Die Oma um ihr Geld gebracht

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Rosenheim/Bad Endorf - Mit skrupellosen Tricks plünderte ein alkohol- und drogensüchtiges Trio eine 87-jährige Frau aus. Einer der Täter war ihr eigener Enkel.

Geld, Schmuck, Goldmünzen - insgesamt 18 000 Euro zockten die drei ab. Nun wurde einer seiner beiden Mittäter zu zwei Jahren Haft verurteilt. Er wird sie in einer Entzugsanstalt verbüßen.

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Der Enkel kam nur zum Stehlen

"Bei meiner Oma ist Geld zu holen": Mit diesen Worten stiftete ein Enkel, wie ihn sich niemand wünscht, seine beiden Saufkumpane aus Straubing dazu an, die eigene Oma auszunehmen. Immer wieder fuhr das Trio dazu im Sommer 2009 nach Bad Endorf.

Als die damals 84-jährige Frau im Krankenhaus lag, besuchte sie ihr Enkel und bat sie um die Erlaubnis, in ihrem Haus zu übernachten. Die alte Frau wollte den Enkel nicht auf der Straße wissen und gab ihm die Schlüssel. Der Enkel aber ließ den Angeklagten ins Haus. Die zwei nutzten die Gelegenheit und durchstöberten ungestört die Wohnung nach Wertsachen, stahlen Schmuck und Bargeld.

Enkel trieb eigene Oma in die Schulden

Immer wieder besuchte der gierige Enkel die Großmutter, nur um sie immer wieder zu bestehlen. Als die gebrechliche alte Frau schließlich kein Bargeld mehr zu Hause aufbewahrte, entwendete er ihre zwei EC-Karten und verschaffte sich mit einem Trick die PIN-Nummern. Anschließend bediente er sich großzügig von den Konten der alten Dame, die er so in die Schulden trieb. Immer im Schlepptau und als Mittäter dabei war der 36-jährige Angeklagte sowie ein Dritter, gegen den noch ermittelt wird.

Fassungslosigkeit machte sich im Gerichtssaal breit, als der 36-Jährige schließlich von dem letzten Schurkenstück berichtete. Die Konten der Oma waren leer. Doch die Täter brauchten dringend Geld. Der Angeklagte, den die Großmutter noch nicht persönlich kennengelernt hatte, stellte sich ihr als Kriminalkommissar "Konrad Meier" vor, der den gestohlenen Schmuck bei Ebay entdeckt habe. Dort sei er gegen 1200 Euro frei zu kaufen. Die gutgläubige Großmama bezahlte nochmals die Summe, die sofort in Alkoholika und Drogen umgesetzt wurde - ebenso wie die gesamte Beute.

Was die Droge "Crystal" aus einem Menschen macht

Über 18 000 Euro, Schmuck und Goldmünzen kamen so der Frau abhanden. Der Enkel wurde deshalb bereits Anfang 2011 zu zwei Jahren Haft verurteilt, die er in einer geschlossenen psychiatrischen Behandlung absolvieren muss. Als Zeuge bot er vor Gericht ein abschreckendes Beispiel dafür, was die Droge "Crystal" aus einem jungen Menschen von 25 Jahren machen kann: Obwohl seit Monaten in ärztlicher Behandlung, machte er den geistigen Eindruck eines dementen alten Mannes. Beinahe lallend erinnerte er sich nur vage an Geschehnisse oder Einzelheiten.

Der Angeklagte selber, in hohem Maße alkoholkrank, wurde vom Gutachter, Psychologe Rainer Gerd aus dem Inn-Salzach-Klinikum, einer Anamnese unterzogen. Dessen Alkoholmissbrauch habe längst fortgeschrittene Leberschäden, Schäden des peripheren Nervensystems, Depressionen und Psychosen hervorgerufen. Der Gutachter berichtete, der Angeklagte habe mehrere Selbstmordversuche unternommen und sei bereits sieben Mal im Bezirksklinikum Mainkofen stationär untergebracht gewesen. Der Mann sei zum Tatzeitpunkt wohl nur eingeschränkt schuldfähig gewesen.

Weil der Angeklagte in großen Teilen geständig war, beschränkte sich das Schöffengericht unter dem Vorsitz von Amtsrichter Heinrich Loeber auf die eingeräumten Sachverhalte.

Staatsanwältin zeigt sich fassungslos

In ihrem Schlussvortrag zeigte sich die Staatsanwältin fassungslos über das abgefeimte Vorgehen der Täter. Sie forderte eine Gefängnisstrafe von 26 Monaten, stimmte aber dem Gutachter zu, dass es zwingend geboten sei, den Angeklagten wegen seiner Alkoholsucht zu therapieren und forderte den Maßregelvollzug in einer Entzugsanstalt.

Rechtsanwalt Hans Sachse verheimlichte seine Abscheu über die zu verurteilenden Taten nicht und stimmte der Staatsanwältin in deren Argumentation zu. Er wollte es aber bei einer Strafe von 18 Monaten belassen.

Das Gericht verurteilte den gebürtigen Münchener zu zwei Jahren Haft, die er, wie gefordert, in einer Entzugsanstalt zu verbüßen habe. Nur dort habe der Verurteilte die Chance auf einen Neuanfang. Der Mann akzeptierte das Urteil sofort. au/ku/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © pa

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