Fesselnder Film aus Prien

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Drehbuchautorin Ariela Bogenberger (Zweite von rechts) erfüllte sich einen Wunsch. Ihr neuer Film "In aller Stille" wurde für Freunde und Presse vorab in "Mike's Kino" gezeigt. Zur Vorführung kamen auch die Schauspieler Johanna Bittenbinder (links), Nina Kunzendorf und Heinz-Josef Braun.

Prien - "In aller Stille" heißt der neue Film von Ariela Bogenberger. Die Erfolgsautorin, die mit ihrem Mann und drei Kindern in Prien lebt, will die Zuschauer mit einem heiklen Thema aufrütteln.

Wie ihr bisher größter Erfolg, "Marias letzte Reise", für dessen Drehbuch die 48-Jährige unter anderem mit dem Adolf-Grimme-Preis in Gold ausgezeichnet wurde, fesselt auch diese Geschichte. Bogenberger, die mit ihrem Mann und drei Kindern in Prien lebt, will die Zuschauer aufrütteln bei einem heiklen, sensiblen und zugleich alarmierenden Thema: Gewalt gegen Kinder.

Ein kleiner Bub ist verschwunden. Polizistin Anja (gespielt von Nina Kunzendorf) sucht mit ihrem Kollegen Anton (Maximilian Brückner) nach dem Kind und gerät dabei auf Spurensuche in der eigenen Vergangenheit. Ihr Leben scheint ihr zu entgleiten. Vor der gescheiterten Ehe mit ihrem Mann (Michael Fitz) und den Problemen mit der pubertierenden Tochter und dem kleinen Sohn flüchtet sie sich in die Arbeit - und wird mit ihrem eigenen Leben dort immer wieder konfrontiert.

Bei einer Pressevorführung in "Mike's Kino" ließ "In aller Stille" das Publikum mit oft zwiespältigen Gefühlen zurück. In vielen Einzelheiten der Handlung konnte sich jeder Zuschauer mehr oder weniger deutlich selbst erkennen: unterdrückte Gefühle, elterliche Hilflosigkeit, Unsicherheit, die Flucht vor der Wahrheit oder vor sich selbst.

Der Stoff könnte kaum aktueller sein, appelliert der Film doch an die Zuschauer, nicht wegzuschauen. Bogenberger erklärt das Dilemma so: "Wir schauen weg, weil wir Angst haben. Weil uns unter Umständen bei den eigenen Kindern auch schon mal die Hand ausgerutscht ist. Oder weil wir Angst haben, dumm dazustehen, weil wir uns getäuscht haben mit einer Kritik. Deswegen sagen wir oft lieber nichts. Hilflos sind wir, und dieses Gefühl ist schwer auszuhalten."

Die Wahl-Prienerin, die seit sechs Jahren mit ihrem Mann Thomas, einem Musiker, und drei Kindern in der Marktgemeinde zuhause ist, hat ihre Gefühle im Drehbuch verarbeitet. In der Geschichte stecken viele eigene Beobachtungen und Erfahrungen der 48-Jährigen. "Wie Obst in einem Mixer" hat sie sie in den Handlungsstrang gewoben. "Ich hoffe, die Kindergärtnerinnen finden sich wieder", nennt sie im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung ein Beispiel. Im Film ist der Kindergarten unterbesetzt, das Personal überfordert.

Während Bogenberger früher immer weggeschaltet hat, wenn im Fernsehen von einem neuen Fall berichtet wurde, bei dem Kindern Gewalt angetan wurde, hat sie nach der intensiven Auseinandersetzung heute einen anderen Zugang zum Thema des Films. Im Vorfeld hatte sie lange recherchiert, mit Polizisten, Geistlichen und vielen anderen Menschen gesprochen. "Ich glaube, ich habe jetzt mehr Verständnis für die Situation, in der sich solche Menschen befinden", spielt sie auf gewalttätige Übergriffe gegen Kinder an. Die Frage nach dem Warum habe sie "nach bestem Wissen und Gewissen" im Film beantwortet, aber: "Es bleibt ein Restgeheimnis."

Natürlich ist die Prienerin gespannt auf die Reaktionen, wenn "In aller Stille" am Mittwoch, 3. November, um 20.15 Uhr in der ARD gezeigt wird. Aber Druck hat sie sich auch nach ihrem bisher größten Erfolg, dem Grimme-Preis für "Marias letzte Reise" 2006, nicht auferlegt. "Wenn man sich viel darum kümmert, ob man Erfolg hat, ist man abgelenkt." Um unbelastet und gut arbeiten zu können, helfen ihr ihre Kinder und ihre gesamte Lebenssituation. "Ich nehme mich selbst nicht so wichtig", sagt die 48-Jährige.

Dass sie selbst Mutter von drei Kindern ist, habe ihr die Auseinandersetzung mit der Thematik "leichter und schwerer zugleich" gemacht. "Es geht einem auf besondere Art ans Herz."

Für Bogenberger ist Gewalt beileibe nicht nur körperlich: "Demütigungen, Schläge, Ohrfeigen, Betrug, sexuelle Ausbeutung oder Vernachlässigung sind Formen der Misshandlung, weil sie die Integrität und die Würde des Kindes verletzen, auch wenn die Folgen nicht sofort sichtbar sind. Erst als Erwachsener wird das einst misshandelte Kind beginnen, darunter zu leiden und andere darunter leiden zu lassen. Es handelt sich dabei nicht nur um ein Problem der Familie allein, sondern um ein Problem der ganzen Gesellschaft" - im Film wie in der Wirklichkeit.

re/Chiemgau-Zeitung

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