Geständnis aus Liebe?

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Prien/Rosenheim - Zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten ist jetzt ein 27-Jähriger vom Amtsgericht Rosenheim verurteilt worden. Er war mehrfach in das Haus eines wohlhabenden Prieners eingedrungen.

Der 27-Jährige hatte in dem Haus Geld und Schmuck gestohlen. Seine Lebensgefährtin war als Privatsekretärin bei dem 77-jährigen Opfer angestellt.

Die 45-jährige Vermögensberaterin hatte der betuchte Mann, der sein Geld in Amerika gemacht hat und in einem großen Haus in einem Priener Ortsteil unweit des Chiemsees lebt, über eine Stellenanzeige gefunden. Sie ist mit einem 27-Jährigen liiert, der wegen Drogendelikten von der Polizei gesucht wird.

Eines Tages bemerkt der Privatier, dass nicht nur seine wertvolle Rolex, sondern auch diverse Geldbeträge fehlen. Er beauftragt einen Rosenheimer Privatdetektiv, den Fall zu untersuchen. Dieser montiert am und im Haus Kameras mit Bewegungsmeldern. Im Dezember 2008 schnappt die Falle zu. Allerdings ist der im Film festgehaltene Dieb stark vermummt und nicht ohne Weiteres erkennbar.

Zwischenzeitig hat die Privatsekretärin ihre Anstellung wieder aufgegeben, weil sie sich durch die Avancen ihres Chefs zu sehr bedrängt fühlte. Nur wenige Tage später schlägt der Dieb wieder zu. Ganz genau weiß er, wo der Hausschlüssel verborgen ist und findet sogar den Ersatzschlüssel an anderer Stelle. Im Haus - so kann man auf dem Videofilm erkennen - geht er zielsicher auf die Schränke zu, wo Geldbeträge zu finden sind.

Der 77-Jährige erstattet Anzeige gegen seine ehemalige Sekretärin. In Berlin, wohin sie zwischenzeitig verzogen ist, werden sie und ihr Freund ausfindig gemacht. Der 27-jährige Ex-Junkie hängt inzwischen wieder an der Nadel. Er ist auch sofort geständig und bestätigt, im Dezember und Januar 2008/09 in das Haus eingedrungen zu sein. Auch vorher habe er den Geschädigten schon in dessen Haus heimgesucht.

Beim letzten seiner Raubzüge hatte der Eindringling den Hausherrn und dessen 50-jährige Lebensgefährtin geweckt. Die beiden behaupteten, der Eindringling sei eine Frau gewesen. Nun galt es heraus zu finden, ob nur er oder aber auch seine Freundin, die ehemalige Privatsekretärin, die Diebstähle begangen hatten.

Das Rosenheimer Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richterin Jacqueline Aßbichler hatte zur Identifikation des im Video festgehaltenen Diebes ein morphologisches Gutachten in Auftrag gegeben.

Am zweiten Verhandlungstag belegte der Gutachter unzweifelhaft, dass es sich bei dem dokumentierten Eindringling nicht um die ehemalige Privatsekretärin handeln konnte. Wegen des Geständnisses des Angeklagten, der inzwischen eine früher verhängte, andere Strafhaft verbüßt, musste ein weiterer Täter nicht gesucht werden.

Inwieweit die frühere Privatsekretärin bei den Taten ihres ehemaligen Freundes der Anstiftung oder der Mittäterschaft schuldig ist, konnte nur gemutmaßt, aber nicht bewiesen werden.

Folgerichtig beantragte der Staatsanwalt die Frau freizusprechen. Für den geständigen Dieb beantragte er dagegen drei Jahre und sechs Monate Strafhaft. Der Rechtsanwalt der 45-Jährigen stimmte ihm zu.

Rechtsanwalt Ralf Stange unterstrich die vollständige Geständigkeit seines Mandanten. Entgegen jeglicher Ganovenart habe er nicht versucht, Schuld auf die Frau abzuwälzen. Er hoffe aber, dass sein Mandant mit einer Strafe unter drei Jahren Gefängnis davon kommen möge, um ihm eine Perspektive nach einer angestrebten Drogentherapie zu ermöglichen.

Das Gericht hielt eine Strafe von zwei Jahren und zehn Monaten für angemessen. Die Frau wurde freigesprochen. "Dass Sie", so die Richterin in ihrem Urteil, "bei den Taten des Mannes beteiligt oder Tipp gebend waren, lässt sich hier nicht nachweisen, wenn es auch naheliegend ist. Warum er alles alleine auf sich genommen hat? Wer weiß es? Vielleicht war es Liebe?"

au/Chiemgau-Zeitung

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