Gemeinde fordert Tunnel

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Bernau(CH-Z) - Landauf, landab diskutieren Behörden, Kommunen und Bürger einen Ausbau der Autobahn, die durch den Chiemgau geht. Jetzt meldet sich die Gemeinde Bernau zu Wort.

Sie wünscht sich den bestmöglichen Lärmschutz. Ganz oben auf dem Forderungskatalog, den der Gemeinderat am Donnerstagabend einstimmig verabschiedet hat, steht vor allem ein großer Wunsch: der Bau eines Tunnels durch den Bernauer Berg.

Nach langem Hin und Her hat sich die Gemeinde Bernau in der Diskussion um den Autobahnausbau jetzt erstmals festgelegt und ihre Vorstellungen zu Papier gebracht. Vor gut einer Woche hatten sich die Fraktionsspitzen der im Gemeinderat vertretenen Parteien und Gruppierungen nichtöffentlich beraten und versucht, sich auf Forderungen zu verständigen, die die Kommune in den Planungsprozess einbringen kann - was ihnen schließlich auch gelang. Sie erarbeiteten ein "Konsenspapier", das der Gemeinderat jetzt als offizielle Stellungnahme von Bernau "ratifizierte".

Ein Thema jedoch blieb in den Beratungen der Fraktionsspitzen und im Gemeinderat außen vor: Zur Frage, ob die Autobahn insgesamt künftig vier oder sechs Spuren plus zwei Standstreifen haben soll, nimmt die Gemeinde nicht Stellung.

Nicht zu überhören war die Erleichterung im Gemeinderat, mit dem "Konsenspapier" endlich einen gemeinsamen Standpunkt in der Diskussion "nach außen" gefunden zu haben. So stand dann auch Sepp Genghammer (Bündnis 90/Die Grünen) allein mit seinem Antrag, die Autobahn im gesamten Gemeindegebiet Bernau einzuhausen. Wie andere Gemeinderäte zeigte vor allem auch Zweiter Bürgermeister Matthias Vieweger (CSU) kein Verständnis. Die Gemeinderäte "haben es geschafft, eine einheitliche Stoßrichtung festzulegen". Sie dürfe auf keinen Fall wieder in Gefahr gebracht werden.

Wie ein roter Faden zieht sich vor allem ein Anliegen durch den Forderungskatalog, den die Gemeinde Bernau jetzt aufgestellt hat: Sie will für die Bürger - insbesondere für die Anlieger - den bestmöglichen Lärmschutz erreichen. So bringt sie nun einmal mehr mit Nachdruck zum Ausdruck, dass sie sich ein Tempolimit auf der Autobahn wünscht. Mehrmals in den vergangenen Jahren, als der Ausbau der Autobahn noch kein so heiß diskutiertes Thema war, hatte sie schon Vorstöße in diese Richtung unternommen. Bislang stieß sie jedoch an übergeordneter Stelle immer auf taube Ohren.

Für den Zeitraum bis zum Ausbau der Autobahn fordert die Kommune eine Ausweitung der bestehenden Geschwindigkeitsbegrenzung vom Bernauer Berg bis zum Rasthaus am Tag auf Tempo 100 für Pkw und 80 für Lkw sowie in der Nacht - von 22 Uhr bis 6 Uhr - auf 80 beziehungsweise 60. Und für die Zeit nach dem Ausbau verlangt die Kommune dann ein dauerhaftes Tempolimit: tagsüber maximal 120 km/h für Pkw und 80 km/h für Lkw sowie in der Nacht 100 beziehungsweise 80 km/h.

"Im Ortsbereich Bernau soll ein absorbierender Lärmschutz entstehen", so eine weitere Forderung der Gemeinde. Sie hofft auf einen Wall oder eine Wand - diese Frage lässt sie offen -, der beziehungsweise die, wie Bürgermeister Klaus Daiber gestern auf Anfrage der Chiemgau-Zeitung erläuterte, den Lärm nicht nur in irgendeiner Weise weitergibt, sondern aufnimmt und "weitgend selber schluckt", also "absorbiert". Zu verhindern sei, dass der "Lärm" womöglich "abprallt" und dann über Umwege doch die Anwohner in nahegelegenen Ansiedlungen belästigt.

Zu deren Schutz ist nach Ansicht der Gemeinde ein großer Eingriff nötig: Wenn's nach ihrem Willen geht, dann fahren die Pkw und Lkw in der Zukunft nicht mehr über, sondern durch den Bernauer Berg. So legt die Kommune der planenden Autobahndirektion und dem Bund, der letztlich den Ausbau bezahlt, nahe, einen Tunnel anzulegen, der von der Senke auf Höhe von Hötzing über knapp einen Kilometer bis zur Ausfahrt Bernau führt.

Auf diese Weise könnten, so die Gemeinde, zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden: Zum einen wäre dann eine unmittelbare Lärmbelästigung der Anlieger ausgeschlossen. Und zum anderen wäre vor allem auch eine Anhebung der Autobahn auf Höhe der Ausfahrt Bernau vom Tisch. So erläuterte Daiber, dass in bisherigen Planungen von einer Absenkung der Autobahn um etwa 20 Meter in den Bernauer Berg hinein und von einer Verringerung des Gefälles die Rede gewesen sei - mit der Folge, dass die Autobahn dann jedoch von der Ausfahrt Bernau bis zur Eisenbahnline angehoben werden müsste.

Die Sicht jedoch will sich die Gemeinde auf keinen Fall beeinträchtigen lassen. Und so steht jetzt in ihrem Forderungskatalog: "Die Anhebung der Trasse zwischen dem Bernauer Berg und der Bahnlinie wird abgelehnt."

Auch auf Höhe von Felden wünscht sich die Kommune den bestmöglichen Lärmschutz. Um die Immissionen, die die Anlieger erreichen, so gering wie möglich zu halten, sei eine "Einhausung" erforderlich. Sie legt sich jedoch nicht fest, ob auf beiden Seiten der Autobahn eine Wand oder ein Wall, vielleicht sogar mit einer Überdachung - und damit eventuell sogar eine "Grünbrücke" - zu bauen ist.

Chiemgau-Zeitung

Rubriklistenbild: © pa

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