Gegen bauliche Auswüchse auf der Fraueninsel

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Mit einem Bebauungsplan will die Gemeinde künftig auf der Fraueninsel auch der Errichtung von Hütten einen Riegel vorschieben, wie etwa eine am östlichen Uferweg entstanden ist (unser Foto). Diese Hütte war ursprünglich als Bootslagerhaus gebaut worden und sollte nach einem Besitzerwechsel eine Nutzungsänderung erfahren, die der Gemeinderat jedoch ablehnte.

Fraueninsel - Die Gemeinde Chiemsee will baulichen Auswüchsen auf der Fraueninsel einen Riegel vorschieben. Zu diesem Zweck beschreitet sie jetzt völlig neue Wege:

Sie erstellt einen Bebauungsplan für das Eiland. Die Aufstellung hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen.

Erstmals in ihrer Geschichte erhält die Fraueninsel jetzt einen Bebauungsplan. Mit ihm will die Gemeinde die gewachsene Struktur des Eilandes festigen und sichern.

Ebenfalls einstimmig erließ der Gemeinderat eine Veränderungssperre, die Bauvorhaben verbietet, wenn sie den Zielen des Bebauungsplanes entgegenstehen. Die beiden Beschlüsse fasste das Gremium ohne größere Debatte vor vielen Zuschauern.

Der Gemeinderat hatte bereits in einer vorherigen Sitzung die Absicht bekundet, einen Bebauungsplan aufzustellen. In einer - nicht öffentlichen Sitzung - ließ er sich von Baurechtsexperten eingehend über die rechtlichen Fragen informieren.

Bürgermeister Georg Huber berichtete nun ausführlich über diese nicht öffentliche Sitzung mit Dr. Franz Dirnberger, dem Leiter des Baureferates beim Bayerischen Gemeindetag und Mitautor einer Reihe von baurechtlichen Kommentaren. Anwesend seien unter anderem auch Landrat Josef Neiderhell, Vertreter des Denkmalschutzes und der Bauabteilung des Landratsamtes Rosenheim gewesen. Der Gemeinderat sei eingehend über die rechtlichen Konsequenzen und Auswirkungen informiert worden.

"Es wird keine einfache Geschichte werden", erklärte der Bürgermeister. Zumindest in den nächsten beiden Jahren - so lange, bis der Bebauungsplan rechtswirksam werde - werde "baulich nichts mehr gehen". Huber betonte, dass sich die Insel durch den Bebauungsplan von den Fachstellen "keine Käseglocke" überstülpen lassen werde. Die Planungshoheit liege eindeutig bei der Gemeinde.

Ein erster Schritt in Richtung Bebauungsplan sei jetzt die Suche nach einem geeigneten Planer - was bei der sensiblen und einmaligen Lage der Insel ziemlich schwierig sein dürfte, so der Bürgermeister. Eine große bauliche Entwicklung werde es auf der Fraueninsel allerdings sowieso nicht mehr geben, so gelte es zuerst, den Bestand planerisch darzustellen.

Der Entwurf eines Bebauungsplanes sollte unbedingt einen breiten Konsens im Gremium und auch in der Bevölkerung finden, sagte Huber. So dürfe es für die Bürger auf der Insel aufgrund des Bebauungsplanes keine Nachteile geben - "Sonst lassen wird es lieber gleich bleiben."

Der Bebauungsplan werde für alle bebauten und unbebauten Grundstücke des Ortsteiles Frauenchiemsee gelten, jedoch nicht für die sogenannten außermärkischen Bereiche. Für die Seeverlandung sei nach wie vor das Landratsamt Traunstein zuständig, erklärte Huber.

Die Diskussion war sehr kurz, da sich alle Gemeinderäte für die Aufstellung eines Bebauungsplanes aussprachen. Zweiter Bürgermeister Josef Neuer erklärte, man solle die einmalige Chance unbedingt nutzen. Vor zehn Jahren sei schon die Rede von einer baulichen Ordnung gewesen. Kurt Lehner (Freie Wählergemeinschaft) sagte, mit dem Bebauungsplan werde wieder Ruhe und Frieden auf der Insel einkehren. Huber erklärte, dass auch der Landrat voll und ganz hinter dem Vorgehen stehe.

Der Gemeinderat beschloss die Aufstellung eines Bebauungsplanes ebenso einstimmig wie die Satzung für eine bauliche Veränderungssperre. Mit diesem Vorgehen will die Gemeinde die Ziele ihrer Planung sichern. Die Veränderungssperre gilt vorerst zwei Jahre - auf jeden Fall jedoch so lange, bis der Bebauungsplan rechtsverbindlich wird.

Aufgrund der Veränderungssperre hat der Gemeinderat zwei zuletzt zurückgestellte Bauvorhaben abgelehnt: zum einen die Errichtung einer Hütte, zum anderen die Erweiterung einer Bootsbauerwerkstatt. Sie würden den Planungszielen des Bebauungsplanes entgegenstehen, so die Begründung im Gremium. Ein weiterer Antrag für eine Hütte sei vom Antragsteller wieder zurückgezogen worden, teilte der Bürgermeister mit.

th/Chiemgau-Zeitung

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