Generalstabsmäßig gebohrt

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Prien (ch-z) - 120 Löcher, die im Durchmesser bis zu 15 Zentimeter groß sind, haben die Handwerker in wenigen Tagen durch 24 Zentimeter dicken Wände in der Franziska-Hager-Schule gebohrt.

700 Meter Rohrleitungen verlaufen durch diese Öffnungen vom Turnhallentrakt im Untergeschoss bis zum anderen Ende des Schulkomplexes. Und das ist erst der Anfang. Wenn der Unterricht aus ist, geht es erst richtig los. Bei den ersten Bohrungen für die Heizungsrohre in den Herbstferien mussten die Baufirmen keine Rücksicht auf den Schulbetrieb nehmen - jetzt schon. Das hat zur Folge, dass lärmintensive Arbeiten erst nach 13 Uhr beginnen können. Dafür bleiben die entsprechenden Firmen abends bis 21.30 Uhr im Haus.

Die "Arbeit am lebenden Objekt", wie es Bernhard Püschel von der gleichnamigen Architektengesellschaft umschreibt, stellt alle Beteiligten vor logistische Herausforderungen. So sind die Wege zu den jeweiligen Baustellen im Gebäudekomplex für die Arbeiter genauso festgelegt wie die der Schüler. Sie müssen morgens durch eine Art Schleuse aus Bauzäunen hindurch. Staubschutzwände trennen die Flure, in denen gearbeitet wird, vom Schulbetrieb ab. Die Materiallagerplätze der Baustelle sind mit hohen Zäunen umgeben.

9,5 Millionen Euro lassen sich Bund und Land sowie der Schulverband die Generalsanierung der 30 Jahre alten Franziska-Hager-Schule kosten, die gleichzeitig nach neuesten energetischen Erfordernissen modernisiert und durch den Einbau eines Aufzugs barrierefrei wird.

14 Firmen sind bereits auf der ersten Teil-Baustelle, einem Flur der Grundschule im Untergeschoss, im Einsatz, 30 Unternehmen werden insgesamt zum Zuge kommen. In sieben Bauabschnitten soll das Gesamtprojekt nacheinander bis zum Sommer 2010 erledigt werden. Die Firmen arbeiten sich quasi von unten nach oben vor. Im Frühjahr, wenn keine Frostgefahr mehr besteht, kommt dann auch die Fassade dran. Sie wird neu isoliert und farblich freundlicher gestaltet.

Mehrere Ingenieurbüros arbeiten Hand in Hand, um die vielfältigen Arbeiten zu koordinieren. Mindestens einmal pro Woche treffen sich die Planer zur Lagebesprechung im Baubüro, einem Container zwischen dem Busparkplatz und dem Pausenhof. Genauso oft kommen alle Firmen zusammen, um sich abzustimmen. Federführend sind für die Elektrik die Priener PGT (Planungsgruppe Technik) mit Wolfgang Thaler, für die architektonischen Belange das Architekturbüro Püschel aus München, dessen Inhaber Bernhard Püschel ebenfalls Priener ist, sowie für Heizung und Sanitär Bernhard Haase vom Traunsteiner Ingenieurbüro Ludwig.

Bis zu den Weihnachtsferien sind vier Klassen der Grundschule in Container umgezogen, die extra als Ausweichquartier angemietet wurden. Nach den Ferien wird getauscht, wenn die ersten der fast 100 Räume im großen Schulkomplex fertig sind. Neue Decken werden eingezogen, Fußböden verlegt und ein modernes Lüftungs- und Heizsystem wird die stromfressenden Nachtspeicheröfen ersetzen.

Auch in den Sanitäranlagen bleibt nichts so, wie es war. In den Toiletten im Untergeschoss sind nur die Wände übrig geblieben, alles andere wird erneuert - von den Fliesen bis zu den Türgriffen. Farben und Formen wurden vorab mit den Schulen ausgesucht. Das Hauptaugenmerk liegt auch hier darauf, den Energieverbrauch zu senken. Wasserhähne laufen dank Sensoren nur bei Bewegung, kein Schüler kann künftig vergessen, den Hahn wieder zuzudrehen. In den Klassenräumen geht das Licht in Zukunft automatisch an, wenn sich jemand bewegt oder die Anlage dank der Körperwärme von Lehrern und Schülern von selbst merkt, dass jemand im Raum ist.

Chiemgau-Zeitung

Rubriklistenbild: © re

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