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Grabenstätter Brasilienhilfe

Wie die Caipirinha in den Chiemgau kam - und das für einen guten Zweck

Die bewährte Vorstandschaft der Partnerschaftlichen Brasilienhilfe Grabenstätt: Erste Vorsitzende Uschi Erl (mittlere Reihe), Zweiter Vorsitzender Job Wülfing (links), Beisitzerin Betty Wülfing (vorne), die Beisitzerin Sandra Speckbacher (hinten links), Kassierin Irmgard Gottsmann (hinten rechts), Schriftführer Engelbert Gottsmann (Zweiter von rechts) und Beisitzer Hannes Piller (rechts) freuten sich.
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Die bewährte Vorstandschaft der Partnerschaftlichen Brasilienhilfe Grabenstätt: Erste Vorsitzende Uschi Erl (mittlere Reihe), Zweiter Vorsitzender Job Wülfing (links), Beisitzerin Betty Wülfing (vorne), die Beisitzerin Sandra Speckbacher (hinten links), Kassierin Irmgard Gottsmann (hinten rechts), Schriftführer Engelbert Gottsmann (Zweiter von rechts) und Beisitzer Hannes Piller (rechts) freuten sich.

Die Grabenstätter Brasilienhilfe hat ganz viel für Kinder und Jugendliche in Brasilien getan. Warum es die legendären Feste nicht mehr gibt und welche Erfolge der Verein feiern kann.

Grabenstätt – Die gebürtige Brasilianerin Betty Wülfing und der unlängst verstorbene frühere Grabenstätter Pfarrer Nepomuk Huber waren 1980 die Wegbereiter der Brasilienaktion, die seit 1995 vom Brasilienhilfe-Verein getragen wird. Auf der Versammlung des Vereins blickte man auf über 40 Jahre Brasilienhilfe zurück. Bekannt ist der Verein vielen Chiemgauern auch durch die legendären Brasilienfesten, die mit Ehrenamtlichen von 1981 bis 2009 jährlich außer 2007 ausgerichtet worden waren. Man hatte sie jedoch eingestellt, weil die Kosten und der Aufwand zu groß geworden waren.

In ihrem Jahresbericht betonte Vorsitzende Erl, dass das seit 2010 unterstützte „Zentrum der Hoffnung“ (Centro Esperana) in Tapauá 2019 mit circa 200 Kindern und Jugendlichen gut gefüllt gewesen sei, bevor es dann im März 2020 im Zuge der Corona-Pandemie zusperren habe müssen.

Viele Kinder auf der Straße gelandet

Viele der dort lebenden Kinder und Jugendlichen gehen halbtags zur Schule und die andere Hälfte des Tages verbringen sie im Centro, wo sie lebenspraktische Fähigkeiten erlernen, um später bessere berufliche Chancen zu haben. Auch im Januar 2021 ist das Centro immer noch geschlossen gewesen. „Alle Kinder und Jugendlichen waren den ganzen Tag ohne Beschäftigung, denn die Schulen waren ebenfalls geschlossen“, erzählte Erl. Die Kinder und Jugendlichen seien leider fast alle auf der Straße gelandet. Das nächste große Problem war die Versorgung mit Lebensmitteln.

„Fast ausweglos“

„Im Centro erhielten die Kinder und Jugendlichen täglich eine warme Mahlzeit und eine Brotzeit, dies fiel nun weg, doch viele Eltern sind darauf angewiesen. Eine fast ausweglose Situation“, so Erl. Die Sternstundenaktion des Bayerischen Rundfunks habe dann die Brasilienhilfe mit 16.000 Euro für den Kauf von Lebensmitteln und Hygieneartikeln unterstützt. Dieses Geld rufe man in Tapauá nach und nach ab. Ein Jahr nach der Schließung, konnte das Centro unter strengen Hygieneauflagen mit deutlich weniger Kindern wieder öffnen. Während des Lockdowns hatte man zur Stromkosteneinsparung eine Photovoltaikanlage auf dem Dach installiert.

Erl verriet auch, dass die Brasilienhilfe 60.000 Euro aus einer Erbschaft bekommen habe und das Centro in Tapauá damit für vier Jahre eine Psychologin einstellen habe können. Viele der Kinder hätten in der Corona-Zeit psychische Probleme bekommen. Der Leiter des Centros Pater Frei Luis Antônio hat zudem eine Sozialarbeiterin angestellt. Die Zusammenarbeit funktioniere hervorragend und man hoffe, dass nun endlich wieder Normalität einkehre, wünschte sich Erl.

Ein besonderer Dank galt den Pfarreien Grabenstätt, Erlstätt, Vachendorf und Grünwald für die Spenden aus der Sternsinger-Aktion, die über das Kindermissionswerk nach Tapauá geschickt werden. 2022 war die Sternsinger-Aktion von Corona stark beeinträchtigt. Trotzdem gingen aus Erlstätt rund 1993 Euro ein, aus Grabenstätt rund 2519 Euro, aus Grünwald rund 2670 Euro und aus Vachendorf rund 1790 Euro. Erl bedankte sich bei den Sternsingern und hoffte, dass sie 2023 alle wieder sammeln gehen können.

Von Computern bis zu Nähmaschinen

Positive Zahlen konnte auch Kassierin Irmgard Gottsmann vermelden. „Seit Bestehen des eingetragenen Vereins Partnerschaftlichen Brasilienhilfe Grabenstätt 1995 wurden 1,4 Millionen Euro nach Brasilien gesandt, insgesamt seit 1980 sogar rund 1,9 Millionen Euro“, verblüffte Vorsitzende Erl bei der Rückschau auf gut 40 Jahre Brasilienhilfe.

Mit dem Erfolg der Brasilienfeste kamen immer mehr Projekte hinzu. Über viele Jahre konnte das Centro in Lábrea unterstützt werden, zuletzt 2019 mit der Einrichtung einer Küche. „Wir haben dort über die Jahre die Metallwerkstatt ausgestattet, Computer, Nähmaschinen und Gitarren gekauft und ganz viele Materialien für die Werkstätten“, so Erl. Ab 2010 erfolgte die Unterstützung für das Centro in Tapauá. Dorthin gingen schon fast 140.000 Euro, dazu noch die Sternsingergelder ab 2015. Mithilfe der Festeinnahmen hat man viele Projekte unterstützen können, teilweise über 30 gleichzeitig. Die meisten stehen nun auf eigenen Beinen. „Wir haben also Hilfe zur Selbsthilfe geleistet“, so Erl.

Hintergrund: Vereinsführung im Amt bestätigt

Die Partnerschaftliche Brasilienhilfe Grabenstätt bleibt unter bewährter Führung. Einstimmig bestätigten die Mitglieder in der Jahreshauptversammlung im Nepomuk Huber Haus in Marwang die langjährige Vorsitzende Uschi Erl an der Vereinsspitze. Seit 1995, also von Beginn an, lenkt sie schon die Geschicke des Vereins. Weiterhin als Zweiter Vorsitzender zur Seite steht ihr Job Wülfing. Ebenfalls einstimmig wiedergewählt wurden Schriftführer Engelbert Gottsmann, Kassierin Irmgard Gottsmann sowie die Beisitzer Aurea Wülfing, Georg Schützinger, Hannes Piller, Sandra Speckbacher und Betty Wülfing. Kassenprüfer bleiben Henry Scholtysik und Dr. Martin Bente. Die Wahl leitete Andreas Lindlacher.