Gesucht: Ein Weg zum Kreisverkehr

Bernau - Die Bürger in Weisham lassen nicht locker: Nach wie vor fordern sie einen Kreisverkehr auf der stark frequentierten Staatsstraße 2092 von Prien nach Bernau.

Einmal mehr haben sie ihrem Anliegen in der Bürgerversammlung am Montag im Landgasthof Hittenkirchen Nachdruck verliehen. In der Diskussion gab Holger Paulus, der Sprecher einer Bürgerinitiative (BI) in Weisham, unmissverständlich zu verstehen: "Wir wollen einen Kreisverkehr haben."

Wenn die Familien mit den Rädern zum Chiemsee hinunterstrampeln, wenn die Bauern mit den Traktoren auf ihre Felder am Ufer fahren, dann müssen sie alle die Staatsstraße 2092 an einer unübersichtlichen Stelle hinter einer Kurve überqueren. Große Gefahren lauern, schwere Unfälle sind schon passiert. Seit Jahren sehen die Bürger und Landwirte in Weisham und Hittenkirchen nur einen Weg, der ihnen ein sicheres überqueren der Straße ermöglicht: Sie werden nimmermüde, einen Kreisverkehr zu fordern. Zuletzt haben sie sich zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen. Bislang jedoch finden sie im Straßenbauamt Rosenheim kein Gehör. Und nur diese staatliche Behörde kann etwas auf der Staatsstraße in die Wege leiten.

Bürgermeister Klaus Daiber sagte, dass Claus-Peter Olk, der Leiter der Behörde, auf Wunsch der Gemeinde zugesagt habe, bis September oder Oktober eine Planung für einen Kreisverkehr zu erstellen. Aber Olk habe zu erkennen gegeben, dass keine rechtliche Verpflichtung vorliege, diesen Weg dann auch tatsächlich einzuschlagen. Olk habe auch angekündigt, den Ort zu besichtigen.

Hartl Hinterholzer - der Kreisrat der Grünen engagiert sich in der BI - kritisierte, dass von der Gemeinde keine Unterstützung komme. "Ich weiß nicht, was wir noch alles machen sollen, damit unser Wunsch endlich auch in Bernau ankommt."

"Positiv" ist nach Ansicht von Holger Paulus, dass sich Olk die Lage an Ort und Stelle anschauen wolle. Er sollte aber im August kommen - dann, wenn in der Hauptreisezeit besonders viel Verkehr auf der Straße sei und ein überqueren fast nicht mehr möglich sei.

Sepp Scheck - auch er engagiert sich in der BI - betonte, dass "die Gemeinde dahinterstehen muss". Er verstand nicht, dass Straßenbaulastträger wie der Landkreis so viele Kreisverkehre anlegen, in Weisham jedoch abblocken. Vor allem auch viele Kinder seien gefährdet. Scheck hielt einen Kreisel für unumgänglich, er wäre die "optimale Lösung". Alle anderen Baumaßnahmen, die im Gespräch seien, seien nicht ausreichend. "Eine Querungshilfe ist herausgeschmissenes Geld", sagte er.

Hans Logins regte an, vielleicht auch eine Ampel in Erwägung zu ziehen - was jedoch, so der Tenor dann, einen hohen Aufwand bedeuten würde. Denn, so Scheck, die Einsicht der Autofahrer, die von Prien kommen, wäre zu kurz. Die Folge: Im Vorfeld müsste eine zweite Ampel - eine "Vorschaltampel - angebracht werden.

Auch Jürgen Martin ist der Ansicht, dass etwas geschehen müsse. Er will, wie er sagte, eine "filmische Beobachtung machen" und sich mit seiner Kamera an die Staatsstraße stellen.

Bürgermeister Daiber teilte mit, dass die Gemeinde noch keinen Kreisverkehr beantragt habe. "Wir brauchen jetzt erst einmal die Planunterlagen." Abzuwarten sei auch das Ergebnis der Ortsbesichtigung des Leiters des Straßenbauamtes. Womöglich sei dann auch einmal eine Verkehrszählung nötig - wobei laut Daiber zu beachten ist, dass in den einzelnen Monaten nicht immer gleich viele Fahrzeuge auf der Staatsstraße unterwegs sind und auch nicht immer gleich viele Fußgänger und Radfahrer sie queren wollen.

Der Rathauschef sagte, dass er im Gemeinderat noch keine Abstimmng über das Anliegen in Weisham herbeigeführt habe. Doch für den Kreisverkehr käme eine Mehrheit zustande. Wenn das Straßenbauamt signalisiere, in diese Richtung zu gehen, dann erhalte die Behörde die Unterstützung der Gemeinde. Der Weg zum Kreisel, so Daiber, "kann aber noch lange und steinig werden".

Der Bürgermeister ließ keinen Zweifel daran, dass der Staat, wenn er tatsächlich in diese Richtung geht, die Gemeinde auch finanziell mit in die Pflicht nehmen würde. Zum einen müsste die Kommune dann zunächst einmal den Grund, der für den Kreisel erforderlich wäre, erwerben - "was aber das Problem nicht sein würde". Und zum anderen müsste sich die Gemeinde auch an den Baukosten beteiligen, die grob geschätzt wohl rund 400000 Euro betragen. pü

Rubriklistenbild: © dpa

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