Wasserversorgung bleibt ein großes Thema

Wasserschutzgebiet in Grabenstätt - Bürgermeister optimistisch

+
Der Brunnen „Eggerhauser Holz“ der gemeindlichen Wasserversorgung Grabenstätt (Marwanger Wasserversorgung). Noch ist nicht klar, ob und wenn ja, wann das Landratsamt Traunstein dem Wasserschutzgebietsvorschlag zustimmt. Seit 2015 wird das Trinkwasser für die Ortsteile Hirschau, Hagenau, Marwang, Obereggerhausen, Oberhochstätt und Unterhochstätt im Verhältnis von zirka ein Drittel (Gemeindliche Wasserversorgung) zu zwei Drittel (Wasserbeschaffungsverband Grabenstätt) gemischt.

Grabenstätt - Seit Jahren ist die gemeindliche Wasserversorgung in Grabenstätt ein großes Thema. Vor einigen Jahren wurde sogar ein Notverbund eingerichtet, weil Bürger die Wasserqualität angezweifelt hatten und Angst um ihre Gesundheit hatten. Seit 2015 wird gemischt.

Mehrheitlich mit 10:6 Stimmen hat der Gemeinderat im vergangenen November den Wasserschutzgebietsvorschlag für den Einzugsbereich des Brunnens „Eggerhauser Holz“ (gemeindliche Wasserversorgung) abgesegnet. Dass damals sechs Räte überraschend gegen den Schutzgebietsvorschlag stimmten und damit das langjährige Verfahren infrage stellten, stieß nun auch beim kommunalpolitischen Stammtisch der CSU in der Pension Langerspacher auf Unverständnis. „Das Thema fünf Zentimeter vor der Ziellinie abzublasen wäre verheerend gewesen, denn so eine Chance kriegt man nicht mehr“, meinte Roman Metzner. Hans Pertl erinnerte daran, dass Diplom-Ingenieur Alexander Thiele bei der Vorstellung des Wasserschutzgebietsvorschlages im Gemeinderat das Grundwasservorkommen in Marwang als „Schatz“ bezeichnet habe, den es zu hüten gelte. 


Es sei wichtig, so Pertl, dass man in der Gemeinde mit dem Wasserbeschaffungsverband Grabenstätt, der Mühlener Gruppe und der gemeindlichen Wasserversorgung breit aufgestellt bleibe, da es schnell einmal, wie 2017 bei der Mühlener Gruppe geschehen, zu einer Störung kommen könne. Auch die Folgen des Klimawandels (trockene Sommer) müssten beachtet werden, war er sich mit dem CSU-Ortsvorsitzenden Florian Hille einig.

Seit 2014 Zweifel an der Qualität des Wassers

Die Qualität des Wassers aus dem Brunnen „Eggerhauser Holz“ sei „exzellent“, nur in alten verzinkten Leitungen (Hausanschlüsse) könne es wegen des leicht erhöhten Nitratgehalts in Verbindung mit der Basenkapazität (überschüssige Kohlensäure) und des Zinkgerieselkoeffizienten zu einer korrosiven Wirkung kommen, so Pertl. Sofern sich in diesen alten Leitungen eine Kalkschicht befinde, wie es bei ihm in Hirschau der Fall sei, sei dies ein guter Schutz, so Franz Wiesholler. Wer trotzdem gesundheitliche Bedenken habe, müsse sich seinen alten Hausanschluss umrüsten lassen, so Metzner.


Zum Erinnerung: Bis Februar 2014 bezogen die Bürger in Hirschau, Hagenau, Marwang, Obereggerhausen, Oberhochstätt und Unterhochstätt ihr Trinkwasser aus dem Brunnen Eggerhauser Holz (gemeindliche Wasserversorgung). Da einige von ihnen die Trinkwasserqualität anzweifelten, wurden die genannten Ortsteile bis Mai 2015 mittels eines vorsorglichen Notverbunds mit Trinkwasser aus der Steinweiher Quelle (Wasserbeschaffungsverband Grabenstätt/WBV) versorgt. 

Seitdem wird im Verhältnis von zirka ein Drittel (gemeindliche Wasserversorgung) zu zwei Drittel (WBV) gemischt. Seit dieser Zeit gibt es auch monatliche Trinkwasseranalysen. Diese ergaben, dass der Nitratwert im Mischbetrieb stets bei zirka 16 bis 17 Milligramm pro Liter liegt, was vollkommen unbedenklich ist. Erst ab 18,5 Milligramm Nitrat pro Liter kann das Wasser in alten verzinkten Leitungen korrosiv werden. Ohne Mischung bewegt sich der Nitratwert im Wasser aus dem Brunnen „Eggerhauser Holz“ zwischen 20 bis 24 Milligramm pro Liter. Der Nitrat-Grenzwert liegt aber bei 50 Milligramm pro Liter. Davon ist man in Grabenstätt aber meilenweit entfernt.

Schutzgebietsgrenzen mussten überarbeitet werden

Bürgermeister Georg Schützinger erinnerte an die Tektur des ersten Schutzgebietsvorschlags im Jahre 2002 und die vor einigen Jahren veränderten Bewertungskriterien zur Bemessung und Festlegung von Wasserschutzgebieten, infolge dessen die Gemeinde Grabenstätt durch das Landratsamt Traunstein aufgefordert worden sei, die Schutzgebietsgrenzen zu überarbeiten und den Schutzgebietskatalog anzupassen. In Absprache mit dem Wasserwirtschaftsamt Traunstein seien dann 2014 und 2015 insgesamt fünf zusätzliche Vorfeldmessstellen (Pegel) errichtet und in der Folgezeit zahlreiche hydraulische, hydrochemische und bodenmechanische Untersuchungen und Messreihen durchgeführt worden. 

Die Gemeinde habe dafür schon viel Geld in die Hand genommen, betonte Schützinger und zeigte sich optimistisch, dass das Schutzgebiet komme, was aber noch dauern könne. Einen Plan B gebe es nicht. Die Schutzzone 1 um den Fassungsbereich des 1999 im Wald bei Eggerhausen gebohrten Brunnens (zuvor kam das Wasser aus einer Quelle) gehöre der Gemeinde, in der Schutzzone 2 gebe es entsprechende Auflagen und in der Schutzzone 3 dürfte es bei normaler Bewirtschaftung keine Probleme geben, so Schützinger. Die wesentliche Fläche sei sowieso Wald. 

Einige Landwirte wären betroffen

Sollte das Landratsamt den Schutzgebietsvorschlag bewilligen, wären davon trotzdem einige Landwirte in Niederndorf und Kaltenbach auch mit ihren Feldern betroffen. Da sie weit genug vom Brunnen entfernt sind, droht ihnen aber kein Düngeverbot. Hinauslaufen wird es auf freiwillige Vereinbarungen. Auf die Frage von Dieter von Wrede, ob der Nitratwert des Trinkwassers sofort besser werde, wenn man das Schutzgebiet genehmigt bekomme, meinte Schützinger: „Automatisch nicht“. Die Bauern hätten beim Düngen schon jetzt viele Vorgaben zu erfüllen. Wer gegen die geltende Düngeverordnung verstoße, mache sich sogar strafbar, gab Landwirt Wiesholler zu bedenken.

Thomas Langerspacher zeigte sich verwundert darüber, dass es wegen diverser bürokratischer Hürden Jahre oder sogar Jahrzehnte dauere, bis man so ein Trinkwassereinzugsgebiet für die Bürger unter Schutz stellen könne. Wegen der vielen Bohrungen und Tests sowie des Wasserzukaufs vom Wasserbeschaffungsverband Grabenstätt sei der Wasserpreis bereits auf 1,80 Euro pro Kubikmeter gestiegen, mahnte Landwirt Wiesholler an. 

Vor allem für große Bauern, die bis zu 2000 Kubikmeter Wasser im Jahr bräuchten, seien dadurch erhebliche Mehrkosten entstanden. Einig war man sich auch darin, dass die Wasserversorgung niemals in die Hände privater Investoren fallen dürfe. Auch deshalb, weil diese eine zusätzliche Rendite einfordern würden, was den Wasserpreis in ungeahnte Höhen treiben könnte, warnte Pertl.

mmü

Kommentare