Gemeinderat sucht weiterhin Kompromiss

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Hier soll das neue Gastronomie-Gebäude entstehen.

Bernau - Nicht mehr auszuschließen ist, dass in Bernau der Bürgerentscheid über den Bau eines Gebäudes für eine Gastronomie am Chiemseeufer in Felden wegfällt.

Hinter den Kulissen kommt Bewegung in die festgefahrene Diskussion. Sowohl der Gemeinderat als auch die Bürgerinitiative für ein unverbautes Chiemseeufer bekunden Interesse, einen Kompromiss zu finden.

Für ein 150 Quadratmeter großes Gastronomiegebäude unmittelbar am Chiemseeufer hat sich der Gemeinderat mit großer Mehrheit ausgeprochen. Die BI will eine Verwirklichung des Vorhabens verhindern. Ein von ihr angeregtes Bürgerbegehren hat der Gemeinderat zuletzt für zulässig erklärt und den Bürgerentscheid auf Sonntag, 24. Februar, angesetzt.

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Ob die Einheimischen jedoch tatsächlich zu den Urnen gerufen werden, ist noch nicht sicher. Denn mittlerweile ist ein Vermittlungsversuch angelaufen. Eine Einigung ist bislang allerdings noch nicht in Sicht. In seiner jüngsten Sitzung am Donnerstagabend hat der Gemeinderat Bürgermeister Klaus Daiber und die Verwaltung beauftragt, die Gespräche mit den Vertretern der BI fortzusetzen. Die Sprecher der Fraktionen im Gemeinderat klinken sich jetzt in die Verhandlungen mit ein.

Kurz vor Weihnachten hate der Bürgermeister das Gespräch mit der BI aufgenommen. Das Ergebnis erläuterte Daiber jetzt im Gemeinderat: Die Vertreter der BI könnten sich als Kompromiss vorstellen, dass das Baufenster für das Gastronomie-Gebäude vom Uferspitz in südwestlicher Richtung über den Fuß- wie auch den geplanten Radweg in etwa dorthin verschoben wird, wo früher einmal ein Bauernhaus gestanden war. Das Gebäude würde damit rund 25 Meter vom Ufer weg sein. Die BI würde in diesem Falle auf ihre Forderung verzichten, gar 50 Meter vom Ufer völlig von einer Bebauung freizuhalten.

In der Folge erarbeitete dann auch der Bürgermeister einen Kompromissvorschlag, der jedoch ganz anders aussieht. Er schlug vor, das Baufenster im vom Gemeinderat auserkorenen Bereich am Uferspitz lediglich ein wenig nach Süden zu verschieben und damit nur etwa 15 Meter vom Ufer abzusetzen. In diesem Fall würde der Fußweg dann im Norden an dem Gebäude und der Radweg im Süden vorbeigehen.

Der Gemeinderat hat den Vorschlag der Bürgerinitiative einstimmig abgelehnt. Das Gremium beschloss mit 13:5 Stimmen, dass der Bürgermeister das Gespräch mit der BI fortsetzen soll.

Deutliche Kritik am Standort, den sich die BI vorstellen kann, übte Zweiter Bürgermeister Matthias Vieweger (CSU). "Unmöglich" sei die Anregung, die Gastronomie am Radweg zu errichten. "Wie will man denn Kinder aufhalten, die zum Wasser laufen?" Unfälle mit Radfahrern wären in diesem Fall unausweichlich. Ursula Zeitlmann (Bündnis 90/Die Grünen) kritisierte hingegen, dass der Vorschlag von Bürgermeister Daiber "kein Kompromiss" sei. In diesem Falle wäre die Gastronomie laut Zeitlmann nahezu an der gleichen Stelle, wie vom Gemeinderat geplant und wie von der BI abgelehnt wird.

Renate Wendlinger (CSU) sah keinen Anlass, die Planung des Gemeinderates "über den Haufen zu werfen". Hans-Jörg Decker (Bernauer Liste), schlug vor, eine "kleine Jausenstation" zu errichten - und zwar so, dass der Uferspitz "optisch nicht blockiert ist". Die Gastronomie müsse keine Grundfläche von 150 Quadratmetern aufweisen, sondern solle kleiner ausfallen.

Donat Praßberger (CSU) bezeichnete den Vorschlag der BI als "Schildbürgerstreich". Dritter Bürgermeister Alexander Herkner (SPD) sah keinen Grund, etwas an der Planung des Gemeinderates zu ändern. Schließlich habe das Gremium den Bebauungsplan bereits als "großen Kompromiss" gegenüber der ursprünglichen Fassung mit großer Mehrheit aufgestellt. Und außerdem: Der Rat habe ihn beschlossen ohne Einwendungen der Bürger.

Franz Schnaiter (CSU) sagte, dass der Gastronom 150 Quadratmeter brauche, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Der Kiosk, der in diesem Bereich stehe, habe bereits rund 80 Quadratmeter Grundfläche. Hinzu komme dann noch der Plexiglasanbau mit etwa 20 Quadratmetern. Sanitäre Anlagen wären vonnöten - und in der Summe käme man dann am Ende auch in die Größenordnung, die vom Gemeinderat für die Gastronomie ins Auge gefasst worden sei.

Eduard Wierer (Überparteiliche Wählergemenschaft) wiederholte noch einmal seinen Vorschlag, die Gastronmie an einer ganz anderen Stelle am Ufer -und zwar am geplanten Seglerheim - zu errichten. Alexandra Pawlitzek (ebenfalls ÜWG) forderte, den "Willen der Bürgers" umzusetzen und alles so zu belassen, wie es jetzt ist. Daiber entgegnete ihr jedoch, dass der Kiosk "weg muss". Schließlich liege keine gaststättenrechtliche Genehmigung für ihn vor.

pü/Chiemgau-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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