Einheimischenmodell, Verkehrsproblematiken und das alte Schulhaus

Rege Diskussion mit Bürgern über aktuelle Themen 

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Die Umgestaltung und zukünftige Nutzung des unter Denkmalschutz stehenden alten Schulhauses in Erlstätt (rechts der Anbau, der weggerissen werden soll und in dem sich der Pfarrsaal befindet, wo auch die Versammlung stattfand) bewegt seit Jahren die Gemüter der Erlstätter Bürger. 2. Bürgermeister Robert Muggenhamer gab nun am Ende der Info- und Diskussionsveranstaltung der Bürgergruppe einen kurzen Sachstandbericht ab.

Grabenstätt - Räte der Bürgergruppe diskutierten mit den Erlstätter Bürgern über das modifizierte Einheimischenmodell, Baugründe, Verkehrsproblematiken und das alte Schulhaus:

„Bauland für Einheimische ist für uns ein ganz wichtiger Punkt“, meinte der Erlstätter Gemeinderat Gerhard Wirnshofer in der öffentlichen Info- und Diskussionsveranstaltung der Bürgergruppe im Pfarrsaal. Den im Frühjahr im Gemeinderat verabschiedeten Kriterienkatalog zur Vergabe von Baugrundstücken für den einheimischen Bedarf habe man bestmöglich ausgestaltet, um Einheimischen und jungen Familien zu einem Grundstück zu verhelfen. Die Richtlinien orientieren sich am Leitlinienkompromiss, der zwischen der EU-Kommission, dem Bund, dem Land und den kommunalen Spitzenverbänden ausgehandelt wurde. Wirnshofer verwies in dem Zusammenhang auch auf das Baugebiet mit 18 Bauparzellen (davon 14 im Gemeindeeigentum) an der Erlstätter Straße in Grabenstätt, deren Erschließung schon weit fortgeschritten sei. Entgegen anders lautenden Gerüchten sei dort „noch nichts vergeben“, stellte er klar. „Es gibt in Kürze eine öffentliche Ausschreibung und dann folgt wohl im Frühjahr die Vergabe“, so Wirnshofer. 

Was das geplante Baugebiet mit vier Bauparzellen in Bergen bei Erlstätt anbelange, sei man guter Dinge, dass man dort 2019 erschließe und auch noch vergeben werde. Bürger Klaus Mitterer wunderte sich, dass die Gemeinde dort nicht gleich deutlich mehr als die besagten vier Parzellen ausweise. „Da würden acht oder zehn Häuser hinpassen, warum kann man da nicht raufbauen“, fragte Mitterer. Er spielte damit auf das nach Osten hin ansteigende Gelände an, das dem zuständigen Architekten Henry Scholtysik, bei der Planvorstellung im März im Gemeinderat „Kopfzerbrechen“ bereitet hatte. „Wir müssen alles dafür tun, dass wir unsere jungen Leute bei uns halten können“, mahnte Wirnshofer an. In Zukunft seien dafür noch mehr Anstrengungen nötig, war man sich einig. 

Baumaßnahmen für Ampelanlage an der Kreisstraße TS3 werden umgesetzt 

Auch die in Erlstätt an der Kreisstraße TS3 auf Höhe des Zebrastreifens beim Gasthof Fliegl geplante Ampelanlage kam zur Sprache. In der Vergangenheit waren alle Anträge der Gemeinde ins Leere gelaufen, doch nun wird die Baumaßnahme zur Freude der Bürger endlich umgesetzt. Ob es allerdings schon im kommenden Frühjahr soweit sein wird, ist fraglich, denn die Maßnahme sei mit der im Grabenstätter Ortszentrum geplanten Ampelanlage gekoppelt, betonte Wirnshofer und erklärte dies unter anderem mit finanziellen Synergieeffekten. 

Falls es zu weiteren Verzögerungen kommen sollte, bestünde die Möglichkeit, die Erlstätter Ampel davon abzukoppeln, so Wirnshofer. Bürger Martin Brunnhuber machte sich für eine sofortige Abkopplung stark und appellierte an die Bürgergruppe, dazu zeitnah einen entsprechenden Antrag zu stellen. Dieser Vorschlag stieß auf breite Zustimmung. 

Da dort am südlichen Erlstätter Ortseingang viel zu schnell gefahren werde, machte sich Bürger Helmut Vordermayer für eine Versetzung des Ortseingangsschildes und die Schaffung von verkehrsberuhigenden Fahrbahnteilern stark. „Bei der Verkehrsberuhigung sind wir ein Entwicklungsland“, gab Bürger Günther Klauser junior zu bedenken. Auf die Frage, warum ausgerechnet ein Planungsbüro aus Essen für die Ampelplanung zuständig sei, meinte 2. Bürgermeister Robert Muggenhamer, dass die Zahl der darauf spezialisierten Fachbüros in Deutschland begrenzt sei. 

Querungshilfe an der Kreisstraße TS54

„Man muss die Bürger einfach mehr mitnehmen und regelmäßig informieren“, mahnte Helmut Vordermayer an, der sich vor einem Jahr in der Erlstätter Bürgerversammlung unter anderem für deutliche Verbesserungen der Verkehrssicherheit an der Kreisstraße TS54 im westlichen Erlstätter Ortsgebiet (zwischen der Ortsmitte und dem Gewerbegebiet/Gemeindekindergarten) ausgesprochen hatte, da das Queren für Fußgänger und insbesondere für Kinder und Senioren dort lebensgefährlich sei. Südlich des Kreuzungsbereichs Kreisstraße TS 54/Raiffeisenstraße/Innerlohener Straße wird den Fußgängern in Zukunft eine Querungshilfe zur Verfügung stehen. 

Ein Ärgernis sei es, so Vordermayer, dass der dringend benötigte Radweglückenschluss zwischen Erlstätt und Tettenmoos an der Kreisstraße TS3 (Erlstätt –Grabenstätt) seit Jahren wegen ungelöster Grundstücksverhandlungen des Landkreises mit einem Bürger auf Eis liege. Gerade radelnde Kinder seien dort in absoluter Lebensgefahr, meinte er. Bevor schwere Unfälle passieren, sollten der Landrat und Bürgermeister die Problematik „zur Chefsache machen“, forderte Vordermayer. 

Eine Enteignung komme für ihn aber nicht infrage, dafür aber die Gründung einer Interessensgemeinschaft. Wirnshofer erinnerte daran, dass der besagte Radweg nur in Kombination mit dem südlich von Erlstätt geplanten Kreisverkehr umgesetzt werde. „Bei uns geht es immer nicht“, ärgerte sich Gemeinderat Franz Kreiler über die Ergebnisse der regelmäßigen Verkehrsschauen hinsichtlich der von den Bürgern geforderten Geschwindigkeitsbegrenzungen in Kraimoos und Tettenmoos. Er wünsche sich, dass man als Gemeinderäte auch stets dazu eingeladen werde. Brigitte Schiel sprach an diesem Abend von „Stillstand“, an dem die Erlstätter Räte aber nicht schuld seien. 

Pläne für altes Erlstätter Schulhaus 

Über den aktuellen Stand der Planungen zur zukünftigen Nutzung und Umgestaltung des unter Denkmalschutz stehenden alten Erlstätter Schulhauses informierte 2. Bürgermeister Muggenhamer. „Es ist mittlerweile einiges gelaufen, allerdings im Verborgenen“, betonte Muggenhamer und verwies auf die Abstimmungen mit der Regierung von Oberbayern und dem Landesamt für Denkmalpflege. Lobend erwähnte er den Arbeitskreis, in dem auch die Vereine ihre Wünsche zum Ausdruck gebracht hätten. Um das Gebäude barrierefrei zu machen, habe man ursprünglich an der Nordseite außen einen Aufzug aus Stahl und Glas ins Auge gefasst, was aber beim Denkmalamt auf Widerstand gestoßen und dann wieder verworfen worden sei, so Muggenhamer. 

Geplant sei an der Nordseite auch ein Eingang. Im Erdgeschoss soll die Pfarrei Erlstätt mit dem Pfarrsaal und Pfarrbüro unterkommen, im ersten Obergeschoss seien unter anderem ein Raum für die EKP-Gruppe und die Jugend vorgesehen und im zweiten Obergeschoss sollen Räumlichkeiten und Versammlungsmöglichkeiten für die Erlstätter Ortsvereine entstehen. Fest steht, dass der Anbau aus den 1960er Jahren weggerissen wird. 

Wirnshofer appellierte an die Bürger, sich auch in der Bürgerversammlung am Dienstag, 20. November, um 19.30 Uhr im Gasthof Fliegl in Erlstätt mit ihren Anliegen zu Wort zu melden.

mmü

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