Feuerwehr: fast 800 Stunden mehr als 2009

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Wenn der Reitbach steigt, muss die Priener Feuerwehr verhindern, dass er über die Ufer tritt und das Gewerbegebiet überschwemmt. Zuletzt war das Anfang Juni 2010 der Fall (unser Bild). Entspannung erhoffen sich Wehr und Gemeinde von einem Regenrückhaltebecken im Oberlauf. Die Planung dafür läuft, aber die Grundstücksverhandlungen kommen nicht voran.

Prien - Absolut beeindruckende Einsatzzahlen hat die Priener Feuerwehr vorgelegt: Über 3300 Mannschaftsstunden waren die Männer und Frauen der Wehr 2010 im Einsatz für den "Dienst am Nächsten".

Die stetige Zunahme werde sich weiter fortsetzen, sagte Kommandant Stefan Pfliegl voraus.

231-mal rückte die Feuerwehr 2010 aus, bilanzierte Pfliegl in der Jahreshauptversammlung (wir berichteten bereits) im Florianstüberl. Das waren 34 Einsätze mehr als noch 2009. Diese Zunahme brachte der Kommandant mit der neuen integrierten Leitstelle in Rosenheim in Verbindung, die im April vergangenen Jahres ihren Betrieb aufgenommen hatte. Auf ein ganzes Jahr gerechnet war sich Pfliegl sicher, dass die Priener Wehr durch die vermehrten Anforderungen gut 50-mal mehr ausrücken muss als bisher.

Höchst unterschiedlich waren die Einsatzbereiche: So löschten die Priener rund 27 Brände, leisteten 115 Mal technische Hilfe, hatten es 41-mal mit Fehlalarmen von Brandmeldeanlagen zu tun und rückten 30-mal als Sicherheitswachen zu Veranstaltungen aus.

Aktive und Nachwuchs, der ja noch nicht bei Einsätzen mit dabei ist, kamen laut Pfliegl auf zusammen 5099 Übungsstunden. Alle ehrenamtlichen Stunden bei Einsätzen, Übungen und Lehrgängen summierten sich auf 9277 Stunden.

Bei angenommenen durchschnittlichen Personalkosten von 20 Euro in der Stunde spare sich so die Gesellschaft Kosten in Höhe von über 185000 Euro, rechnete Pfliegl vor.

Im Rückblick auf die Einsätze erinnerte der Kommandant besonders an die Hochwasserproblematik am Reitbach. Er machte klar, dass sich die Wehr vom angrenzenden Unternehmen mehr Unterstützung erhoffe und appellierte an Bürgermeister Jürgen Seifert, an dieser prekären Stelle von Gemeindeseite etwas zu unternehmen.

Einen wahren Großkampftag absolvierte die Feuerwehr auch im Juli, als nach einem Unwetter das Umspannwerk Pinswang ausgefallen und in weiten Teilen des Chiemgaus die Stromversorgung zusammengebrochen war.

Auch die Bergung der im Chiemsee gesunkenen Fähre "Kampenwand" mit all ihren Komplikationen listete Pfliegl neben vielen anderen Einsätzen auf.

Ein ausnahmsweise erfreulicher Einsatz war eine Fahrt nach Andernach, um das neue Feuerwehr-Boot abzuholen. Ebenso wie der Einsatz-Leitbus, der 2009 in Dienst gestellt worden war, werde das Boot aber erst am Tag des Florifestes feierlich geweiht. Dann bekäme auch der neue Garagenanbau den Segen der Priener Pfarrer.

Pfliegl gab den Gemeindevertretern mit auf den Weg, dass die Feuerwehr gerne ihr 1979 gebautes Tanklöschfahrzeug durch ein neues ersetzen würde. "Das ist ein ganz wichtiges Fahrzeug", betonte der Kommandant.

Hinsichtlich des neuen Bootes informierte Pfliegl, dass die Feuerwehr Prien eine "Löschgruppe Chiemsee" aufbauen wolle. Dazu werde mit den Insulanern zusammengearbeitet, die dann einige Einsätze in Zukunft selber übernehmen könnten.

Große Rückendeckung bekam Pfliegl, als er von der "erdrückenden Dokumentationspflicht" sprach. Schon jetzt werde das Ehrenamt durch zahlreiche Belastungen ausgehöhlt, aber "durch die Bürokratisierung wird es auch noch überfordert", bestätigte Seifert. Der Bürgermeister ging auch auf das "Reitbach-Problem" ein, das "sehr komplex" sei. "Eine Maßnahme nützt da gar nicht", denn es müsse erst ein Rückhaltebecken im Oberlauf gebaut werden. Hier zeige sich der Grundstückseigentümer aber wenig zugänglich, ließ Seifert durchblicken.

Auch hinsichtlich des gewünschten Tanklöschfahrzeugs bremste er die Erwartungen. "Wir müssen haushalten."

Gleichwohl habe die Gemeinde die örtliche Wehr 2010 mit 75000 Euro unterstützt, erinnerte er. "Die Gemeinde steht hinter euch, bei uns findet ihr immer ein offenes Ohr und eine offene Tür."

Voll des Lobes für die Einsatzbereitschaft der Wehr war auch Kreisbrandsinspektor Richard Mittermaier. Die Jugend-Feuerwehr im Landkreis Rosenheim sei mit 1000 Nachwuchskräften (davon 200 "Mädls") die stärkste in ganz Oberbayern, freute sich Mittermaier. Im ganzen Landkreis seien rund 750 Ausbilder im Einsatz, deshalb sollten die Familien ihre Kinder zur Feuerwehr schicken oder auf alle Fälle Wert auf eine Brandschutz-Erziehung legen.

daa/Chiemgau-Zeitung

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