigen Bau zu errichten, der dann, wie Martin Straßer von der Planungsgruppe "Straßer + Partner", erläuterte, zwar "höher, aber nicht so lang wird". In diesem Falle könne man den alten Sportplatz und den Kurpark besser verbinden. Der auf Platz eins gesetzte Architekt erschließe das Rathaus über eine Art Arkadengang. Das Foyer werde um einen abtrennbaren Bibliotheksraum erweitert. "Die bürgernahen Funktionen liegen gut platziert im Erdgeschoss", so Straßer. "Großzügig und bestens nutzbar" sei der Sitzungssal im ersten Stock. "Werden die Bürogänge verschlossen, dann kann der Saal auch extern genutzt werden." Im Falle der Realisierung dieser Planung seien, so Straßer, Gesamtkosten in Höhe von 3,5 Millionen Euro zu erwarten.

Auch der "zweite Sieger", den der Gemeinderat bestimmt hat, stellt das neue Rathaus parallel zur Widholzerstraße. An einem dreieckigen Platz steht nicht nur das Verwaltungsgebäude, sondern auch ein "Café-Pavillon", der die öffentlichen WCs beinhaltet. Das Rathaus ist in diesem Fall zweigeschossig - womit es sich dann jedoch etwas in die Länge zieht. "Der Baukörper ist einfach und klar", urteilt Straßer. "Saal, Café und Haupteingang erzeugen Spannung und Attraktivität." Das Foyer sei nach oben offen. Der Sitzungssaal liege "ganz selbstverständlich" neben dem Haupteingang und sei "extern nutzbar". Der Saal könnte "sehr einfach" zur Bühne für den Platz werden. Der Holzbau sei bauphysikalisch so geplant, dass er den Standard eines Passivhauses erreiche. Die Kosten für die Realisierung dieses Entwurfs schätzte Straßer auf 4,3 Millionen Euro - womit diese Variante die teuerste aller sechs ist.

Bürger entscheiden im Dezember über Standort

In der Diskussion begründeten die Gemeinderäte unter anderem, warum sie diesen oder jenen Entwurf favorisierten. Wenn sich der Bürger am 18. Dezember für einen Standort an der Chiemseestraße ausspricht, will das Gremium die Planung weiter vorantreiben. Dann, so die Maßgabe, möchte der Gemeinderat mit den beiden Siegerentwürfen in eine "Überarbeitungsphase" gehen, womöglich auch den einen oder anderen Vorschlag auch aus den übrigen Entwürfen miteinbauen und die Kosten noch einmal unter die Lupe nehmen.

Gernot Pültz (Chiemgau-Zeitung)

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Quelle: rosenheim24.de

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