LKZ: Bei Google auf Platz eins

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Das Logistik-Kompetenz-Zentrum ist seit Jahren praktisch voll ausgelastet, derzeit mit 14 Firmen und dem Fraunhofer Institut als wissenschaftlichem Partner.

Prien (CH-Z) - Wer in der Internet-Suchmaschine Google das Stichwort "Logistik-Kompetenz" eingibt, der findet auf Platz eins und zwei der Treffer das Logistik-Kompetenz-Zentrum (LKZ) Prien.

Ein besseres Zeugnis für die Referenzen der Ideenschmiede kann es kaum geben. Im Marktgemeinderat stellte Geschäftsführer Karl Fischer die Arbeit und das Zentrum vor.

14 Firmen mit 63 Mitarbeitern sind derzeit im LKZ angesiedelt, mit 15 weiteren Unternehmen arbeitet es "virtuell" eng zusammen. Wissenschaftlich begleitet werden die Experten der einzelnen Unternehmen im LKZ vom Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik (IML).

Der Ansatz klingt einfach: alle Beteiligten einer logistischen Kette (also praktisch vom Hersteller über den Transporteur bis zum Verkäufer eines Produkts) an einen Tisch holen, um Prozesse zu konzipieren oder zu optimieren.

Mit diesem Ansatz hat sich das LKZ seit der Gründung 1998 international einen Namen gemacht, ist beispielsweise Gutachter für das Bundesverkehrsministerium und arbeitet unter anderem im Auftrag der europäischen Raumfahrtbehörde an einem Sicherheitskonzept für Gefahrgüter.

Für die Gemeinderäte war vor allem auch die wirtschaftliche Situation von Interesse, schließlich ist der Markt Prien mit fast 50 Prozent am LKZ beteiligt, was einer 300000-Euro-Einlage im Stammkapital von 602000 Euro entspricht. Es war vor Jahren deutlich aufgestockt worden, um bei der Bewerbung für Großprojekte mit europäischer Förderung einen soliden finanziellen Hintergrund gewährleisten zu können.

Einen ebenso großen Anteil wie Prien hält der Landkreis Rosenheim, eine kleine Beteiligung entfällt auf die Industrie- und Handelskammer (IHK) München-Oberbayern.

Rund 2,5 Millionen Euro waren seinerzeit von der Gemeinde in den Bau investiert worden. Ein Teil konnte über Zuschüsse bezahlt werden, umgerechnet gut 1,57 Millionen Euro wurden über ein Darlehen gedeckt. Das ist laut Fischer inzwischen bis auf 440000 Euro abgezahlt, bis Ende 2013 soll auch der Rest getilgt sein.

Bisher hat das LKZ insgesamt nach Angaben des Geschäftsführers einen Umsatz von 7,7 Millionen Euro erzielt, 60 Prozent davon werden inzwischen im Ausland erwirtschaftet. Allein im Jahr 2009 wurde Fischer zufolge ein Umsatz von etwas über einer Million Euro erzielt, was ein positives Jahresergebnis von 30000 Euro nach sich zog. Vom Überschuss von 80000 Euro seien 50000 für den Schuldendienst, also die Abzahlung des Baudarlehens, an die Gemeinde abgeführt worden.

Haupteinnahmequelle sind die vielseitigen Projekte und die Mieten, die von den Firmen im Haus an die Träger-GmbH gezahlt werden. Das Gebäude sei seit Jahren kontinuierlich zu über 98 Prozent ausgelastet - im Gegensatz zu anderen Technologiezentren verschiedener Branchen im Freistaat.

Das LKZ besetzt mit seiner vielschichtigen Arbeit acht sogenannte Kompetenzfelder - vom Gütertransport bis zum Tourismus. Ein Spezialgebiet, in dem sich das Zentrum Anerkennung verschafft hat, sind mehrere Projekte zur Verlagerung des Güterverkehrs über die Alpen von der Straße auf die Schiene - zum Beispiel die deutlichen Verkürzung der Fahrzeit von Zügen zwischen München und Verona oder mit dem "Adriazug", der 15 Regionen durchquert.

Aber auch für die Region arbeitet das LKZ an neuen Konzepten, unter anderem an "individuellen ortsbezogenen Verkehrsdienstleistungen für ältere Menschen" oder an den Grundlagen für den Antrag, mit dem Herrenchiemsee im Verbund mit anderen Schlössern zum Weltkulturerbe erhoben werden soll. Auch in die neue Priener Bürgerwerkstatt, die sich ab 11. Januar mit Ideen zur Verkehrsberuhigung beschäftigen wird, soll das Zentrum eingebunden werden.

Für die weitere Entwicklung ist Fischer optimistisch. Zum einen sei Logistik mit einem Anteil von acht Prozent am deutschen Bruttoinlandsprodukt ohnehin die drittgrößte Branche im Land und schon deshalb zukunftsträchtig. Zum anderen könne das LKZ von der Wirtschaftskrise profitieren, denn gerade in Zeiten extremer Konjunkturschwankungen hätten Unternehmen einen großen Beratungsbedarf, um logistische Strukturen anzupassen und wirtschaftlich effizienter zu gestalten.

db/Chiemgau-Zeitung

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