Landwirt musste 30 Ballen Gras vernichten

Giftiges Wasser-Kreuzkraut bereitet Grabenstätter Bauern Sorgen

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Johann Staltmayr (ganz rechts bzw. Zweiter von rechts) vom Erzeugerring für Pflanzenbau Südbayern erläuterte bei einem Ortstermin den besorgten Grabenstätter Bauern, was sie gegen das sich ausbreitende giftige Wasser-Kreuzkraut tun können.

Grabenstätt - Während den Landwirten in vielen Regionen Deutschlands seit Monaten die extreme Trockenheit zu schaffen macht, treibt viele Chiemgauer Bauer eine ganz andere Sorge um – Das vermehrte Auftreten des giftigen Wasser-Kreuzkrauts. Im Vorjahr wurde sein Vorkommen auch erstmals auf einer Wiese östlich von Grabenstätt festgestellt.

Die feuchtigkeitsliebende krautige Pflanze kann Wuchshöhen von 15 bis 80 Zentimetern erreichen und schaut mit ihren gelben Blüten alles andere als gefährlich aus, doch der Schein trügt. Kreuzkräuter, auch Greiskräuter genannt, enthalten nämlich für Tier und Mensch giftige Inhaltsstoffe, sogenannte Pyrrolizidinalkaloide (PA), in hoher Konzentration. Das Wasser-Kreuzkraut ist sowohl beim Verzehr als auch bei Hautkontakt giftig. Wie Johann Staltmayr vom Erzeugerring für Pflanzenbau Südbayern bei einem Ortstermin in Grabenstätt im Beisein zahlreicher Bauern und interessierter Bürger mitteilte, könnten diese Pyrrolizidinalkaloide beim Abbau in der Leber zu irreversiblen Leberschäden führen. „Wenn sie eine Woche jeden Tag einen Wasser-Kreuzkraut-Tee trinken, ist ihre Leber für immer erledigt, dass schaffen sie mit Schnaps nicht so schnell“, betonte Staltmayr mit einem Augenzwinkern. 

Weidetiere würden die Aufnahme von Kreuzkräutern – von denen es allein in Bayern 17 verschiedene Arten gibt – zwar wegen der Bitterstoffe meiden, diese gingen aber bei der Futterkonservierung in Heu oder Silagen weitgehend verloren, während die PA-Giftstoffe kaum reduziert würden, so Staltmayr. Neben der Vergiftungsgefahr für Pferde und Rinder bestehe zudem das Risiko, dass die besagten PA-Giftstoffe in die Lebensmittelkette gelangen.

Landwirt musste über 30 Ballen mit Gras entsorgen

Der Grabenstätter Landwirt Hans Stefanutti, der eine besonders betroffene Wiese des Wasserbeschaffungsverbandes Grabenstätt bewirtschaftet, hat den letzten Schnitt in rund 30 Ballen pressen lassen, um das verunreinigte Gras zu entsorgen. Die Gefahr, dass seine Rinder nach dem Verzehr erkranken, ist ihm zu groß. „Die Fahrtkosten zum Entsorger in Burgkirchen muss ich selbst tragen, aber zumindest die Entsorgung zahlt das Landratsamt“, so Stefanutti. Auf die Frage der anwesenden Bauern, was sie gegen eine weitere Verbreitung des giftigen Wiesen-„Unkrauts“ machen könnten, meinte Staltmayr, dass es kein Allheilmittel gebe, das zu sofortigen Erfolgen führe. Was aber helfe, sei das Ausstechen der Pflanze samt Wurzeln. Zudem könnte man einer weiteren Vermehrung durch häufiges Mähen entgegenwirken und indem man die Grasnarbe durch das Ansäen von speziellen Gräsern verdichtet. Das Wegbrennen mit Odel sei auch eine Möglichkeit, während das Düngen mit Stickstoff speziell beim Wasser-Kreuzkraut nichts bringe, so Staltmayr. 

Beim Phosphat sehe es wieder etwas anders aus. „Da es sich um das Wassereinzugsgebiet unserer Quelle handelt, müssen wir aber aufpassen, dass nichts ins Wasser gelangt“, warnte der Vorsitzende des Wasserbeschaffungsverbandes Grabenstätt Karl-Heinz Austermayer. So sei auch eine großflächige Bodenöffnung durch Umackern im besagten Gebiet zwischen Grabenstätt und Tüttensee nicht erlaubt. „Man sieht schon, ein Baustein bringt uns nicht weiter, wir brauchen viele Bausteine und müssen jedes Jahr einen kleinen Schritt machen, damit es wieder besser wird“, resümierte Landwirtschaftsmeister Staltmayr und brachte noch die Verdunklung durch Mulch des letzten Schnittes ins Spiel. Dies sollte aber nicht vor Ende Oktober/Anfang November geschehen. Bis zum 1. Juni könnten die betroffenen Wiesen bedenkenlos geerntet werden, versicherte der Experte. Dass sich das Wasserkreuzkraut immer mehr ausbreitet, führt Staltmayr auch auf den Klimawandel zurück. 

mmü

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