A8-Ausbau: Diskussion geht weiter

Chiemgau - Die Diskussion über den geplanten sechsstreifigen Ausbau der Autobahn geht weiter. Nachdem die Gegner das Projekt immer wieder kritisieren, meldet sich jetzt Paul Lichtenwald, der Präsident der Autobahndirektion Südbayern, zu Wort.

Gegenüber der Chiemgau-Zeitung führte er aus, "dass gezielt oder trotz besseren Wissens die Fakten zum Autobahnausbau in der Öffentlichkeit immer wieder verdreht dargestellt werden".

Lichtenwald bezieht sich insbesondere auf eine Tagung des Kreisverbandes von Bündnis 90/Die Grünen in Bergen. Dort habe Bundestagsabgeordneter Dr. Toni Hofreiter unter anderem behauptet: "Ein sechsstreifiger Ausbau der A8 von Rosenheim zur Bundesgrenze sei ein Wahnsinn, würde gigantische Kosten und eine Baustelle ohne Ende verursachen. Favorisiert wird hingegen der vierstreifige Ausbau und die Nutzung des Standstreifens als Fahrstreifen in den Ferienzeiten."

Als Leiter der Behörde, die für den Ausbau der A8 zuständig ist, möchte Lichtenwald, wie er sagt, unter anderem klarstellen, dass der Unterschied in der Gesamtbreite zwischen einer vier- und einer sechsstreifigen Autobahn mit zwei Standstreifen - zwischen "vier plus zwei" und "sechs plus zwei" - vier Meter betrage. Dies ergebe bei Beachtung erforderlicher Nothaltebuchten für den Fall der Nutzung von Standstreifen als Fahrstreifen einen Flächenunterschied von sieben Prozent. "In Anbetracht dieser Größenordnung des unterschiedlichen Flächenverbrauchs von 'Wahnsinn' zu sprechen ist völlig überzogen", so Lichtenwald.

Der vierstreifige Ausbau würde laut dem Präsidenten der Autobahndirektion nahezu die gleichen Kosten wie der sechsstreifige Ausbau verursachen, da zwar die Baukosten für den Vier-plus-Zwei-Ausbau etwas niedriger wären, allerdings für die zeitweise Nutzung der Standstreifen als Fahrstreifen zusätzlich sehr aufwendige Verkehrsbeeinflussungsanlagen gebaut und betrieben werden müssten. "Insofern dem Sechs-plus-Zwei-Ausbau einen gigantischen Kostenmehraufwand zu unterstellen entbehrt jeglicher fachlicher Grundlage".

Die Bauzeit für den vier- oder sechsstreifigen Ausbau der A8 sei gleich, so Lichtenwald weiter. Eine "Baustelle ohne Ende" für den sechsstreifigen Ausbau zu unterstellen und so zu tun, als ob der vierstreifige Ausbau "so nebenbei" zu machen wäre, sei "schlichtweg falsch".

"Ein optimaler Lärmschutz kann auf Grundlage der derzeit gültigen Verkehrslärmschutzverordnung, die im Übrigen von Flensburg bis Berchtesgaden gilt, nur mit einem sechsstreifigen Ausbau erreicht werden", betont Lichtenwald. Aussagen, wonach der Standstreifenausbau das gleiche Lärmschutzniveau wie beim sechsstreifigen Ausbau mit sich brächte, "gehen an der gesetzlichen Realität vorbei".

"All diese Tatsachen werden seit geraumer Zeit durch die Autobahndirektion Südbayern in der Öffentlichkeit dargestellt", betont er. Seit Mai sei zudem ein "Planungsdialogverfahren" installiert worden, in dem alle Anrainergemeinden der A8, Verbände und Bürgerinitiativen vertreten seien. Dieses Verfahren sei, was Transparenz und Offenheit der Planung eines Infrastrukturprojektes dieser Größenordnung anbetrifft, "bundesweit wohl einmalig".

Die Präsident der Autobahndirektion sieht die Gefahr, dass sich der Planungsprozess "sehr lange hinzieht". Lichtenwald: "Verlierer sind dabei in erster Linie die Anwohner an der A8, die entweder auf der Autobahn nach wie vor im Stau stehen oder mit völlig unzureichendem Lärmschutz weiter leben müssen." Deshalb sollten alle Kräfte gebündelt werden, "um einen raschen Ausbau mit bestmöglichem Lärmschutz und einer optimalen Einbindung in die Landschaft auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zu erreichen".

re/Chiemgau-Zeitung

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Rubriklistenbild: © dpa

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