Anatevka-Premiere des LTG

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Milchmann Tevje (Franz Auer) bei seinem Gassenhauer "Wenn ich einmal reich wär'..."

Prien - Nach zwei Jahren Vorbereitungszeit rund 600 Zuschauer bei der Premiere: Das hatten sich die Akteure des Musicals "Anatevka" mehr als verdient.

Schüler, Lehrer und Ehemalige des Ludwig-Thoma-Gymnasiums (LTG) spielten überzeugend die Geschichte des armen Milchmanns Tevje aus dem Dorf Anatevka. Selbst der Hauptdarstelller stammt aus dem LTG-Lehrerkollegium. Franz Auer, der "ansonsten" Latein und Französisch unterrichtet, legt einen hinreißenden Milchmann hin. Und dies stimmlich, schauspielerisch und tänzerisch gleichermaßen. Nicht nur mit dem bekannten Lied des Milchmanns, "Wenn ich einmal reich wär'", riss er bei der Premiere die Zuschauer zu Beifallstürmen hin.

Dreieinhalb Stunden zeigt er, was er drauf hat. So auch im Duett "Zum Wohl"("Lechaim") mit dem Metzger Lazar Wolf. "Franz Auer ist ein echtes Naturtalent", sagt Nathalie Stadler. Und sie muss es ja wissen. Die professionelle Sopranistin, die auch am LTG unterrichtet, hatte die Gesangspartien für das Musical einstudiert. Franz Auer bestreitet die Hauptrolle bei allen Aufführungen, während die übrigen Rollen zumeist doppelt besetzt sind.

Ehefrau Golde (Anna Pfitzer, Mitte) mit ihren beiden Töchtern Chava (Anna Fichtl, links) und Bielke (Tanja Schmidbauer). Fotos

Bei der Premiere spielte Anna Pfitzer Tevjes Frau Golde. Anna hat während der vielen Proben für "Anatevka" noch ganz "nebenbei" ein 1,0-Abitur abgelegt. Temperamentvoll und souverän mimt sie das diplomatische Eheweib. Mit ihrem Mann muss sie mit ansehen, wie die drei älteren Töchter Zeitel, Hodel und Chava sich ihre Ehemänner, entgegen der Tradition, selbst aussuchen. Das führt zu lustigen Szenen wie dem Missverständnis zwischen Tevje und dem Metzger Lazar Wolf. Während Lazar bei Tevje um die Hand von Zeitel anhält, glaubt dieser, es handle es sich um seine Milchkuh. Oder, als Tevje in einer "Geisterstunde" seiner Frau Golde deren Großmutter und Lazars verstorbene Frau als Geist erscheinen lässt. Damit möchte er sie davon überzeugen, dass der arme Schneider Mottel der Richtige für Zeitel ist.

Doch auch anrührende Szenen sind dabei. Vor allem, als Hodel ihrem Perchick nach Sibirien in die Verbannung nachreist. Das Musical, das auf Geschichten des jüdischen Schriftstellers Sholem Aleichem basiert, berichtet von der Situation der Juden im zaristischen Terrorregime bis zu ihrer Vertreibung im Jahre 1905.

Gleichwohl ist die Botschaft von "Anatevka" mit all ihren dramatischen und musikalischen Mitteln nicht düster und hoffnungslos. Der jiddische Witz, ähnlich dem von Ephraim Kishon, kommt immer wieder zum Zug. Ebenso die optimistische Lebenseinstellung der Dorfbewohner. Während sie zu Beginn des Stücks noch die Tradition besingen, akzeptieren sie nach und nach, wie auch in ihrem "Schtetl" (Städtchen) die Emanzipation der Frauen einzieht. Und sie finden sich schließlich damit ab, ihr geliebtes Dorf verlassen zu müssen, um in Amerika oder sonstwo auf der Welt ganz neu anzufangen.

Der Oberstufenchor unter der Leitung von Rigo Mink stellt die Dorfbewohner dar. Kammerorchester und Schulorchester unter Bernadette Osterhammer und Birgit Detsch begeistern mit konzertanter Musik, aber auch Klezmer. Und Willi Weiß aus der Lehrerschaft glänzt auf dem Akkordeon. Deutschlehrerin Ursula Rauen hat die Spielleitung übernommsen und Kunsterzieher Michael Herden das bezaubernde Bühnenbild als Dorf Anatevka geschaffen.

Rigo Mink, der die Gesamtlogistik des Stücks seit zwei Jahren innehatte, zeigte sich bei der Premiere überglücklich über den Jubel der Zuschauer, die sich "Wenn ich einmal reich wär'" und "Zum Wohl" als Zugaben erklatschten. Schulleiter Günther Madsack sah "Anatevka" als Geschenk der Schüler, Lehrer und Ehemaligen zum 60. Geburtstag des LTG.

Er freute sich darüber, dass er eine kleine Rolle übernehmen durfte. Als Bettler mit Wanderstab rief er bei der Premiere Heiterkeitsstürme hervor. Und er konnte es sich nicht verkneifen, Landrat Josef Neiderhell in der ersten Reihe eins "auszuwischen". Mit "Da bekomm' ich ja vom Landrat noch mehr" wies er eine lausige Spende zurück. Damit "rächte" er sich dafür, dass das LTG vor kurzem im Landkreis-Etat für Schulen leer ausgegangen war.

Weitere Aufführungen im großen Kursaal sind am Freitag und Samstag, 10. und 11. Juli, jeweils um 19.30 Uhr. Karten gibt es bei der Kurverwaltung Prien und an der Abendkasse.

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