Geheimnisse der Tiefe werden sichtbar

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Prien - Für knifflige Suchaktionen: Die Wasserschutzpolizei hat ihre Ausrüstung mit einer Unterwasserkamera ergänzt und arbeitet fest mit einer Münchener Tauchfirma zusammen.

Die Bergung eines Mannes, der vor acht Jahren im Chiemsee ertrunken und seitdem vermisst war, sorgte vor Monaten für Schlagzeilen. Möglich wurde sie dank modernster technischer Geräte. Die Wasserschutzpolizei (WSP) Prien hat ihre Ausrüstung Ende vergangenen Jahres mit einer Unterwasserkamera ergänzt. Außerdem bildet sie bei kniffligen Suchaktionen mittlerweile ein eingespieltes Team mit einer Münchener Tauchfirma.

Chiemsee: Suche nach Vermissten im Jahr 2004

Vor drei Jahren legte sich die WSP ein "Sidescan"-Sonar zu. Dieses Ortungsgerät ermöglicht im Zusammenspiel mit GPS ("Global Positioning System") und einem Echolot, den Grund des Chiemsees nach Objekten abzutasten, die dort liegen. Je nach Material werden sie auf dem Bildschirm im Polizeiboot mehr oder weniger deutlich sichtbar.

Der Entschluss, viel Geld für ein solches Gerät auszugeben, gründete auch auf den Erfahrungen aus dem Winter davor. Am ersten Adventswochende war unweit der Fraueninsel ein Ultraleichtflugzeug mit zwei Männern abgestürzt.

Spektakuläre Entdeckung mit dem "Sidescan"-Sonar

Bei einer Testfahrt mit dem "Sidescan"-Sonar machten die WSP-Beamten dann im März 2010 eine spektakuläre Entdeckung. Am Rand des abgetasteten Bereichs wurde ein großes Objekt sichtbar: die "Kampenwand", frühere Fähre der Fraueninsel und inzwischen im Besitz eines Bauunternehmens, war auf mysteriöse Weise gesunken. Das 17-Meter-Schiff wurde in einer spektakulären Hebeaktion geborgen und verschrottet.

Das "Sidescan" ist in der Regel im kleineren der beiden WSP-Boote eingebaut, kann aber auch mit wenigen Handgriffen dort ausgebaut und so kurzfristig andernorts eingesetzt werden, wenn Eile geboten ist. Im Juli 2010 im Waginger See, im Mai 2011 im Tachinger See und im August vergangenen Jahres im Chiemsee bei Gollenshausen leistete das Gerät bei der Suche nach Vermissten wertvolle Dienste.

Meistens mit im Boot war bei diesen Aktionen Christoph Müller aus München, dessen "Tauchdienste" bayernweit gefragt sind und der über Geräte verfügt, die noch bessere Bilder liefern, was gerade in trüben Tiefen des Bayerischen Meeres von Vorteil ist.

Weil viele Objekte auf den Bildern reflektierter Ultraschallwellen, die das "Sidescan" in Bahnen links und rechts des WSP-Boots bis zu 120 Meter Radius liefert, zunächst nur als Punkte, Schatten oder äußerst schemenhaft erkennbar sind, entschloss sich die WSP 2011, ihre Ausrüstung weiter zu verbessern. Im November legte sie sich eine Unterwasserkamera zu. Sie kann, ähnlich einem Modellfahrzeug, mit einem "Joystick" vom Boot aus gelenkt werden und ist laut Roland Kempf von der WSP in Tiefen bis 80 Meter einsetzbar, also überall im Chiemsee, der im Weitsee bis zu 74 Meter tief ist.

Dank der exakten Positionsdaten, die das GPS des "Sidescan"-Sonars liefert, kann nun im Zweifelsfall die Kamera alternativ zu aufwendigen und teuren Taucheinsätzen genutzt werden. Mit Scheinwerfern leuchtet sie den Grund ab. Ein Zusatzgerät, das Taucher Müller entwickelt hat, ermöglicht ähnlich einem Radar den Rundumblick und so eine bessere Orientierung und Lenkung der Kamera.

Im Juli starteten WSP und der Spezialist aus München einen umfangreichen Test, um das Zusammenspiel ihrer Gerätschaften zu üben. Als Testgebiet wählten sie ein etwa zwei Quadratkilometer großes Gebiet zwischen Bernau und der Herreninsel aus, in dem laut Zeugenaussagen acht Jahre zuvor ein damals 69-jähriger Grabenstätter untergegangen war.

Blechdosen und ein Tretboot

Ab 5 Uhr morgens, wenn noch kein Wellengang war und keine Menschen auf dem Wasser unterwegs waren, suchten die Spezialisten zunächst mit dem "Sidescan" den Seegrund ab. 1900 Objekte erfasste das Gerät, von der alten Blechdose bis zum verrotteten Tretboot. Die meisten konnten zunächst nicht exakt bestimmt werden.

Nach der Auswertung der Daten konzentrierte sich die Suche auf bestimmte Objekte, die dann mit der Kamera angesteuert wurden. Punkt Nummer 18 auf der Liste entpuppte sich schließlich als die Leiche des seit 2004 Vermissten. Sie wurde von Tauchern geborgen.

Die Bergung eines US-Schlauchboots wenige Tage später, das vor 28 Jahren gesunken war, war auch eine Folge dieser Aktion. Das Wrack war von der Kamera aufgespürt worden. Weil sich im Motorblock noch der Treibstofftank samt Inhalt befand, entschloss sich die WSP, das Boot aus 25 Metern Tiefe zu heben.

Das Schlauchboot war bei einer Übung der amerikanischen Streitkräfte 1984 vom Hubschrauber abgeworfen worden, hatte sich aber nicht selbstständig aufgeblasen und war gesunken.

Durch das Zusammenspiel von "Sidescan"-Sonar und Unterwasserkamera war Ende vergangenen Jahres schon eine alte Panzerfaust aus Kriegszeiten vor Bernau-Felden aufgespürt und geborgen worden.

Dirk Breitfuß

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © pa

Zurück zur Übersicht: Chiemsee

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser