Weg fast frei für Behinderten-Wohnheim

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Der sogenannte Vorhaben- und Erschließungsplan zeigt den T-förmigen Grundriss des geplanten Wohnheims sowie den Vorplatz mit sechs Parkplätzen. Der nördliche Vorbau (oben) ist lediglich ein erdgeschossiger Anbau mit einer Praxis für Physiotherapie.

Prien - Der Verein "Leben mit Handicap" ist fast am Ziel. Der Bauausschuss hat dem Bebauungsplan "Stauden Nord" mehrheitlich zugestimmt.

Mit der mehrheitlichen Verabschiedung des Bebauungsplans "Stauden Nord" durch den Bauausschuss in dessen jüngster Sitzung liegt es nun nur noch am Landratsamt. Die Rosenheimer Behörde muss auf dieser Grundlage den vorliegenden Bauantrag prüfen und genehmigen.

Der Verein möchte lieber heute als morgen mit dem Bau eines Wohnheims für 30 behinderte junge Menschen und angegliederter Physiotherapiepraxis in einem erdgeschossigen Anbau an der Nordseite beginnen. Vorsitzender Günther Bauer hofft auf einen Spatenstich im März - auch deshalb, weil die Erdarbeiten dann wohl problemlos erledigt werden können. Auf dem Areal ist der Grundwasserpegel relativ hoch. Rund vier Millionen Euro wird der Komplex mit drei Voll- und einem zurückgesetzten Terrassengeschoss kosten. Fast ein Drittel der Summe bringen Eltern der künftigen Bewohner mit Einlagen von jeweils 52.000 Euro auf.

Nach jahrelanger Suche hatte "Leben mit Handicap" ein 2000 Quadratmeter großes Grundstück nördlich des großen Kursaals auf Höhe der Einmündung des Tannenwegs gefunden und gekauft. Als der Standort bekannt wurde, meldeten sich Nachbarn zu Wort. Ihre Hauptkritikpunkte: Massivität und Höhe des Bauwerks sowie der zunehmende Verkehr und besonders mögliche Parkplatzprobleme.

Diese Bedenken konnten Bürgermeister Jürgen Seifert und Vereinsvorsitzender Bauer auch in einer gemeinsamen Informationsveranstaltung nicht zerstreuen. Sie fanden sich nun auch in Stellungnahmen zweier Nachbarn wieder, die der Bauausschuss nach der öffentlichen Auslegung des Bebauungsplans zu bewerten hatte.

"Menschen, die unsere Hilfe brauchen"

Von nicht offiziell eingereichten Kommentaren, das Behindertenwohnheim doch in einem Gewerbegebiet unterzubringen, distanzierte sich Seifert "auf das Schärfste. Es geht hier um Menschen, die unserer Hilfe bedürfen. Die Leute zahlen ihr Leben lang, damit ihre Kinder dort leben können".

Gegen den Bebauungsplan stimmten Georg Fischer (parteilos/CSU-Fraktion) und Dr. Claudia Trübsbach (BfP), die ihre Argumente auch schon bei früheren Verfahrensschritten erläutert hatten. Trübsbach monierte bei der Verabschiedung das Fehlen einer "ortsplanerischen Gesamtplanung" für das Areal zwischen großem Kursaal und dem Beginn der Carl-Braun-Straße. Es ist im Flächennutzungsplan lediglich als "Sondergebiet Kur" ausgewiesen. Fischer fürchtete besonders, dass die sechs geplanten Parkplätze nicht ausreichen werden.

Seifert erinnerte daran, dass die Bewohner des Heims nicht Auto fahren können, also auch keine Parkplätze brauchen. Die Besucher könnten vom Verein zudem angehalten werden, ihre Pkw auf dem Parkplatz hinter dem großen Kursaal abzustellen.

Stellplatzzahl wird nochmals geprüft

Auf der Grundlage der gemeindlichen Stellplatzverordnung ist für ein solches Vorhaben ein Stellplatz pro acht Heimplätzen erforderlich, bei 30 Plätzen also vier. Sie sollen für das Betreuungspersonal vorgehalten werden, das die Arbeiterwohlfahrt als Betreiber stellen wird. Die beiden übrigen Parkplätze sind für die Physiotherapiepraxis gedacht. Die Zahl der Stellplätze wird auch das Landratsamt noch einmal prüfen. Seifert kündigte in der jüngsten Sitzung zudem an, mit dem südlichen Nachbarn Kontakt aufzunehmen, um zu klären, ob auf dem Streifen an der Straße auf dessen Grund zusätzliche Stellplätze eingerichtet werden können.

Dass die Bebauung massiv ist, wie Nachbarn beklagt hatten, bestritt auch die Bauverwaltung in ihrer Stellungnahme nicht. "Der Baukörper ist weder verunstaltend, noch sprengt er die Höhenentwicklung sowie die Kubatur der umliegenden Gebäude, auch wenn sich die Größe im oberen Bereich der Zulässigkeit aber noch im Rahmen bewegt", heißt es in der ausführlichen Stellungnahme. Alle gesetzlichen Vorgaben, zum Beispiel die Abstandsflächen, würden eingehalten.

"Wüsste nicht, wo es besser hinpasst"

"Leben mit Handicap" hatte sich auch für das Grundstück entschieden, das nördlich und südlich an zwei andere Privatgrundstücke grenzt, weil es für einen bezahlbaren Preis zu haben war. Zweites wesentliches Kriterium war die Nähe zum Ortszentrum, das von dort auch mit dem Rollstuhl erreichbar ist.

Trotz der Bedenken bis zum Schluss befand der Bürgermeister, dass die Debatte nun "entemotionalisiert" worden sei. "Wir haben uns sehr wohl Gedanken gemacht, wo ein solches Gebäude hinpasst. Ich wüsste nicht, wo es besser hinpassen würde", sagte Seifert.

db/Chiemgau-Zeitung

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