Gnadl zieht sich aus Kommunalpolitik zurück

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Franz Gnadl kündigte jetzt seinen Rückzug aus der Kommunalpolitik an.

Übersee - Nach mehr als 20-jährigem Engagement will sich Franz Gnadl aus der Kommunalpolitik zurückziehen. Das kündigte der 51-Jährige nun an.

Der 51-Jährige kündigte im Rahmen des Kommunalpolitischen Stammtisches des SPD-Ortsvereins Übersee-Feldwies seinen Rückzug an. Berufliche und gesundheitliche Gründe hätten ihm zu diesem Schritt bewogen, erklärte Gnadl. Seinen Posten als SPD-Vorsitzender will er zunächst beibehalten; auch sein Mandat im Kreistag wird Gnadl bis zur nächsten Wahl ausüben. Der Gemeinderat entscheidet am Donnerstag in seiner Sitzung über den Antrag.

Franz Gnadl ist seit 1990 Mitglied der SPD Übersee-Feldwies. Im Sommer des gleichen Jahres übernahm er erstmals den Vorsitz des Ortsvereins. Nach einer erfolglosen Kandidatur 1996 wurde Gnadl sechs Jahre später zum Bürgermeister der Chiemseegemeinde gewählt. Nach seiner Abwahl 2008 hatte der SPD-Politiker für den Bayerischen Landtag kandidiert und im Landkreis ein sehr gutes Wahlergebnis erzielt.

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Bürgerwirtshaus im Fadenkreuz

Im vergangenen Jahr übernahm der Überseer erneut das Amt des SPD-Ortsvorsitzenden. In der Versammlung nahm Gnadl auch Stellung zu den Irrungen und Wirrungen rund um das Wirtshaus „D'Feldwies“. „Auch wenn es Kräfte in Übersee gibt, die versuchen, es anders darzustellen – ich habe mir nichts vorzuwerfen“, lautete sein Resümee. Anhand von Protokollen der sogenannten Baustellen-Besprechungen stellte der SPD-Politiker klar, dass bei den Umbauarbeiten in den Jahren 2003 und 2004 nach den seinerzeit geltenden Brandschutzplänen gearbeitet wurde und der TÜV von der Konzeptgruppe „Gasthaus Feldwies“ mit der Überprüfung der Maßnahmen beauftragt war. „Die aktuell gültige Brandschutz-Verordnung ist erst im Jahr 2008 in Kraft getreten. Hätte es damals gravierende Mängel bezüglich des Brandschutzes gegeben, wäre von Seiten des Landratsamtes kein grünes Licht für die Eröffnung und den Betrieb des Wirtshauses gekommen“, erläuterte der ehemalige Überseer Bürgermeister.

Er räumte jedoch ein, dass die Endabnahme durch die Traunsteiner Aufsichtsbehörde nicht erfolgt sei, da kleinere Arbeiten zu dieser Zeit noch nicht abgeschlossen waren: „Das sind die Kleinigkeiten, die jetzt moniert und in der Öffentlichkeit aufgebauscht werden.“ Den Baustellen-Besprechungen, die wöchentlich stattfanden, gehörten laut Gnadl stets mindestens zwei Handwerksmeister an; darüber hinaus wurde die Brandschutzanlage in Absprache mit dem Brandschutzexperten des Landratsamtes Traunstein installiert. Eine haftbare Bauleitung gebe es indes nicht, da sich der Gemeinderat seinerzeit aus Kostengründen gegen einen professionellen Bauleiter ausgesprochen habe.

Der ehemalige Bürgermeister begrüßte die Entscheidung des Überseer Gemeinderats, den Bayerischen kommunalen Prüfungsverband einzuschalten: „Dann wird sich herausstellen, dass damals alles mit rechten Dingen, nach bestem Wissen und Gewissen abgelaufen ist.“

Nachdrücklich lobte Gnadl noch einmal die Leistung und den Einsatz der zahllosen freiwilligen Helfer bei der Instandsetzung des Wirtshauses. „Ohne sie wäre es niemals möglich gewesen, das Gasthaus so preiswert instand zu setzen und somit ein einzigartiges Schmuckstück und einen riesigen Wert für die Gemeinde zu schaffen.“ Der Ex-Rathauschef habe das Überseer Kommunalparlament auch stets über die Kostenentwicklung bei der Sanierung des Gasthauses informiert. „Der Gemeinderat hat immer gewusst, wie viel Geld das Wirtshaus kostet“, betonte Gnadl. Um die Fördermittel in Höhe von 230.000 Euro habe er bis zum Ende seiner Amtszeit mit der Regierung von Oberbayern gerungen. „Ich habe den Gemeinderat aber immer wieder darauf hingewiesen, dass dieser Zuschuss noch nicht endgültig bewilligt ist und unter Umständen gar nicht fließt, weil die Regierung das Wirtshaus als rentierliches Objekt eingestuft hat, das sich selbst tragen muss.“ Auch bei der Übergabe der Amtsgeschäfte an seinen Nachfolger Marc Nitschke hatte Gnadl auf den Umstand sowie auf den nicht kompletten Brandschutz hingewiesen. „Das Thema stand dann aber erst über ein Jahr später wieder im Gemeinderat auf der Tagesordnung. Und inzwischen sind fast drei Jahre verstrichen, ohne das diesbezüglich viel unternommen worden wäre.“

Zu guter Letzt monierte Franz Gnadl den politischen Umgang in Übersee. „Hier geht es nicht mehr um den Ort, sondern um die Macht. Das hat mit Politik, wie ich sie verstehe und seit 20 Jahren praktiziere, nichts mehr zu tun.“

Pressemitteilung Übersee-SPD

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