Fundament aus Antworten

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Prien - Nicht erschrecken, wenn Sie von fremden Leuten angesprochen werden: Eine groß angelegte Passantenbefragung soll in diesem Monat die Grundlagen für das künftige Priener Ortsmarketing liefern.

Marketingstudenten der Fachhochschule (FH) Rosenheim werden an unterschiedlichen Wochentagen, zu verschiedenen Uhrzeiten und an wechselnden Standorten 500 Personen interviewen.

Die Federführung obliegt Professor Dr. Dieter Benatzky und seiner "Akademie für Bürgernähe in der Verwaltung" (ABV). Der frühere Leiter des Fachbereichs Marketing an der FH hat in enger Abstimmung mit den "Prien-Partnern" einen umfangreichen Fragenkatalog entwickelt.

Unter dem Dach der "Prien-Partner" haben sich Gemeinde, Priener Tourismus GmbH, Verband Priener Unternehmer, Kur- und Tourismusverein, Wirte Elf und Bürgerrunde vereint, um ein Konzept für das künftige Ortsmarketing zu stricken. Alle Beteiligten dieser Arbeitsgemeinschaft eint das Interesse, Prien voranzubringen, Einkaufs- und Aufenthaltsqualität zu verbessern, den Ort im regionalen Wettbewerb zu positionieren und ein Profil, eine Marke, herauszuarbeiten.

Die Passantenbefragung soll das Fundament für die Arbeit liefern, sagte Wirtschafts- und Tourismusreferent Klaus Löhmann bei der Vorstellung des Fragebogens im "Bayerischen Hof". Er und alle anderen "Prien-Partner" sind gespannt, ob ihre persönlichen, subjektiven Meinungen objektiv von der Masse bestätigt oder widerlegt werden.

Die einzelnen Interviews werden nach Einschätzung von Benatzkys Mitarbeiter Heinrich Schuster, der die Befragung leitet und auch auswerten wird, zehn bis 15 Minuten dauern. Quasi als "Belohnung" für die Geduld und Bereitschaft spendiert die "Wirte Elf" an den Interviewtischen Glühwein und die Bürgerrunde frisches Obst.

Benatzky, der unter anderem auch die Einführung des Stadtmarketings in Rosenheim betreut hat, sagte, es gehe darum, aus der subjektiven Wahrnehmung der Kunden die objektive Wahrheit herauszufiltern. Mit 500 Befragten sei die Umfrage zwar nicht repräsentativ, habe aber eine "hohe Repräsentativität" und eine Abweichungsquote von vielleicht zwei Prozent. Übersetzt: Die Ergebnisse, mit denen sich die Prien-Partner" Mitte März einen ganzen Tag lang auseinandersetzen möchten, um Empfehlungen an die Politik daraus zu entwickeln, sind auf alle Fälle belastbar.

Die Kunden sollen unter anderem auf einer Skala von eins bis fünf Zufriedenheit, Parken und Mobilität, Freundlichkeit in Geschäften und Gastronomie sowie das Preis-Leistungs-Verhältnis bewerten. Die Antworten werden dann auch nach Altersgruppen und Branchen unterteilt ausgewertet.

Die Befragungszeit wurde bewusst nicht in die touristische Hauptsaison gelegt, weil der Fokus auf den Stärken und Schwächen Priens als Einkaufsort im Vergleich zu anderen Kommunen im Umkreis liegt. Deshalb sollen gezielt Einheimische und Bürger aus der näheren Umgebung mit ihren Meinungen ein Stimmungsbild liefern. Bezahlt wird die Aktion zum Teil aus dem jährlichen Wirtschafts- und Tourismusetat, aber auch die Interessensvertretungen der "Prien-Partner" steuern Geld bei.

Bürgermeister Jürgen Seifert wertete es grundsätzlich als Erfolg, dass es gelungen sei, nach der Auftaktveranstaltung mit Klaus Stieringer, dem Chef des Bamberger Stadtmarketings, vor knapp einem Jahr alle an einen Tisch zu bekommen, die von den Kunden und damit auch von deren Meinung betroffen sind. "Es geht im positiven Sinne um unsere Existenz, denn wir alle leben vom Ort", sagte Seifert.

db/Chiemgau-Zeitung

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