„In meinen Augen ist das eine Frechheit!“

„Södiktatur“: Unbekannte beschmieren Rathäuser in Aschau, Bernau und Frasdorf

Am Aschauer Rathaus fanden Mitarbeiter am frühen Morgen Schmierereien an den Hausfassaden vor.
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Am Aschauer Rathaus fanden Mitarbeiter am frühen Morgen Schmierereien an den Hausfassaden vor.

„Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht“, „Diktatur“, „SÖDDR-Mutant¨“ – diese Schmierereien fanden Mitarbeiter des Frasdorfer Rathauses am Morgen des 17. Februar an Fassaden und dem Bodenpflaster. Auch in Aschau und Bernau hatten bislang Unbekannte die Rathäuser beschmiert.

Aschau/Bernau/Frasdorf– „Dass die Stimmung aufgrund der Corona-Maßnahmen langsam angespannt ist, verstehe ich. Aber bei Sachbeschädigung hört der Spaß auf“, sagt Frasdorfs Bürgermeister Daniel Mair (CSU).

„Södiktatur“ und „Es reicht, eure Kinder leiden“ ist am Aschauer Rathaus an der Straßenfront zu lesen. In Bernau fragen die Unbekannten an der Wand am Nebeneingang: „Warum quält ihr unsere Kinder?“ und bezeichnen die Gemeindevertreter als „Söders Marionetten“. Alle drei Gemeinden erstatteten Anzeige.

5.000 Euro Schaden für die drei Gemeinden

Nach Angaben der Polizeiinspektion Prien sind die Fassaden der Rathäuser in der Nacht auf Mittwoch mit mit Parolen in der gleichen Farbe und mit derselben Schrift verunstaltet worden. „Die Beamten haben die Ermittlungen aufgenommen und Spuren gesichert“, teilt Carolin Englert vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd auf Anfrage unserer Redaktion mit.

Ob es einen Zusammenhang gibt, wollte die Polizei bislang nicht bestätigen. Auch zum Täter ließe sich derzeit noch nichts sagen. Die Polizei beziffert den Schaden auf insgesamt 5.000 Euro.

Unnötige Geld- und Ressourcenverschwendung

Für den Aschauer Rathaus-Chef Simon Frank (ZfA) ist mit den Schmiereien eine Grenze überschritten: „In meinen Augen ist das eine Frechheit! Dieser Ausdruck einiger Chaoten kostet die Gemeinde Aschau nicht nur unnötig Geld und personelle Ressourcen, sondern überschreitet auch eine Hemmschwelle, die ich entschieden verurteile! Welche Aktionen folgen als Nächstes?“

Schmierereien offensichtlich gegen Corona-Maßnahmen

Auch Frasdorfs Bürgermeister Mair ist entsetzt: „Als ich gehört habe, dass es auch in Bernau passiert ist, dachte ich erst, es geht gegen CSU-Bürgermeister. Mit Aschau passt das natürlich nicht.“

In Frasdorf waren die Parolen an den Wänden und auf Pflastersteinen des Rathauses zu sehen.

Da sich die Schmierereien offensichtlich gegen die Corona-Maßnahmen richten, vermutet er Politikverdrossenheit. Zwar habe es schon in der Vergangenheit in Frasdorf Graffiti an der Schule gegeben. Das Muster passe in dem Fall aber nicht zusammen.

„Feige Aktion, die den Steuerzahler Geld kostet“

Bernaus Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber (CSU) berichtet, dass sie es erst für einen „Jungenstreich“ gehalten habe, als eine Mitarbeiterin ihr davon um 7 Uhr morgens berichtet hatte.

Am Bernauer Rathaus heißt es „Söders Marionetten“ – wieder in blauer Schrift.

„Als ich ankam, war schnell klar, dass es sich um eine politische Botschaft handelt.“ Grundsätzlich könne jeder seine politische Meinung haben, er solle sie aber sachlich äußern. Die Wände von Rathäusern zu beschmieren, sei eine „feige Aktion, die den Steuerzahler Geld kostet“ und unnötigen Aufwand bedeute.

Zuvor keine Drohbriefe erhalten

„Als ich erfuhr, dass auch Frasdorf und Aschau betroffen waren, stand fest, dass es hier ein gezieltes Vorgehen ist“, meint sie. Drohbriefe oder andere Aktion habe sie bislang nicht erhalten. Biebel-Daiber vermutet vielmehr eine konzertierte Aktion. Auch Bürgermeister Mair befürchtet, dass es nicht der letzte Angriff gewesen sein könnte.

Ist der Täter in der Region unterwegs?

Bereits im Januar war Bad Feilnbach betroffen. Hier wurde, wie berichtet, in blauen Lettern auf den Schnee an einem Kreisverkehr „Wacht auf. Denkt selbst. SöDDR 2.0“ gesprüht.

Parolen größtenteils schon entfernt

Damals entstand kein Sachschaden. Bei Fassaden sieht das anders aus. In Frasdorf haben Bauhof-Mitarbeiter die Schmierereien bereits überstrichen. Mair: „Was wir mit dem Pflaster anstellen, müssen wir noch sehen.“

Auch in Bernau ist die erste Schicht Farbe zur Beseitigung aufgetragen. Zu sehen ist die Schrift allerdings immer noch. In Aschau will die Verwaltung noch abwarten, bis die Ermittlungen der Polizei fortgeschritten sind.

Polizei sucht Zeugen

Zeugen, die in der Nacht auf Mittwoch, 17. Februar, etwas auffälliges im Zusammenhang mit den Schmiererein an den Rathäusern in Aschau, Frasdorf oder Bernau beobachtet haben, oder anderweitig Hinweise geben können, werden gebeten, sich bei der Polizei Prien unter Telefon 08051/9057-0 zu melden.

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