Erstmals 1000 Schüler am LTG

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Michael Herden und Winfried Kober zerbrechen sich seit Wochen den Kopf über den Stundenplan.

Prien - Im Jahr seines 60. Geburtstags hat das Ludwig-Thoma-Gymnasium (LTG) eine historische Marke erreicht.

Zum ersten Mal werden dort über 1000 Kinder und Jugendliche unterrichtet. 19 Neuzugänge stoßen zum Kollegium. Seit Wochen brüten Michael Herden und Winfried Kober über dem Stundenplan. 1400 Pflichtstunden pro Woche müssen sie organisieren.

Vier katholische und ein evangelischer Religionslehrer müssen gleichzeitig Zeit haben und unterrichten. Klassen mit über 30 Schülern passen nicht in jeden Raum, manche Zimmer sind zu klein. Die Hälfte der Lehrkräfte sind nur Teilzeitbeschäftigte, manche von ihnen sind lediglich an bestimmten Wochentagen einsatzfähig. Mindestens drei Pädagoginnen werden im ersten Schulhalbjahr in Mutterschutz gehen. Zwölf Referendare haben Anspruch auf einen freien Tag pro Woche.

Diese und unzählige andere Faktoren müssen die beiden Stundenplaner berücksichtigen. Allein die Eingabe aller relevanten Daten dauert rund drei Wochen. Dann entwirft ein teures Computerprogramm einen Plan. Und was dann noch nicht passt, wird irgendwie passend gemacht.

Oberstudiendirektor Günther Madsack bekennt im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung freimütig, dass er in den Ferien ab und zu gedacht hat: "Das geht nicht." Aber irgendwie wird es doch gehen. Herden und Kober treten als Stundenplaner in die Fußstapfen von Johann Moosbauer. Der Mitarbeiter des Direktorats wird nächstes Jahr in den Ruhestand gehen.

Dort ist Gerold Schwarzer schon angekommen. Nachfolgerin des Stellvertreters von Madsack, der im Juli verabschiedet worden war, ist Verena Grillhösl. Weil das LTG inzwischen so groß geworden ist, bekommt das Direktorat personelle Verstärkung. Rainer Hoff wechselt vom Landschulheim (LSH) Marquartstein nach Prien.

Genau 1012 Kinder und Jugendliche besuchen das LTG im neuen Schuljahr. 144 von ihnen sind als Fünftklassler neu an der Schule, sie werden auf fünf Klassen aufgeteilt. Weil besonders die zehnte Jahrgangsstufe zahlenmäßig so stark ist, gibt es heuer insgesamt sechs Klassen mit über 30 Schülern - im Vorjahr waren es nur zwei.

Völlig neu ist der Lehrplan für die elfte Jahrgangsstufe - den ersten Jahrgang des achtstufigen Gymnasiums (G8) in Bayern. Statt in Klassen wird er zum Eintritt in die Oberstufe in Kursen unterrichtet. Deshalb kommt das LTG auch mit seinen Räumen wieder gerade so zu Rande. Im nächsten Schuljahr, dem letzten mit G8- und G9-Schülern zusammen, erwartet Madsack noch einmal steigende Schülerzahlen. Danach sollen sie den Prognosen zufolge wieder unter die 1000er-Marke sinken.

Um die großen zehnten Klassen zu entlasten, werden sie in den Kernfächern, zum Beispiel in Englisch, geteilt. Das ist möglich, weil es für diese Fächer genug Fachlehrer gibt. Dagegen sind laut Madsack derzeit vor allem Pädagogen für Biologie, Chemie und auch Deutsch rar.

Für die Elftklassler stehen eineinhalbjährige Seminare im Lehrplan. Das LTG hat sich dafür einiges einfallen lassen, darunter ein Kunstprojekt mit Kreisheimatpfleger Knut Stolte (wir berichteten), ein Informatikseminar mit Unterstützung der Priener Tourismus GmbH (PTG), ein Sportprojekt mit dem TuS Prien und eines, das sich anlässlich des König-Ludwig-Jahres mit dem Monarchen beschäftigt.

Mit 19 neuen Gesichtern im Kollegium hat sich das Personalkarussell am LTG zwar nicht ganz so schnell gedreht wie im Vorjahr (24), aber die Integration der Neuen in die Mannschaft wird auch heuer eine Herausforderung sein. Wobei bereits absehbar ist, dass es nächstes Jahr ähnlich sein wird, denn allein zwölf Referendare kommen nur zeitlich befristet nach Prien.

Nach der Enttäuschung vor einigen Monaten, als das LTG trotz schlüssigem Konzept zur energetischen Sanierung bei der Vergabe der Mittel aus dem Konjunkturpaket II leer ausgegangen war, hat Madsack die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Sollten Fördermittel nicht ausgeschöpft werden und an die Regierung zurückfließen, seien die Chancen gar nicht schlecht, dass das Priener Gymnasium vielleicht doch noch bedacht wird.

So oder so will der Landkreis im Schuljahr 2010/11 nach Angaben von Oliver Winter vom Landratsamt im alten Nordtrakt alte Fenster austauschen und die Gebäude wärmeisolieren. Gelder sollen im Haushalt bereit gestellt werden.

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