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„Viele von uns werden wohl aufhören“

Friedliches Nebeneinander von Almwirtschaft und großen Beutegreifern nicht möglich

Über die Wolfsproblematik diskutierten die Schafhalterverbände aus den Landkreisen Rosenheim, Traunstein und Berchtesgadener Land mit dem Traunsteiner Abgeordneten Klaus Steiner, in Übersee. Unser Foto zeigt von links Martin Winklmeier und Herbert Tschakert (beide Schafverein Berchtesgadener Land), MdL Klaus Steiner, Norbert Meier und Roland Kirr (beide Schafverein Rosenheim), Sebastian Siglreithmeier (Kreisbauernobmann Traunstein) und Sepp Harbeck (Schafverein Traunstein)
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Über die Wolfsproblematik diskutierten die Schafhalterverbände aus den Landkreisen Rosenheim, Traunstein und Berchtesgadener Land mit dem Traunsteiner Abgeordneten Klaus Steiner, in Übersee. Unser Foto zeigt von links Martin Winklmeier und Herbert Tschakert (beide Schafverein Berchtesgadener Land), MdL Klaus Steiner, Norbert Meier und Roland Kirr (beide Schafverein Rosenheim), Sebastian Siglreithmeier (Kreisbauernobmann Traunstein) und Sepp Harbeck (Schafverein Traunstein)
  • VonGünther Buthke
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„Ein friedliches Nebeneinander von großen Beutegreifern wie Wolf oder Bär und einer praktikablen Weide- und Almwirtschaft gibt es leider nicht. Die Ausbreitung dieser Raubtiere wird zum Ende der Weidehaltung in bestimmten Regionen Bayerns führen“, betonte der Vorstand des Schafvereins Traunstein, Josef Harbeck aus Waging, bei einem Gespräch der Verbände Rosenheim, Traunstein und Berchtesgadener Land mit dem Traunsteiner Abgeordneten Klaus Steiner, in Übersee.

Übersee - Roland Kirr vom Schafverein Rosenheim beklagte, dass Schäfer, aber auch Rinder- oder Pferdehalter, die auf das zunehmende Problem der Wolfsrisse hinweisen, als Naturfeinde und ewig Gestrige diffamiert würden. „Jede Tierart hat ihre Berechtigung, so auch der Wolf, aber man muss die Frage offen und ehrlich diskutieren, ob Wolfsrudel in unserer dicht besiedelten Kulturlandschaft artgerecht, das heißt ohne genügend freien Lebensraum und unberührter Natur bzw. Wildnis existieren können.

Herbert Tsachakert vom Schafverein Berchtesgaden übte deutliche Kritik an politischen Entscheidungsträgern, die erst vor kurzem bei einem Ortstermin im Landkreis Berchtesgadener Land geäußert haben, „der Wolf ist nicht verhandelbar“. Wenn das der Maßstab der Diskussion sei, dann müsse die Weidewirtschaft, die wiederum alle forderten, eingestellt werden. „Jedenfalls werden viele von uns wohl aufhören“. Das habe aber auch für den Artenschutz Folgen, weil Schafhalter in der Region dafür sorgten, dass aussterbende Haustierrassen bzw. Schafrassen erhalten blieben und extensive Beweidung wichtig für den Artenschutz sei.

Martin Winklmeier aus Berchtesgaden kritisierte die Diskussion um Herdenschutzmaßnahmen. Zum einen seien Schutzzäune nur mühsam zu errichten und in Stand zu halten, was auf Almen ohnehin nicht möglich sei, zum andern durchschnitten Zäune die Lebensräume von anderen Wildarten. Gerade auf den Almen, die sich durch große Artenvielfalt auszeichnen würden, hätte dies gravierende Auswirkungen auf Wildtiere. Viel entscheidender sei allerdings die Thematik der Herdenschutzhunde. Er verstehe nicht, so Winklmeier, dass hier ständig Akteure mitdiskutieren, die vom Einsatz dieser Hunde keine Ahnung hätten. Man brauche sich nur eingezäunte Bereiche vorstellen, die Wanderer durchqueren müssten und mit scharfen Schutzhunden konfrontiert seien.

Die Schäfer forderten von Klaus Steiner konsequentes Handeln der Politik. Josef Harbeck: „Es ist fünf vor Zwölf, wir stehen vor Rudelbildungen mit massiven Folgen für uns Schafhalter. Wir werden zum Aufhören gezwungen“. Steiner forderte deshalb eine Diskussion, die sich an Fakten orientieren müsse. Dazu gehöre vor allem auch, nicht aus einer gewissen Wolfsromantik heraus zu argumentieren. Natürlich sei es sehr schade, dass bestimmte Tierarten im Laufe der Jahrhunderte verschwunden seien, die entscheidende Frage sei aber, ob diese Arten, wie Bär, Wolf, Wisent oder Elch in unserer Kulturlandschaft, durchzogen von Verkehrsachsen, einer intensiver Freizeitnutzung z.B auf den Chiemgauer Almen, noch einen passenden, artgerechten Lebensraum vorfinden würden.

„Diese Entwicklung kann man beklagen, aber sie ist Realität. Es hat keinen Sinn, den Wolf mangels artgerechter, weiter, unbesiedelter Lebensräume zu Kulturfolger zu „erziehen“ und dann zuzusehen, wenn viele Tiere dann auf Autobahnen, Bundes oder Staatsstraßen ihr jämmerliches Ende finden oder letztlich geschossen werden müssen, weil es unweigerlich, wie bereits in Niedersachsen, zu nicht lösbaren Problemen kommt. „Es gibt mir schon zu denken, wenn ein Schafhalter oder ein Almbauer zu mir sagt: „Es geht einfach nicht. Wenn sich Bär oder Wolf in den Chiemgauer Bergen ansiedeln, höre ich mit der Almwirtschaft auf. Schon allein deswegen, weil wir kein Personal mehr finden, weil Herdenschutzhunde Wanderer angreifen und Zäune im schwierigen Gelände nicht praktikabel sind“.

Managementpläne seien grundsätzlich gut, aber in der Praxis viel zu schwerfällig. Es dauere zu lange, bei Rissen festzustellen, ob es ein Hund, keine Kreuzung oder ein Wolf war. „Wir reden zu viel über die Köpfe derer hinweg, die tagtäglich mit dem Problem in der Praxis konfrontiert sind“, so der Landtagsabgeordnete. Es sei im Übrigen ein Widerspruch, dass zum Beispiel zum Schutz von Aufforstungen der verstärkte Abschuss von Reh- oder Rotwild gefordert werde, die gleichen Akteure aber Nutztieren, oft auch aussterbenden Rassen, den Schutz verwehren und auf Entschädigungszahlungen verweisen. Den gleichen Widerspruch gebe es bei der Diskussion um Kormoran, Fischotter oder Gänsesäger. Alles streng geschützte Arten, die aber wiederum Fischarten, wie beispielsweise die Äsche in unseren Fließgewässern ausrotten. „Fische sind nicht niedlich und pelzig, und haben deswegen keine Schutzlobby“, so Steiner.

Wölfe sind aufgrund der EU weit geltenden Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie per Anhang 4 (FFH-RL) eine streng geschützte Tierart. Deswegen sei laut Steiner eine dauerhafte Lösung nur zu erreichen, wenn der Schutzstatus des Wolfes geändert werde. Deswegen ziele der letzte Dringlichkeitsantrag im Bayerischen Landtag, den er eingebracht habe, erneut darauf ab, bei der EU-Kommission eine schadensunabhängigen Bestandsregulierung über eine Absenkung Schutzstatus in Anhang V FFH-RL, zu erreichen. Nur so könne dauerhaft das Problem gelöst werden. „Wir wollen den Wolf, aber in Regionen, in denen er einen artgerechten Lebensraum vorfindet und nicht wie Kulturfolger in Großstädten, wie zum Beispiel Wildschweine, sich aus Mülltonnen oder eben der Wolf von Weidetieren ernährt“, betonte Steiner.

Bjr

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