Unternehmen will "innovativer" werden

Entlassungswelle bei Fossil in Grabenstätt: "Es war ein Schock"

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Gut 40 Mitarbeitern bei Fossil in Grabenstätt wurde gekündigt, einige wenige wechseln in die Zentrale nach Basel. Ein Stockwerk des Fossil-Gebäudes an der A8 bei Grabenstätt könnte also künftig leerstehen. Der Store im Erdgeschoß und das Vertriebslager der Fesco GmbH bei Eggstätt sind nicht betroffen. 
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Grabenstätt - Der Fossil-Standort Grabenstätt wird ausgedünnt: Gut 40 Angestellte müssen gehen - wir haben mit einem Betroffenen und mit dem Unternehmen gesprochen.

Es ging alles ganz schnell: Bei einer Betriebsversammlung am 7. Mai wurden die Angestellten von Fossil in Grabenstätt über "neue Strukturen" und die Verlagerung von Geschäftsbereichen informiert. "Da war schon absehbar, was passiert und wen es von uns trifft. Es war ein Schock", so einer der Betroffenen im Gespräch mit chiemgau24.de. Gleich danach: Team-Meetings und Termine mit der Personalabteilung - die ersten von insgesamt rund 40 Kündigungen waren ausgesprochen. Bisher waren in Grabenstätt etwa 200 Angestellte beschäftigt. 

Drei Geschäftsbereiche werden bei Fossil Grabenstätt aufgelöst

Drei Bereiche sind es, die laut dem Mitarbeiter von der Grabenstätter Fossil-Niederlassung abgezogen werden: Financial & Controlling, Online/Sales/Vertrieb und Visual Merchandise, womit beispielsweise die Dekoration der Läden gemeint ist. Die ersten beiden Geschäftsbereiche sollen künftig von der Zentrale in Basel erledigt werden, das "Visual Merchandise" wird künftig von Außendienstlern oder Externen erledigt. 

"Die Stimmung im Betrieb ist jetzt natürlich grottig", wird uns berichtet - auch bei jenen, die bleiben können: "Sie verlieren ja langjährige Kollegen und es herrscht Unsicherheit, wie es weitergeht", so ein Angestellter. Er wird, wie die meisten anderen der rund 40 Betroffenen, betriebsbedingt gekündigt. Anderen wurden Aufhebungsverträge angeboten, dazu kommt eine handvoll Mitarbeiter, die nach Basel wechseln können. Ohnehin werde aber nur ein kleiner Teil der Stellen in Basel neu aufgebaut, die in Grabenstätt wegfallen.

Fossil selbst spricht von "Innovation" und "neuen Strukturen"

Einen Betriebsrat gibt es bei Fossil Grabenstätt nicht, der betroffene Angestellte zweifelt die Sozialverträglichkeit der Kündigungen an: "Alleinstehende ohne Kinder können bleiben, einem jungen Familienvater mit der gleichen Qualifikation wird dagegen gekündigt." Vom Stellenabbau bei Fossil ist aber nicht nur Grabenstätt betroffen, sondern nach unseren Informationen auch Standorte in Portugal, Frankreich, Schweden, Polen und Italien. 

Was sind die Gründe? Man wolle künftig "noch innovativer sein, sowohl mit den Produkten, als auch bei den eigenen Abläufen", so das Unternehmen gegenüber unserer Redaktion - ab 1. Juni würden deshalb "Organisation, Prozesse und Verantwortlichkeiten neu strukturiert", wie es heißt: "Der Standort Grabenstätt wird dabei die Rolle einer reinen Vertriebsorganisation für die Märkte Deutschland, Österreich, Osteuropa und Mittlerer Osten einnehmen", womit im Umkehrschluss der Abzug der anderen Geschäftsbereiche gemeint ist. Weitere Details oder konkrete Zahlen will das Unternehmen nicht nennen.

Mitarbeiter berichtet von Umsatzeinbußen

Ein gekündigter Angestellter findet gegenüber chiemgau24.de klarere Worte: "Im Hauptgeschäft, dem Verkauf der traditionellen Uhr, gab es zuletzt massive Einbußen." Der Umsatz von Fossil sei in Europa im ersten Quartal 2019 im Vergleich zum Vorjahr fast um ein Fünftel zurückgegangen - und die Uhren machen nach wie vor 60 Prozent des Fossil-Umsatzes aus. "Man hat sich zwar auch dem Bereich der Smartuhren gewidmet", so der Angestellte, "aber da konkurriert man mit Weltmarktführern wie Apple oder Samsung". 

Durch die Kündigungswelle könnte künftig ein Stockwerk des 2010 bezogenen Gebäudes an der Autobahnausfahrt bei Grabenstätt leerstehen. Der Store im Erdgeschoß und das Vertriebslager der Fesco GmbH bei Eggstätt sind von den Umstrukturierungen nicht betroffen

xe

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