Rücklagen langsam aufgebraucht

Wird die Brasilienhilfe Grabenstätt in einigen Jahren aufgelöst?

Grabenstätt - Die Brasilienhilfe Grabenstätt hilft der Jugend im brasilianischen Amazonasgebiet. Doch allmählich werden die Rücklagen langsam aufgebraucht. Wird der Verein in einigen Jahren aufgelöst?

In der zweiten diesjährigen Jahreshauptversammlung blickte die Partnerschaftliche Brasilienhilfe Grabenstätt im Pfarrsaal auf 2017 zurück. Ein voller Erfolg sei die damalige Sternsinger-Aktion gewesen, bei der in Grabenstätt, Erlstätt und Grünwald rund 15.548 Euro für die Brasilienhilfe gesammelt worden seien, so Erste Vorsitzende Uschi Erl. 2018 seien es mit rund 14.883 Euro nur etwas weniger gewesen. „Rund 20 Prozent der jährlichen Kosten des „Centro Esperança“ (Zentrum der Hoffnung) in Tapauá können mit dem Geld gedeckt werden“, betonte Erl und fügte an: „Ohne uns hätten die wohl schon zusperren müssen.“ Halbtags besuchen die Kinder und Jugendlichen das Centro, in dem sie unter anderem PC-Kenntnisse, Kochen, Nähen, Sticken und Schnitzen lernen sowie singen, musizieren und Sport treiben. Auch mit Essen werden sie dort versorgt. Die andere Hälfte des Tages gehen sie zur Schule. Auch wenn mit dem Ende der erfolgreichen Ära der Grabenstätter Brasilienfeste (letztes Fest 2009) die wichtigste Einnahmequelle des Vereins weggefallen sei, könne man dank der Rücklagen die Menschen und insbesondere die Jugend im Amazonas-Gebiet weiterhin unterstützen, aber nicht mehr in dem Umfang wie früher, so Erl. „Einst haben wir 27 feste Projekte gehabt plus einmalige Spendenaktionen, das war viel Arbeit“, erinnerte die „Mutter“ der Partnerschaftlichen Brasilienhilfe Grabenstätt Betty Wülfing. Mittlerweile habe man das Ganze „auf ein bis drei feste Projekte heruntergefahren“, so ihr Mann, Zweiter Vorsitzender Job Wülfing. Manche hätten auch keine Unterstützung mehr gebraucht, „konnten auf eigenen Füßen stehen“, so Erl.

Die 1995 gegründete Partnerschaftliche Brasilienhilfe Grabenstätt, deren Wurzeln bis in die 1970er Jahre zurückreichen, hat rund 80 Mitglieder. Laut Kassiererin Irmgard Gottsmann betrugen die Einnahmen 2017 80.784 Euro, einschließlich des Übertrags von 2016 in Höhe von knapp 73.000 Euro. Für die Brasilien-Projektförderung überwies man 2017 insgesamt rund 24.562 Euro. 10.000 Euro waren zum Beispiel für die Anschaffung von Nähmaschinen im „Centro Esperança“ in Lábrea bestimmt und mit 4000 Euro unterstützte man ein Projekt für schwangere Frauen, die sich mit dem Zikavirus infiziert hatten. Die Kassenprüfer Henry Scholtysik und Josef Juretschke waren voll des Lobes und die Vorstandschaft wurde einstimmig entlastet. Zusätzlich zu den Sternsinger-Geldern gingen in diesem Jahr 10.000 Euro nach Tapauá, „um dort die große Not zu lindern“, betonte Erl.

Vom zwischenzeitlichen Aufschwung ist in Brasilien nichts mehr zu spüren. Korruption und Vetternwirtschaft sind an der Tagesordnung und verschlimmern die Situation der Menschen, die nicht nur im armen Bundesstaat Amazonas zu „Meistern im Improvisieren“ geworden seien, wie es Erl ausdrückte. Obwohl gesetzlich geregelt, würden die „Zentren der Hoffnung“ keine staatlichen Zuschüsse mehr erhalten. Die von den Centros gezahlten Lehrergehälter seien nur Mindestlöhne, so Betty Wülfing. Seitdem sie sich ein Smartphone mit WhatsApp zugelegt habe, funktioniere die Kommunikation mit ihren Ansprechpartnern vor Ort viel besser als über Internet oder Telefon, so die gebürtige Brasilianerin, die seit Jahrzehnten in Grabenstätt lebt.

Angesprochen auf die Zukunft des Vereins, meinte Erl: „Wir brauchen unsere Bestände langsam auf, unterstützen weiterhin verantwortungsbewusst und wenn kein Geld mehr da ist, werden wir zusperren.“ „Wenn keine großartigen Spenden mehr kommen, ist es in drei, vier Jahren vorbei“, mutmaßte Job Wülfing. Man sei nicht mehr in der Lage große Feste oder Wohltätigkeitsveranstaltungen auszurichten. „Ich frage mich immer, wie wir die Brasilienfeste damals gestemmt haben“, so Engelbert Gottsmann. Bürgermeister Georg Schützinger lobte die ehrenamtliche Arbeit der Brasilienhilfe, die „nicht selbstverständlich“ sei. Erl bedankte sich bei ihren Vorstandskollegen und allen Mitgliedern, Unterstützern und Spendern. „2019 können wir hoffentlich wieder Positives aus Brasilien berichten“, wünschte sich die Vorsitzende. 

mmü

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