Geschenktes Brennholz

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Was wird mit Bäumen, die auf Gemeindegrund fallen? Wer kriegt vom Holz wieviel? Eine Frage, die angesichts steigender Energiepreise immer häufiger gestellt wird.

Rosenheim/Landkreis – Die Energiepreise klettern, Holz wird deshalb als nachwachsender Brennstoff immer beliebter – und damit auch teurer. Kein Wunder, dass die Bürger den Bauhof-Mitarbeitern genau auf die Finger schauen.

Dürfen sie das Holz, das sie im Auftrag der Stadt oder Gemeinde schneiden, einfach mitnehmen und selbst verheizen? Eine klare Antwort auf diese Frage gibt es ebenso wenig wie verbindliche Regelungen in den Bauhöfen. Aber das könnte sich schon bald ändern.

Darüber schmunzelte vor zwei Jahren ganz Bayern: Ein Lokführer der Chiemgaubahn schnappte sich nachts einen Zug und sammelte heimlich entlang der Strecke zwischen Prien und Aschau das Holz ein, das Arbeiter im Auftrag der Bahn Stunden zuvor gerodet hatten. Ein Ster Brennholz lud er auf seinen "Holzsonderzug" auf. Die Sache flog auf, der Lokführer landete wegen Diebstahls vor Gericht und wurde dank einer gnädigen Richterin freigesprochen.

Eine Geschichte, die viele Holzheizer mit kritischem Blick in die Bauhöfe schauen lässt - zumal sie inzwischen 80 bis 90 Euro, bei hochwertigem Hartholz sogar noch mehr, für den ofenfertigen Ster Brennholz hinblättern müssen.

Eine gewaltige Holzmenge

Würde man die Bäume und Äste zusammenwerfen, die in den 47 Kommunen in Stadt und Landkreis Rosenheim dienstlich von Bauhof-Mitarbeitern entfernt und gefällt werden, dann käme eine gewaltige Holzmenge zusammen. Was passiert eigentlich damit?

Bei größeren Stämmen und Holzmengen sind sich die Bürgermeister und Bauhofleiter einig: Hier kann keinesfalls "Eigenbedarf" angemeldet werden. Bei minderwertiger Qualität, die sich nicht gewinnbringend vermarkten lässt (zum Beispiel Astwerk und Prügelholz) sei es dagegen schon möglich, dass der eine oder andere Stapel auf dem Anhänger eines Mitarbeiters landet, heißt es vor allem in den kleineren Gemeinden. Allerdings nur unter der Bedingung, dass der Bauhof-Chef oder Bürgermeister damit einverstanden ist.

Das betonte auch das Rosenheimer Landratsamt auf Anfrage unserer Zeitung. Präzise Vorgaben der Gemeindeaufsicht zu dem Thema gebe es nicht. Wer aber dienstlich geschnittenes Holz ohne Erlaubnis von oben nach Hause schaffe, der befinde sich nicht nur auf dem sprichtwörtlichen Holzweg, sondern möglicherweise auch auf strafrechtlichem Terrain.

Ob sich der Verkauf von Holz rechnet, hängt auch von der Größe der Gemeinde ab. Als Faustregel gilt: Je größer die Kommune, umso größer die Holzmenge, umso größer die Wirtschaftlichkeit. So werden die Stämme des Baumpflegetrupps der Stadt Rosenheim per Lkw nach Österreich, zu einem Bauern oder zum Häckseln gebracht. Auch in Bad Aibling fährt man bei der Verwertung mehrgleisig: Größere Stämme werden über die Waldbesitzervereinigung versteigert, rund 200 Ster pro Jahr werden an die Bad Aiblinger Bürger verkauft.

Das Holz sozusagen gratis bekommen

Wenn Bäume auf öffentlichem Grund fallen, kann es in einer kleinen Kommune wie Babensham (2900 Einwohner) sogar sein, dass das Privatleute erledigen. So wie am TSV-Sportplatz. Dort haben die Fußballer mehrere große Bäume selbst umgelegt - und dafür das Holz sozusagen gratis bekommen. Eine Maßnahme, die sich auch aus Sicht des Steuerzahlers rechnet. Schließlich übertreffen die Arbeitskosten, die sich die Gemeinde gespart hat, die verpassten Holzeinnahmen deutlich. "Entscheidend muss immer die Kosten-Nutzen-Rechnung sein", sagt Babenshams Bürgermeister Josef Huber. Zudem betont er: "Wenn Geäst und Verschnitt im Garten eines Bauhofmitarbeiters landet, darf dies nicht während der Arbeitszeit geschehen."

Ein Thema ist die kommunale Holzverwertung auch in Riedering. "Wir haben noch keine Regelung, suchen aber danach", lässt Bürgermeister Josef Häusler auf Anfrage ausrichten.

30 Kilometer weiter im Süden steigt auch in der ähnlich großen Gemeinde Oberaudorf (knapp 5000 Einwohner) das Interesse am Holz. "Es wird genauer hingeschaut. Auch die Zahl der Bürger, die fragen, ob sie hier oder dort herumliegendes Holz mitnehmen dürfen, nimmt zu", sagt Geschäftsführer Michael Schmid. Was letztlich mit dem Holz geschieht, ist auch in Oberaudorf eine Frage der Wirtschaftlichkeit. Über die Verwertung entscheidet dort ein ehemaliger Staatsförster, ein Fachmann also.

Was das bisher nutzlose "Kleinzeug" betrifft, gibt es in Babensham und Oberaudorf möglicherweise schon bald neue Voraussetzungen. Beide Gemeinden liebäugeln nämlich mit einer Hackschnitzelanlage. Aufgrund der wachsenden Nachfrage könnten auch Lesescheine zum Holzeinsammeln in vielen Gemeinden bald wieder ein Thema sein, schätzt Schmid.

Ludwig Simeth (Oberbayerisches Volksblatt)

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