Herreninsel rüstet sich für Touristenstrom

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Im angenehmen Ambiente des renovierten Schlosscafés freuten sich Inselbürgermeister Georg Huber, Betriebsleiterin Christa Hoffmann, Josef Austermayer, Chef der staatlichen Inselverwaltung, Geschäftsführerin Ingeborg Wiesner, Bernd Schreiber, Präsident der staatlichen Schlösser- und Seenverwaltung sowie Pächter Klaus Wiesner vom "Yachthotel Chiemsee" (von links) über die Neueröffnung.

Herrenchiemsee - Die Herreninsel ist für den kommenden Touristenstrom gastronomisch bestens aufgestellt. Der Freistaat hat nun gemeinsam mit den Pächtern auch das Schlosscafé renoviert.

Seit 14 Jahren betreiben die Inhaber des Yachthotels Chiemsee, Ingeborg und Klaus Wiesner, das Schlosscafé an der nordwestlichen Ecke des Prachtbaus. Als der Freistaat vor der Landesausstellung 2011 seine Schlosswirtschaft am ehemaligen Augustiner Chorherrenstift für 8,4 Millionen Euro erneuerte, wie Bernd Schreiber, Präsident der staatlichen Schlösserverwaltung in Erinnerung rief, sei man "nachdenklich geworden", erinnerte Klaus Wiesner vor über 100 geladenen Gästen an die Ausgangslage mit "erheblichem Handlungsbedarf".

Zusammen mit den freistaatlichen Stellen wurde ein Renovierungskonzept erstellt, dass über den Winter nun umgesetzt wurde. Die Gesamtinvestitionssumme von rund 400000 Euro teilen sich das Land und die Pächter. Unter anderem wurden alle technischen Anlagen erneuert, der Thekenbereich, die Einrichtung komplett ausgetauscht und eine zweite Kasse integriert.

Wiesner und der Hausherr, Josef Austermayer, Chef der Schloss- und Gartenverwaltung auf der Insel, hoben besonders das unermüdliche Engagement von Betriebsleiterin Christa Hoffmann hervor, die sich bei der Renovierung "selbst übertroffen" (Wiesner) beziehungsweise "mit ganzer Kraft und Leidenschaft" gearbeitet habe.

Das Schlosscafé verfügt über 320 Sitzplätze, davon 150 auf der Terrasse im Freien. An Spitzentagen kümmert sich ein Team von rund einem Dutzend Mitarbeitern um die Besucher.

Seit 1994 hat der Freistaat Schreiber zufolge 50 Millionen Euro auf Herrenchiemsee investiert und so dazu beigetragen, dass das Eiland über "ungebrochene Strahlkraft" verfüge. Er äußerte sich optimistisch, dass Schloss Herrenchiemsee im Verbund mit Neuschwanstein und Linderhof, zwei weiteren Märchenbauten Ludwigs II., noch heuer auf die sogenannte Tentativliste kommt. Diese Vorschlagsliste für die Aufnahme ins Weltkulturerbe der "Unesco" wird von dieser dann ab 2018 geprüft. Bis dahin wird die bestehende Tentativliste abgearbeitet.

Schreiber nutzte die Anwesenheit zahlreicher Touristiker aus der Region, um Werbung in eigener Sache zu betreiben. Die unvollendeten Rohbauräume des Königsschlosses, die der Freistaat mit Millionenaufwand für die "Götterdämmerung" ausgestattet hatte, sollen künftig für Veranstaltungen genutzt werden. Das Mobiliar sei zwischenzeitlich bestellt, bald seien die Räume buchbar.

Ein Dauerbrennerthema löste am Rande der Feier zweimal Beifall der Gäste aus: die vor allem von vielen Dienstleistern im regionalen Tourismus ersehnte Fusion der beiden landkreisweiten Verbände aus Rosenheim (Chiemsee Alpenland) und Traunstein (Chiemgau), die seit über vier Jahren diskutiert wird.

Wiesner beschwor die Verantwortlichen, den Chiemsee (die Seefläche gehört zum Landkreis Traunstein, die Inseln zum Kreis Rosenheim) nicht als "trennendes Objekt", vielmehr als "unser verbindendes touristisches ,Highlight' zu sehen". Dafür gabs Beifall.

Seiner Bitte an die Vertreter der beiden Landkreise, sich in ihren Grußworten zum Thema Fusion zu äußern, kamen diese dann auch nach. Rosenheims stellvertretender Landrat Josef Huber zeigte sich optimistisch, dass es in absehbarer Zeit zum Zusammenschluss kommt, "auch wenn in beiden Landkreisen einige starke Gemeinden immer wieder bremsen". Traunsteins Landrat-Stellvertreter Herbert Häusl bestätigte die Rolle des Bayerischen Meeres als "verbindendes Glied zwischen den Landkreisen". Er hoffe, "dass die Zusammenarbeit in nächster Zukunft noch enger wird. Die Bevölkerung erwartet das".

Einen kleinen Schreck jagte Priens evangelische Pfarrerin Christine Wackerbarth den Gästen ein, bevor sie mit Traunsteins Kreisdekan Konrad Kronast die renovierten Räume segnete - denn sie erinnerte daran, dass die Fastenzeit noch nicht vorüber sei, was das gemeinsame Mittagessen kurzzeitig infrage zu stellen schien.

Aber Pfarrerin Wackerbarth gab sogleich wieder "Entwarnung", als sie anmerkte, "dass schon immer galt, das auf Reisen das Fastengebot nicht gilt". Und schließlich seien die Gäste ja über den See durch den Landkreis Traunstein zur Eröffnung des Schlosscafés gereist.

db/Chiemgau-Zeitung

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