"Gib immer hundert Prozent"

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Der ehemalige Profi-Basketballtrainer Christian Bischoff zog Schüler und Lehrer gleichermaßen in seinen Bann. Disziplin, Willenskraft, Stehvermögen und Selbstbewusstsein seien entscheidend, so Bischoff, wenn es um die erfolgreiche Umsetzung eigener Talente und das Glück gehe. Selbst nach Unterrichtsschluss suchten Schüler noch das Gespräch mit dem umgänglichen Erfolgsstrainer, der in der Jugend gemeinsam mit Dirk Nowitzki Basketball gespielt hatte.

Prien - Es sei heute wissenschaftlich erwiesen, dass jeder Mensch über drei bis fünf Stärken verfügt, sagt Christian Bischoff. Und dann schüttet er vor den erstaunten Schülern eine Wasserflasche aus.

In einem weiteren Versuch fängt er dann das Wasser mit einem Glas auf. "Das kostbare Wasser steht für eure Talente, man kann sie verschwenden oder sinnvoll nutzen."

Der 33-Jährige bezeichnet sich selber als "Lebenstrainer". Dieser Tage hielt er außergewöhnliche Vorträge in der Realschule in Prien. Wortgewaltig, gestenreich und unterhaltsam vermittelte er den Schülern, wie sie ihr Leben am besten angehen sollten. Sein Thema war gleichsam eine Aufforderung: "Mach den positiven Unterschied". Bischoffs Überzeugung: "Glück ist eine Entscheidung, die du selbst für dich triffst."

Bevor der 33-jährige diplomierte Kaufmann, Unternehmensberater und Buchautor vor gut zwei Jahren seine bundesweite Vortragstätigkeit startete - heuer hält er insgesamt 300 Vorträge, unter anderem vor rund 75000 Schülern -, hatte er als Leistungssportler und Profi-Basketballtrainer für Furore gesorgt. Bundesliga-Debüt mit 16 Jahren, 50 Junioren-Länderspiele, mit 25 Jahren einer der jüngsten Bundesliga-Coaches. Der mehrmalige "Trainer des Jahres" bildete zudem hunderte von Trainern aus. Seine Wahlheimat ist der Chiemgau.

Auch die Neunt- und Zehntklassler begeisterte der "Lebenstrainer" in seinem eineinhalbstündigen Vortrag. Mit seinem Fachwissen, seiner Überzeugungskraft und seinem Humor gewann Bischoff - ein baumlanger Mann mit einem roten Stirnband - in der vollbesetzten Turnhalle schnell die Aufmerksamkeit und die Sympathien der Schüler. Die immer wieder eingespielte Pop-Musik motivierte zusätzlich.

"Wie komme ich im Leben weiter?" Diese Frage stellte Bischoff am Anfang. Talent allein reiche nicht aus, so der ehemalige Leistungssportler, es komme vielmehr darauf an, "daraus auch Können zu machen". Selbstdisziplin sei entscheidend für das Leben, den Charakter und die Persönlichkeitsentwicklung. Deshalb stelle die Disziplin auch "den stabilen Boden meiner aus zehn Bausteinen des Lebens bestehenden 'Mach-den-positiven-Unterschied-Pyramide'" dar, so Bischoff. Disziplin bedeute nicht Anbiederung oder Unterwerfung, sondern, "dich auf das zu konzentrieren, was du tun willst und dich voranbringt".

"Unser damaliger Jugendtrainer", so Bischoff, habe den heutigen NBA-Star Dirk Nowitzki einst als "faul" bezeichnet und ihm bestenfalls eine Bundesliga-Karriere prophezeit. "Dirk hat dann viel härter und disziplinierter als wir gearbeitet, das Ergebnis ist bekannt", fuhr Bischoff fort. Nowitzki habe sich Prioritäten gesetzt und bei der Verwirklichung seiner selbstgesteckten Ziele sein Bestes gegeben - drei weitere Bausteine des Lebens.

Vieles im Leben sei auch eine Frage der mentalen Stärke. So "dürft ihr keine Angst vor Neuem haben", denn man wachse an seinen Aufgaben. Selbstbewusstsein, ja auch die Fähigkeit, sich zu konzentrieren, zeige sich schon daran, ob der "Blickkontakt zum Gesprächspartner gesucht wird. Beobachtet das einmal genau".

Ein latentes gesellschaftliches Problem, auch an den Schulen, ist Bischoff zufolge, dass man zu früh keine Fehler mehr machen dürfe. "Du musst aber Fehler machen, um dann daraus zu lernen. Ein Baby fällt im Schnitt 275 Mal hin, bis es laufen kann."

An der dargestellten Pyramidenspitze thront der Lebensbaustein "Glück". Das müsse man sich hart erarbeiten, so Bischoff. Glück und Erfolg würden aber auch vom "richtigen Umfeld" abhängen. Es sei besser, den Kontakt zu lebensfrohen, lern- und leistungsbereiten Mitmenschen zu suchen, als zu jenen, "die ständig alles schlecht reden, nur auf ihr Aussehen achten und euch mit ihrer 'Chiller-Mentalität' mit runterziehen", so Bischoff. Das Aussehen sei nicht wichtig - und aus diesem Grund habe er sich auch kein besonders schönes Stirnband als Markenzeichen ausgesucht.

Mit Eimer und Schöpflöffel demonstrierte Bischoff dann die zwischenmenschlichen Beziehungen. "Ihr dürft nicht vergessen, auch die Eimer anderer mittels Lob, Dank und Respekt zu füllen, leert ihr sie, schadet ihr euch am Ende selbst. Merkt euch, nur wenn die Eimer überlaufen, könnt ihr euer volles Potential ausschöpfen", so der Mentaltrainer. Dies ließ der passionierte Marathonläufer Schüler und Lehrer - freilich ohne Wasser - gleich einmal ausprobieren.

Zum Ende zeigte Bischoff einen Videofilm über das glückliche Leben eines seit Geburt schwer körperbehinderten Mannes ohne Arme und Beine. Mit Fleiß und grenzenlosem Optimismus habe er seine Ziele verfolgt. So stehe er sinnbildlich dafür, dass "du immer wieder aufstehen musst, wenn du hinfällst". Bischoff riet den Schülern: "Gebt immer 100 Prozent, aber vergleicht euch nicht ständig mit Besseren, denn dies macht schnell unglücklich."

Neben Schülern und Lehrern zeigte sich auch Schulleiter Karl Lau vom dritten Bischoff-Vortrag des Tages positiv überrascht. Insbesondere dessen Fähigkeit, "junge Menschen zu inspirieren, mitzureißen, sie kurz loszulassen und sogleich wieder einzufangen", habe ihm imponiert. Die Hoffnung sei, so Lau, dass "unsere Schüler auch langfristig von diesem auf die Schule zugeschnittenen Vortrag profitieren werden."

Markus Müller (Chiemgau-Zeitung)

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