Varianten kosten bis zu 21 Millionen Euro

Hochwasserschutz-Pläne für Grabenstätt nicht wirtschaftlich - Hochwasserschaden wäre „billiger“

Die Planungen für den Hochwasserschutz in Grabenstätt betreffen insbesondere den Grabenstätter Mühlbach.
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Die Planungen für den Hochwasserschutz in Grabenstätt betreffen insbesondere den Grabenstätter Mühlbach.

Im Gemeinderat in Grabenstätt wurdne die Planungsvarianten für den Hochwasserschutz vorgestellt. Problematisch ist, dass alle Varianten für die Gemeinde nicht wirtschaftlich seien.

Grabenstätt - Nicht erst seit dem extremen Hochwasser Anfang Juni 2013, als die Grabenstätter Autobahnauffahrt in Richtung München teilweise von den Fluten weggerissen wurde und das Grabenstätter Moos mit angrenzender Wohnbebauung tagelang überflutet war, bewegt der Hochwasserschutz die Gemüter in der Gemeinde. Der Gemeinderat hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder für die Planung und Umsetzung funktionierender Hochwasserschutzmaßnahmen ausgesprochen, um künftig besser gegen Hochwasserereignisse gewappnet zu sein.

In der jüngsten Sitzung, die coronabedingt vom Schlossökonomiesaal in die Turnhalle verlegt worden war, stellte Dr.-Ing. Florian Pfleger vom beauftragten Ingenieurbüro aquasoli die fünf Hochwasserschutz-Planungsvarianten 1, 2, 3, 4 und 4a für den Grabenstätter und Marwanger Mühlbach vor. Sie waren im Zuge einer Vielzahl von hydraulischen und hydrologischen Untersuchungen und den daraus resultierenden Abflussberechnungen ausgearbeitet worden.

Pfleger zufolge liege die derzeitige Abflussleistungsfähigkeit des Mühlbaches im Grabenstätter Ortsbereich mit einem halben Meter Freibord an den Brücken bei zirka sieben Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Um aber für ein hundertjähriges Hochwasser (HQ100) gerüstet zu sein, bei dem die markantesten Ausuferungen in der Traunsteiner Siedlung/Hochfellnstraße und an der Schloss- und Hauptstraße zu erwarten seien, habe man einen notwendigen Bemessungsabfluss von 22,1 Kubikmeter pro Sekunde (19,2 Kubikmeter pro Sekunde plus 15-prozentiger HQ100-Klimazuschlag) errechnet und „damit planen wir“, so Pfleger.

Leider hätten sich aber alle fünf Planungsvarianten am Ende als „nicht wirtschaftlich“ erwiesen, da das auf Basis der Berechnungsvorgaben des Wasserwirtschaftsamtes Traunstein errechnete Schadenspotential von knapp 2,5 Millionen Euro jeweils deutlich niedriger wäre als die Kosten für den Hochwasserschutz. „Wir liegen damit in einer Größenordnung, die nicht förderfähig ist“, gab Pfleger zu bedenken, für eine entsprechende Förderung durch den Freistaat müsse nämlich der Vorsorgenutzen größer sein als die entstehenden Baukosten. 

Kosten liegen bei bis zu 21 Millionen Euro

Bei den Varianten 4 und 4 a mit Hochwasserschutzlinien sowie Bypass- und Objektschutzlösungen würde man sich im Kostenbereich von 6,2 Millionen Euro bewegen, bei der Variante 2 mit Gewässerausbau (Sohleeintiefung) bei 10,9 Millionen Euro, bei der Variante 3 mit einer großräumigen Bypasslösung bei 17,8 Millionen Euro und bei der Variante 1, die eine Kombination aus Rückhalt (Hochwasserrückhaltebecken Hasperting, Spielwang und/oder Mühlbach/Seitental) und Gewässerausbau beinhalte, sogar bei 21 Millionen Euro. Letzteres entspricht also dem über Achtfachen des Schadenspotentials. Selbst unter Einbeziehung des Schadenspotentials für das Grabenstätter Pfarrerbachl wäre man laut Wasserwirtschaftsamt weit weg von der angestrebten Wirtschaftlichkeit und Förderfähigkeit. In puncto Hochwasserschutz am Pfarrerbacherl seien zudem noch Eigentumsfragen zu klären, hieß es.

Die Auswirkungen auf den Bemessungsabfluss durch die Hochwasserrückhaltestandorte Hasperting, Spielwang und Mühlbach wären bei jeweils maximalen Ausbau „relativ übersichtlich“, so Pfleger. Selbst kombinierte Hochwasserrückhaltebecken würden nicht die gewünschten Effekte erzielen. Die untersuchten Hochwasserrückhaltebecken Tüttensee und Grabenstätt seien wegen des dortigen Trinkwasserschutzgebietes erst gar nicht umsetzbar. Ohne Freibord würde die Abflussleistungsfähigkeit des Mühlbaches zehn Kubikmeter pro Sekunde an der Schwachstelle kurz vor der Hauptstraße und zwölf Kubikmeter pro Sekunde an der Schlossstraße bei gleichzeitiger Ausuferung betragen, so der Referent. Für eine Brückenanhebung sieht er wegen der engen Bebauung an der Hauptstraße keine Möglichkeiten.

„Es gilt jetzt nach neuen Lösungen zu suchen und deswegen haben wir eine Konzeptplanung für Einzelmaßnahmen in Auftrag gegeben, die auch relativ schnell umsetzbar sind“, betonte Bürgermeister Gerhard Wirnshofer. Auf Basis der vorliegenden Untersuchungen und Ergebnisse solle nun ein förderunabhängiger Hochwasserschutz mit kombinierten Einzelmaßnahmen erarbeitet werden, mit denen ein wirtschaftlicher, aber dennoch höchstmöglicher Schutz für die Bevölkerung gewährleistet werden könne, heißt es im einstimmig abgesegneten Beschlussvorschlag. Es gehe dabei um einzelne Bauwerke wie Schutzlinien und -wälle, aber auch um individuellen Objektschutz und Maßnahmen an Brücken. 

Die vom Ingenieurbüro aquasoli voraussichtlich bis Herbst ausgearbeiteten neuen Konzeptvorschläge sollen dann erneut im Gemeinderat beraten werden. Angedacht ist nachfolgend auch eine Erörterung der konkreten Maßnahmen mit den betroffenen Bürgern. Zum aktuellen Stand gibt es schon am Donnerstag, 6. Mai, um 19.30 Uhr eine Online-Info-Veranstaltung, die alle Bürger per Livestream im Internet mitverfolgen können. Auch Fragen können gestellt werden. Der Link wird auf der gemeindlichen Homepage bekanntgegeben. 

mmü

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