Pop gespielt auf dem Hackbrett

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Ein Höhepunkt war das Stück "Aufbruchsstimmung", das (von links) Stefan Korodi, Tilo Heinrich, Andi Reichhelm, Michael Fenzl und Heidi Martl spielten.

Prien - Zwölf der insgesamt 24 Lehrer der Musikschule haben sich im kleinen Kursaal in verschiedenen Formationen vorgestellt. Und die rund 200 Zuhörer waren sich darüber einig, dass jeder der Musiker gut und gerne ein abendfüllendes Konzert bestreiten könnte.

Die Lehrer hatten sich für diese Matinee zu recht ungewöhnlichen Ensembles zusammengetan. So war in einer Volksmusikgruppe neben einem Akkordeon (Brigitte Buckl), einem Hackbrett (Heidi Martl) und einer Tuba (Dominik Kurz) auch eine Okarina (Caroline Schmid) zu hören. Dieses seltene Instrument, eine irdene Gefäßflöte mit Schnabel, hatte um 1860 in Italien seinen Ursprung.

Außergewöhnlich war ebenso, dass Martl mit ihrem Hackbrett in einer Pop-Band zum Einsatz kam. Und auch die Formation aus Querflöte (Valentina Urli-Safaric) und Konzertgitarre (Manfred Mokros) war ziemlich ungewöhnlich. Die beiden spielten einen hinreißenden Tango des argentinischen Komponisten Piazolla, das anrührende "Besame Mucho" von Velazquez und "Entr' Act" aus Israel.

Unter die Haut ging das Cellospiel von Götz von der Bey. Er interpretierte Johann Sebastian Bachs "Ave Maria" unglaublich ausdrucksvoll, während ihn Rebecca Schöne einfühlsam am Klavier begleitete. Sehr viel temperamentvoller fiel der Czardas der beiden aus. Ungewöhnlich ist es auch, wenn sich Gitarre und Hackbrett im klassischen Sinne zusammenfinden. Buckl und Martl spielten ein anmutiges, tänzerisches Rondo von Nicolas Buchsa.

Bewegt hingegen war das "Allegro molto maestoso" aus dem Konzert in c-moll von Johann Christian Bach, das Romana Kemlein auf der Bratsche virtuos spielte, begleitet von Rebekka Thois am Klavier. Musikschulleiterin Buckl, die durch das Programm führte, erzählte den Zuhörern, dass Kemlein zweimal wöchentlich aus Salzburg komme, um in Prien zu unterrichten.

Über jeden Interpreten wusste Brigitte Buckl etwas zu berichten. So verriet sie, dass Valentina Urli-Safaric "der Liebe wegen" nach Prien gekommen sei. Vorher habe sie im Zagreber Staatsorchester Querflöte gespielt. Ebenso verriet die Musikschulleiterin, dass das Stück "Aufbruchsstimmung" mit Heidi Martl am Hackbrett, Stefan Korodi auf der Klarinette, Andi Reichhelm an der E-Gitarre, Tilo Heinrich am Schlagwerk und Michael Fenzl am Kontrabass aus dem Musiktheater "Pankraz von Freyberg" stamme. Reichhelm hatte es im Rahmen der Ausstellung "Adel in Bayern" komponiert.

Zum ersten Mal präsentierten sich die Musikschullehrer auch als Sänger.

Selbst eine persische Volksweise hatten Martl am Hackbrett, Reichhelm an der E-Gitarre und Heinrich am Schlagwerk für das Lehrerkonzert "ausgegraben". Damit versetzten sie die Zuhörer musikalisch an einen persischen Jahrmarkt. Während Rebecca Schöne und Rebekka Thois die Zuhörer mit ihrem vierhändigen Klavierspiel bei "En bateau" von Claude Debussy auf sanfte Weise verzauberten, gab sich das Jazz-Quartett, bestehend aus Rebekka Thois am Klavier, Michael Fenzl am Kontrabass, Tilo Heinrich am Schlagwerk und Andi Reichhelm an der E-Gitarre, lautstark. Nach dem "Unsquare Dance" von Dave Brubeck rissen sie die Zuhörer mit dem altbekannten "Take five", komponiert von Paul Desmond und populär gemacht von Dave Brubeck, zu Beifallsstürmen hin.

Und zum ersten Mal bei einem Lehrerkonzert zeigten vier Damen und drei Herren auch ihr gesangliches Können. Der A-cappella-Chor "Teacher's Voices" (Thois, Kemlien, Schöne, Buckl, Mokros, von der Bey und Heinrich) sang das bewegende "In this heart" von Sarah O'Connor und das humorvolle "Lass mich dein Badewasser schlürfen" der Vielharmoniker. Bei dem Klezmer-Stück "El haderech" wurden sie unterstützt von Buckl am Akkordeon und hinreißend von Korodi auf der Klarinette.

Gertie Falk (Chiemgau-Zeitung)

Zurück zur Übersicht: Chiemsee

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser