Gemeinderat verschließt die Augen

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Die Bronzestatue, die je zur Hälfte von Priener Bürgern und der Gemeinde finanziert wurde, weist eine halb geöffnete Weltkugel mit zwei Gesichtern auf, die die Partnerschaft von Graulhet und Prien symbolisieren.

Prien - Mit zwei guten Nachrichten wartete Bürgermeister Jürgen Seifert bei der gut besuchten jüngsten Gemeinderatssitzung auf.

Zu Beginn mit dem Erwerb der Graulheter Zwillingsstatue, zum Schluss mit einem optimistischen Ausblick auf den Etat. Dazwischen ging es in der bereits im Juli abgehaltenen Juni-Sitzung teilweise recht kontrovers zu.

Und ungewöhlich war der Auftakt der knapp dreistündigen öffentlichen Sitzung auch: Seifert bat alle Anwesenden, die Augen zu schließen, um so intensiver die Wirkung der Worte des französischen Künstlers Fred Allain-Irigoyen, ins Deutsche übersetzt vom Partnerschaftsreferenten Dr. Hans-Rainer Hannemann, zu spüren, mit denen die symbolische Bedeutung des Werkes beschrieben wird (siehe Kasten „Symbol für Partnerschaft“).

Die Bronzestatue, die fortan in der Mitte des Sitzungssaals im Rathaus stehen soll, sollte eigentlich schon vor einem Jahr anlässlich der 850-Jahr-Feier der Marktgemeinde nach Prien kommen, war aber fürs Flugzeug zu schwer.

Nun war das Kunstwerk Teil der vor zwei Wochen zu Ende gegangenen Ausstellung von Hobbykünstlern beider Partnerstädte im kleinen Kursaal. Die Partnerschaftsreferenten Helge Holzer und Hans-Jürgen Schuster waren von der Aussagekraft der geöffneten Weltkugel mit den beiden Antlitzen vis-à-vis im Inneren so angetan, dass sie sich zum Erwerb entschlossen. In nur kurzer Zeit spendeten Priener Bürger zusammen 1000 Euro, nun ist der Bürgermeister gefordert, die zweiten 1000 Euro beizutragen.

Nachdem bereits Mitte Mai Bürgermeister Seifert erfreut festgestellt hatte, dass die Weltwirtschaftskrise (noch) kein Loch in die Kasse der Marktgemeinde gerissen hatte (wir berichteten), konnte er nun zur Jahresmitte eine „deutliche Konsolidierung“ registrieren. „Noch haben wir keinen Grund zur Freude“, warnte er, „wohl aber zur Vorfreude“. Gleichwohl wagte Seifert keine definitive Prognose fürs Jahresende.

Bevor Kämmerer Georg Schmid diesen Befund mit konkreten Zahlen belegte, lobte der Rathauschef neben Schmid vor allem dessen Mitarbeiter Alfons Kinne, die in Eigeninitiative für eine deutliche Einnahmensteigerung bei der Zweitwohnungssteuer um 120.000 Euro bei angesetzten 250.000 Euro gesorgt hätten. Der Datenabgleich von Anmeldungen und tatsächlich eingegangenen Abgaben sei ausschließlich um der Steuergerechtigkeit erfolgt.

Der Kämmerer berichtete von „deutlichen Mehreinnahmen“: So seien die staatlichen Schlüsselzuweisungen um mehr als 571.000 Euro höher als die veranschlagte eine Million ausgefallen, seien mit 3,03 Millionen an Gewerbesteuer um 6,3 Prozent mehr als erwartet eingegangen. Noch ungewiss sei, ob und wann die im Haushalt mit 900.000 Euro veranschlagten Erlöse aus Grundstücksverkäufen realisiert werden können. Als weitere größere Einnahmen von je einer Million kündigte der Kämmerer die Einkommenssteuerbeteiligung für das zweite Quartal des Jahres (Auszahlung Ende Juli) und den Realsteuertermin (15. August) an. Seifert schloss: „Die Finanzkrise ist bei uns noch fühlbar vorbeigegangen.“

Michael Thun (Chiemgau-Zeitung)

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