Architekt hatte Grundleitungen in Kalkulation schlichtweg vergessen

Gemeinderäte empört

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Für neuen Ärger sorgt der Bau des Kindergartens in Übersee.

Übersee - Bittere Pille: Der Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung zur Kenntnis nehmen müssen, dass der Neubau des Kindergartens mehr kostet, als er erwartet hatte.

Statt der geschätzten Gesamtkosten von 1,9 Millionen Euro wird sich der Neubau um 92 000 Euro verteuern. Davon wird die Gemeinde vertragsgemäß mit zwei Dritteln zur Kasse gebeten. Der Hauptgrund stieß im Gremium auf helle Empörung: Bei der Kostenkalkulation waren die Grundleitungen schlichtweg vergessen worden.

Von Anfang an unter keinem guten Stern stand die Zusammenarbeit der Gemeinde mit dem Baureferat des Erzbischöflichen Ordinariats München (Bauherr) und dem ausführenden Architekten Martin Hirner vom gleichnamigen Büro in München. Wegen deutlich zu hoher Kosten war das Projekt "Kindergarten-Neubau" vom Gemeinderat erst im dritten Anlauf - nach einem finanziellen Entgegenkommen des Bauherrn - genehmigt worden (wir berichteten seinerzeit ausführlich).

Die jetzige Ankündigung der Verteuerung traf das Gremium daher am ohnehin schon empfindlichen Nerv. Als Gründe nannte das Münchener Architekturbüro die inzwischen angestiegenen Holzpreise, noch notwendige Sonnenschirme und die nachträgliche Berücksichtigung von Grundleitungen, die bei der Planung und Kostenkalkulation "übersehen" worden waren.

Besonders das letzte Argument stieß im Gemeinderat auf Empörung. "Die Grund-leitungen zu vergessen, das ist so, wie wenn der Ludwig (gemeint war Ludwig Ertl, Garten- und Landschaftsplaner und Zweiter Bürgermeister, Anmerkung der Redaktion) einen Baum mit den Wurzeln nach oben einpflanzen würde", machte CSU-Sprecher Oliver Engels seinem Ärger Luft. Noch eins drauf setzte sein Fraktionskollege Paul Reichl: "Wenn ich die Möglichkeit hätte, würde ich dem Architekten sagen 'schleich dich'". Zu-mindest sollte aber seiner Meinung nach die Gemeinde das Ordinariat über die Ar-beitsweise seines Architekten informieren, "damit die nicht mehr mit diesem Planer zusammenarbeiten". Auf Nummer sicher gehen wollte Michael Rudroff (Freie Bürgerliste, FBL): "Für die Zukunft sollte man jetzt die Kalkulationskosten festschreiben."

Ebenfalls empört, aber realistisch beurteilten Bürgermeister Marc Nitschke, Zweiter Bürgermeister Ertl und Hans Schönberger (beide FBL) sowie Dieter Schöneburg (SPD) die Sachlage. Da die Gemeinde nicht der Bauherr sei, müssten die Mehrkosten geschluckt werden, so ihre Feststellung. "Die Alternative wäre ein Kindergarten in eigener Regie gewesen", erinnerte Nitschke. "Und das wollten wir nicht."

Bis auf Reichl stimmten alle Gemeinderäte dafür, "die Mehrkosten zur Kenntnis genommen zu haben".

vd

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