Frischekur für Hangquellmoor

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Quellmoor im Tälchen entlang des Hammerschmidbachs mit der Renaturierungsfläche im Hintergrund.

Seeon - Um die Artenvielfalt des Hammerschmiedbachs zu erhalten, kaufte der Landkreis mit Hilfe des Bayerischen Naturschutzfonds zwei nebeneinander liegende Grundstücke.

Einige Wiesen im Tälchen rechts und links des Hammerschmiedbachs westlich Seeon sind wahre Schmuckkästchen. Neuntöter und Braunkehlchen finden in den insektenreichen Feuchtwiesen genügend Nahrung für ihre Brut. Auf mehreren kleinen Arealen fühlen sich bei der traditionellen Streuwiesenpflege mit nur einer Mahd pro Jahr spät im Sommer durch die ortsansässigen Landwirte seltene Schmetterlinge wie der Wiesenknopf-Ameisenbläuling und der Riedteufel zu Hause. Auch die Große Goldschrecke und die Sumpfschrecke mit ihrem leisen Schnipsen erfreuen den Naturfreund, während die Gebänderte Prachtlibelle den Schilfgürtel entlang des Hammerschmiedbachs bevorzugt.

Um diese Artenvielfalt zu erhalten und zu stützen, kaufte der Landkreis Traunstein mit Hilfe des Bayerischen Naturschutzfonds im Rahmen des Biotop-Verbund-Projektes zwei nebeneinander liegende Grundstücke. An deren Nordrand zieht sich hangparallel ein Quellhorizont, der seit mehreren Jahrzehnten von einem Entwässerungsgraben durchschnitten wird und das Wasser direkt in den Hammerschmiedbach abführt. Die Bewirtschaftung der Wiesen wurde dadurch zwar erleichtert, der Lebensraum für die seltenen Pflanzen und Tiere jedoch verschlechtert.

Mit Unterstützung der Regierung von Oberbayern soll nun der Entwässerungsgraben wieder geschlossen und der natürliche Quellhorizont wieder hergestellt werden. Dies entspricht auch dem staatlichen Ziel im „Klimaprogramm Bayern 2020“: In Bachnähe ist die seit der Eiszeit aufgebaute Torfschicht mehrere Meter dick. Durch die Trockenlegung wird diese Torfschicht belüftet und zersetzt sich. Der Torf schrumpft. Der darin über mindestens 3000 Jahre gesammelte Kohlenstoff wird dadurch als klimawirksames Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) frei. Durch die Renaturierung wird sich das Wasser wieder länger im Moor halten, der Torfaufbau wie auch die seltenen Tiere und Pflanzen der typisch Bayerischen Feuchtwiesen werden gefördert. Wiesenknopf, Schlangenknöterich, Sumpfdotterblume und Kuckucks-Lichtnelke sollen sich wieder weiter ausbreiten und den Schmetterlingen, Libellen und Heuschrecken neuen Lebensraum geben.

Da der Graben nicht nur tief eingeschnitten, sondern zum Teil auch recht steil ist, werden schwere Geräte und sogar Spundwände eingesetzt, wie sie im Straßen- und Wasserbau üblich sind. Die Renaturierungsmaßnahme wird deshalb während der Bauphase brachial wirken. Aber schon nächstes Jahr wird Gras darüber wachsen und ein Heuschreckenkonzert im Blütenteppich ertönen. Denn Ziel ist keine wilde Natur, sondern eine fachgerecht von zwei ortsansässigen Landwirten gepflegte Extensivwiese, die breitflächig von Quellwasser überrieselt wird.

Pressemitteilung Landratsamt Traunstein

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