Fronten verhärten sich

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Vertreter der Bürgerinitiative erhoben ihre Stimme (von links): Baubiologe Johannes Schmidt, Dr. Klaus Buchner, Kerstin Landau, Carola Hainz und Dorothe Hahn.

Seeon - Die Diskussion um den Bau eines Tetrafunkmastens auf dem Seeoner Höhenberg geht in die heiße Phase - und die Fronten verhärten sich!

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Am Montag setzten sich vom Innenministerium gesandte Vertreter der Projektgruppe "Diginet", Mitglieder der Bürgerinitiative "Tetrafunkfreies Seeon-Pittenhart", Bürgermeister Konrad Glück, Gemeinderatsmitglieder und Vertreter von Polizei und Rettungsorganisationen an einen runden Tisch in Seeon, um vor öffentlichem Publikum über das Für und Wider dieser Technik zu diskutieren. Die Diskussion zeigte verhärtete Fronten zwischen Bürgerinitiative und "Diginet" auf. Zum Schluss stand noch die Frage im Raum: Was ist die Entscheidung der Gemeinde wert?

Etwa 140 interessierte Bürger aus den Gemeinden Seeon-Seebruck, Obing, Pittenhart und auch aus anderen betroffenen Gemeinden waren zum "Alten Wirt" nach Seeon gekommen, um sich anzuhören, was die Projektgruppe "Diginet", die Bürgerinitiative und weitere Befürworter und Gegner der Technik zum Thema Tetrafunk in Seeon zu sagen hatten. Das erste Wort hatte Seeons Bürgermeister Konrad Glück, der berichtete, dass sich die Gemeinde nach einem Widerspruch gegen den Bauantrag derzeit vor der Aufforderung sehe, diesbezüglich im Rahmen eines offiziellen Baugenehmigungsverfahrens der Regierung Stellung zu nehmen.

Im Anschluss an Glücks Worte erteilte Moderator Helmut Wittmann zunächst der Projektgruppe "Diginet" das Wort. Sie wurde vertreten durch Markus Dengler, Andreas Gebhart und Michael Ruhland. Unterstützt wurden sie von Ulrich Wittfeld von der Firma Telent, die mit der Standortgewinnung und der Koordination des Aufbaus von Basisstationen beauftragt wurde. Polizeihauptkommissar Markus Dengler, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, stellte die Sicht von "Diginet" und die Notwendigkeit des neuen Digitalfunks dar. So sei der Analogfunk nun an seine Weiterentwicklungsgrenzen gestoßen, die Industrie ziehe sich immer mehr aus dieser Technologie zurück. Er sei veraltet und störanfällig. Es wäre "fahrlässig, abzuwarten, bis der Analogfunk völlig am Boden ist, und erst dann die aktuelle Technik einzuführen". Als Vorteile des neuen Digitalfunks nannte Dengler die Abhörsicherheit, die Standortbestimmung durch GPS-Funktion, die bessere Sprachqualität und die Möglichkeit der Kommunikation der Einsatzkräfte aller Organisationen miteinander.

Vor allem hinsichtlich der Gesundheitsgefährdung, aber auch der von Markus Dengler aufgezeigten Vorteile des Tetrafunks widersprachen die anschließend referierenden Vertreter der Bürgerinitiative "Tetrafunkfreies Seeon-Pittenhart" vehement. So wies Baubiologe Johannes Schmidt beispielsweise darauf hin, dass auch beim Digitalfunk die Abhörsicherheit nicht gewährleistet sei, da dessen Code längst geknackt worden sei. Auch analoge Handfunkgeräte könnten mit der GPS-Funktion nachgerüstet werden. Schmidt betonte außerdem, dass der Testbetrieb von Tetrafunk nicht funktioniere und hinsichtlich der Folgekosten von Tetrafunk keine Daten vorlägen.

Anschließend zeigte Dr. Klaus Buchner eine Reihe von Studien auf, die das Gesundheitsrisiko durch Tetrafunk-Strahlen belegen sollen. Er wies auf die direkte Beeinflussung des Nervensystems, Schlafstörungen, Depressionen und Erbschäden, die auch bei Tieren auftreten, hin und bezeichnete die von "Diginet" veröffentlichten Informationen mehrmals als "Unwahrheiten".

Seeons Zweiter Bürgermeister Hans Huber steht dem Thema - auch als Polizist - grundsätzlich positiv gegenüber, schlug jedoch vor, den Standort für den Sendemasten 200 Meter in Richtung Nordosten zu verlegen, um eine Entfernung von etwa 650 Metern von der nächsten Bevölkerung zu gewährleisten. Diesen Vorschlag und auch Franz Regenauers Ermahnung, die mögliche Bedeutung des Höhenbergs hinsichtlich der kürzlich dort gemachten prähistorischen Funde zu beachten, wollten die "Diginet"-Vertreter als "Hausaufgabe" mitnehmen.

Am meisten Aufregung verursachte die Frage von Gemeinderat Rudi Mayer nach dem weiteren Vorgehen, sollte die Gemeinde den Bau des Sendemasts ablehnen. Wittfeld erklärte, dass sich bei Ablehnung des Bauantrags durch die Kommune das Landratsamt und dann die Regierung Oberbayern damit befassen werde und nach Abwägen aller Möglichkeiten und Argumente das kommunale Einvernehmen ersetzen und der Mast dadurch trotzdem erstellt werden könnte. "Dann stellt sich für mich die Frage, wofür ihr uns und unsere Entscheidung eigentlich braucht", meinte der sichtlich aufgebrachte Gemeinderat.

ska/Chiemgau-Zeitung

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